Der Markt für Objektmöbel wächst. Das ist die einfache Nachricht. Die wichtigere ist: Er verändert dabei seine Logik. Nach aktuellen Analysen von Global Market Insights liegt das weltweite Volumen für Objektmöbel bei rund 70 Mrd. US-Dollar. Bis 2035 soll es auf über 120 Mrd. US-Dollar steigen, bei einer jährlichen Wachstumsrate von knapp 6 Prozent. Auch Grand View Research kommt zu vergleichbaren Größenordnungen. Das Segment gehört damit zu den stabileren Bereichen der Möbelindustrie – getragen weniger vom Konsum als von Investitionen.
Denn der Markt folgt anderen Zyklen. Entscheidend sind Büroentwicklungen, Hotelprojekte, Bildungsbauten oder Gesundheitsinfrastruktur. Und genau dort wird weltweit weiter investiert. Während der klassische Möbelhandel unter Druck steht, laufen Projekte – oft langfristig geplant und finanziert.
Büro bleibt dabei das größte Segment. Je nach Studie entfallen rund 40 bis 45 Prozent der Nachfrage auf Corporate Offices. Dahinter folgen Hospitality, Bildung und Healthcare. Gerade diese Bereiche gewinnen an Gewicht, weil sie weniger konjunkturabhängig sind und häufig durch institutionelle Investoren oder öffentliche Mittel getragen werden.
Doch das eigentliche Thema liegt tiefer.
Die Arbeitswelt verändert sich – und mit ihr die Nachfrage nach Möbeln. Hybrid ist kein Trend mehr, sondern Realität. Laut Eurofoundarbeitet inzwischen rund 44 Prozent der Beschäftigten in Europa in hybriden Modellen. Globale Workplace-Analysen wie der Leesman Indexzeigen, dass bis zu 86 Prozent der Wissensarbeiter regelmäßig zwischen mehreren Arbeitsorten wechseln.
Die Folgen sind konkret messbar. Büroflächen werden reduziert, geteilt oder neu organisiert. Desk Sharing ersetzt feste Arbeitsplätze. Studien zeigen, dass die tatsächliche Auslastung von Büros in hybriden Modellen häufig nur noch bei 15 bis 30 Prozent liegt. Gleichzeitig gelten in vielen Unternehmen bis zu zwei Drittel der Flächen als untergenutzt. Das verändert die Beschaffung grundlegend.
Es geht nicht mehr darum, möglichst viele Arbeitsplätze auszustatten. Es geht darum, unterschiedliche Nutzungen abzubilden: konzentriertes Arbeiten, Austausch, Rückzug, temporäre Nutzung. Entsprechend verschiebt sich die Nachfrage – weg von standardisierten Einzelmöbeln, hin zu flexiblen, modularen Systemen. Damit verändert sich auch, wer im Markt entscheidet.
Im klassischen Möbelgeschäft dominieren Marken, Händler und Ausstellungen. Im Objektgeschäft sind es andere Akteure: Architekten, Innenarchitekten, Projektentwickler, Betreiber. Sie definieren, was spezifiziert wird. Und damit, welche Hersteller überhaupt in die Projekte kommen. Für Anbieter bedeutet das: Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur im Vertrieb, sondern im Planungsprozess.
Parallel steigen die Anforderungen. ESG-Kriterien, Materialtransparenz und Lebenszykluskosten werden zunehmend zum Standard, vor allem bei größeren Projekten und öffentlichen Auftraggebern. Entscheidungen basieren nicht mehr nur auf Design und Preis, sondern auf Daten. Wer diese nicht liefern kann, verliert.
Auch geografisch verschiebt sich das Gewicht. Während Europa ein reifer, weitgehend gesättigter Markt bleibt, kommen Wachstumsimpulse zunehmend aus Asien-Pazifik und Nordamerika. Urbanisierung, neue Arbeitswelten und Investitionen in Infrastruktur treiben dort die Nachfrage. Der Wettbewerb wird internationaler. Und projektgetriebener.
Hinzu kommt eine Entwicklung, die oft unterschätzt wird: Digitale Plattformen verändern den Zugang zum Markt. Ausschreibungen, Spezifikationen und Planungsprozesse verlagern sich zunehmend in digitale Umgebungen. Wer dort präsent ist, wird berücksichtigt. Wer fehlt, wird nicht gesehen. Der Objektmöbelmarkt ist damit längst mehr als ein Designfeld. Er ist ein System aus Projekten, Daten und Zugängen.
Das Wachstum ist real. Aber es entsteht nicht aus mehr Möbeln im klassischen Sinn. Sondern aus einer neuen Art, Räume zu denken – und zu nutzen.
Für Hersteller bedeutet das eine klare Verschiebung: Weg vom Produkt, hin zur Lösung. Weg vom Katalog, hin zur Spezifikation. Und vor allem: näher an die Akteure, die heute entscheiden. Denn im Objektgeschäft gewinnt nicht, wer sichtbar ist. Sondern wer eingeplant wird.