Der Stuhl bleibt im Namen
Interstuhl macht seinen Weg vom Stuhl zum Raum sichtbar
Wer Interstuhl heißt, trägt sein Kerngeschäft im Namen. Lange verstand sich der Hersteller aus Meßstetten-Tieringen als Spezialist für ergonomische Sitzlösungen. Rechtzeitig zur Orgatec 2026 hat er sich einen neuen Markenauftritt gegeben und einen Claim, der weit über die Sitzfläche hinausreicht: „Interstuhl. Office is all.“ Der Stuhl bleibt im Namen. Das Selbstverständnis ist größer geworden.
Nach eigenen Angaben ist Interstuhl heute Spezialist für Sitz-, Kommunikations- und Raumlösungen. Das Portfolio wuchs in den vergangenen Jahren um Möbel für Besprechungs-, Projekt- und Begegnungsbereiche, etwa die Kollektionen SHUFFLE, HUB und WHAT IF WE FLY. Dazu kommen Dienstleistungen aus dem eigenen Haus: Goconut berät und liefert digitale Werkzeuge für die Flächenplanung, Intensor erfasst Gebäudedaten digital, die Interstuhl Raumlösungen übernehmen die Planung. „Einzelne Produkte reichen längst nicht mehr aus“, heißt es in der Mitteilung zum Relaunch. „Bei der Entwicklung sind für uns zwei Fragen essentiell: Was macht Menschen im Beruf glücklich? Und was macht Unternehmen erfolgreich?“, sagt Helmut Link, Geschäftsführer der Interstuhl Group.
Der Messestand in Köln sollte den neuen Auftritt räumlich erlebbar machen. Unter einem leuchtenden Markenschild öffnete sich eine Lounge auf orange-rosafarbenem Boden, daneben eine Kaffeebar, dahinter Kulissen für die Neuheiten. Ein Portal mit dem Schriftzug „Services“ führte tiefer in den Stand. So will Interstuhl den Claim verstanden wissen: Das Büro als Summe aller Dinge, vom konzentrierten Arbeiten auf dem ergonomischen Bürostuhl über die Kaffeepause mit Kollegen bis zur Eingebung im Homeoffice.
Umso bemerkenswerter, was am Stand eine eigene Bühne bekam: ein Stuhl. Unter einer überdimensionalen Stehlampe stand VEOH, ein Konferenz- und Drehstuhl, den Interstuhl gemeinsam mit Phoenix Design entwickelt hat. Eine Spange legt sich wie die Blätter einer Blüte um Sitz und Rücken, die Mechanik ist vollständig umschlossen. Der Stuhl wirke dadurch „mehr wie ein Wohn-, als ein Büromöbel“, schreibt Interstuhl.
Auf derselben Messe hatte Werner Aisslinger am COR-Stand dem klassischen Drehstuhl eine „auslaufende Typologie“ bescheinigt. VEOH liest sich wie eine Antwort aus dem anderen Lager: ein Drehstuhl, der möglichst wenig nach einem aussehen will. Abschaffen lässt sich der Drehstuhl offenbar nicht. Aber umpolstern.
VEOH gibt es in zwei Ausführungen, jeweils als Konferenz- und als Drehstuhl. In der Variante Performance trägt der Stuhl eine kannelierte Rückenlehne aus Kunststoff, inspiriert von der Struktur antiker Säulen. In der Variante Platinum ist die Spange aus Holz, die Rückenabdeckung mit Stoff bezogen. Drei Farbwelten stehen zur Wahl: Black, Creme und Sage Green, abgestimmt auf Raumwirkungen von „seriös und würdevoll“ bis „inspirierend und harmonisch“. Gedacht ist VEOH für repräsentative Büros und Konferenzbereiche ebenso wie für Kanzleien, Beratungen und kreative Arbeitswelten.
Unter der wohnlichen Hülle steckt je nach Ausführung die volle Arbeitsplatzausstattung: Sitztiefeneinstellung, Sitzneige, eine versteckte Lordosenstütze, funktionale Armlehnen, Rollen oder Gleiter. Beim German Design Award 2027 erhielt VEOH Gold in der Kategorie Excellent Product Design Office Furniture. Ab dem 22. Februar 2027 ist zunächst der Konferenzstuhl in beiden Ausführungen lieferbar, der Drehstuhl folgt im Laufe des Jahres.
„Less. Longer. Better.“ stand an einer Wand des Messestands. Bei VEOH heißt das konkret: Ein Schnellkopplungssystem erlaubt eine weitgehend werkzeuglose Montage und Demontage, Reparaturen und Aufbereitungen sollen sich einfach durchführen, einzelne Komponenten austauschen lassen. Das Stricknetz im Rücken wird regional und ohne Verschnitt gefertigt. Entwickelt und gefertigt wird der Stuhl in Deutschland.
Die zweite Neuheit ist weniger fotogen und für Planer womöglich folgenreicher. Mit der Preisliste 2027 führt Interstuhl ein neues Konzept für Farben, Bezugsmaterialien, Kunststoffe, Beschichtungen und Oberflächen ein. Der Kern: Materialien und Farben sollen über Stühle und Möbel hinweg weitgehend deckungsgleich sein, damit sich ganze Räume aus einem Guss planen lassen. Was der Claim im Großen verspricht, wird hier im Kleinen durchdekliniert.
Die Zahlen dazu: 771 Bezugsmaterialfarben in 21 Bezugsqualitäten, sechs Beschichtungs- und sechs komplementäre Kunststofffarben, sechs Dekore, sechs Furniere, 16 Lederfarben. Alle Farben der Herstellerkarten lassen sich über OFML auswählen und ohne Aufpreis bestellen. Neu ist ein Strick, verschnittfrei und in Deutschland produziert, abgestimmt auf die sechs Kunststofffarben. Zum Sortiment gehören recycelte Materialien, Naturfasern und vegane Qualitäten sowie Materialien mit Zertifizierungen wie OEKO-TEX, EU Ecolabel, Blauer Engel oder Cradle to Cradle.
Die eigentliche Pointe steckt allerdings in einer kleineren Zahl. Acht Bezugsfarben sind als Standard schnell verfügbar, abgeleitet aus den Bestsellern, damit auch spontane Nachbestellungen klappen. Lagerfarben und Bestände will Interstuhl regelmäßig an das tatsächliche Bestellverhalten anpassen. 771 Möglichkeiten für die Planung, acht für den Alltag: Auch das ist eine Antwort auf die Frage, was Unternehmen erfolgreich macht.
Der Stuhl bleibt bei Interstuhl also im Namen und mit VEOH auch im Mittelpunkt. Allein steht er nicht mehr da.
VERWANDTE ARTIKEL
Der Stuhl bleibt im Namen
Interstuhl macht seinen Weg vom Stuhl zum Raum sichtbar

Wer Interstuhl heißt, trägt sein Kerngeschäft im Namen. Lange verstand sich der Hersteller aus Meßstetten-Tieringen als Spezialist für ergonomische Sitzlösungen. Rechtzeitig zur Orgatec 2026 hat er sich einen neuen Markenauftritt gegeben und einen Claim, der weit über die Sitzfläche hinausreicht: „Interstuhl. Office is all.“ Der Stuhl bleibt im Namen. Das Selbstverständnis ist größer geworden.
Nach eigenen Angaben ist Interstuhl heute Spezialist für Sitz-, Kommunikations- und Raumlösungen. Das Portfolio wuchs in den vergangenen Jahren um Möbel für Besprechungs-, Projekt- und Begegnungsbereiche, etwa die Kollektionen SHUFFLE, HUB und WHAT IF WE FLY. Dazu kommen Dienstleistungen aus dem eigenen Haus: Goconut berät und liefert digitale Werkzeuge für die Flächenplanung, Intensor erfasst Gebäudedaten digital, die Interstuhl Raumlösungen übernehmen die Planung. „Einzelne Produkte reichen längst nicht mehr aus“, heißt es in der Mitteilung zum Relaunch. „Bei der Entwicklung sind für uns zwei Fragen essentiell: Was macht Menschen im Beruf glücklich? Und was macht Unternehmen erfolgreich?“, sagt Helmut Link, Geschäftsführer der Interstuhl Group.
Der Messestand in Köln sollte den neuen Auftritt räumlich erlebbar machen. Unter einem leuchtenden Markenschild öffnete sich eine Lounge auf orange-rosafarbenem Boden, daneben eine Kaffeebar, dahinter Kulissen für die Neuheiten. Ein Portal mit dem Schriftzug „Services“ führte tiefer in den Stand. So will Interstuhl den Claim verstanden wissen: Das Büro als Summe aller Dinge, vom konzentrierten Arbeiten auf dem ergonomischen Bürostuhl über die Kaffeepause mit Kollegen bis zur Eingebung im Homeoffice.
Umso bemerkenswerter, was am Stand eine eigene Bühne bekam: ein Stuhl. Unter einer überdimensionalen Stehlampe stand VEOH, ein Konferenz- und Drehstuhl, den Interstuhl gemeinsam mit Phoenix Design entwickelt hat. Eine Spange legt sich wie die Blätter einer Blüte um Sitz und Rücken, die Mechanik ist vollständig umschlossen. Der Stuhl wirke dadurch „mehr wie ein Wohn-, als ein Büromöbel“, schreibt Interstuhl.
Auf derselben Messe hatte Werner Aisslinger am COR-Stand dem klassischen Drehstuhl eine „auslaufende Typologie“ bescheinigt. VEOH liest sich wie eine Antwort aus dem anderen Lager: ein Drehstuhl, der möglichst wenig nach einem aussehen will. Abschaffen lässt sich der Drehstuhl offenbar nicht. Aber umpolstern.
VEOH gibt es in zwei Ausführungen, jeweils als Konferenz- und als Drehstuhl. In der Variante Performance trägt der Stuhl eine kannelierte Rückenlehne aus Kunststoff, inspiriert von der Struktur antiker Säulen. In der Variante Platinum ist die Spange aus Holz, die Rückenabdeckung mit Stoff bezogen. Drei Farbwelten stehen zur Wahl: Black, Creme und Sage Green, abgestimmt auf Raumwirkungen von „seriös und würdevoll“ bis „inspirierend und harmonisch“. Gedacht ist VEOH für repräsentative Büros und Konferenzbereiche ebenso wie für Kanzleien, Beratungen und kreative Arbeitswelten.
Unter der wohnlichen Hülle steckt je nach Ausführung die volle Arbeitsplatzausstattung: Sitztiefeneinstellung, Sitzneige, eine versteckte Lordosenstütze, funktionale Armlehnen, Rollen oder Gleiter. Beim German Design Award 2027 erhielt VEOH Gold in der Kategorie Excellent Product Design Office Furniture. Ab dem 22. Februar 2027 ist zunächst der Konferenzstuhl in beiden Ausführungen lieferbar, der Drehstuhl folgt im Laufe des Jahres.
„Less. Longer. Better.“ stand an einer Wand des Messestands. Bei VEOH heißt das konkret: Ein Schnellkopplungssystem erlaubt eine weitgehend werkzeuglose Montage und Demontage, Reparaturen und Aufbereitungen sollen sich einfach durchführen, einzelne Komponenten austauschen lassen. Das Stricknetz im Rücken wird regional und ohne Verschnitt gefertigt. Entwickelt und gefertigt wird der Stuhl in Deutschland.
Die zweite Neuheit ist weniger fotogen und für Planer womöglich folgenreicher. Mit der Preisliste 2027 führt Interstuhl ein neues Konzept für Farben, Bezugsmaterialien, Kunststoffe, Beschichtungen und Oberflächen ein. Der Kern: Materialien und Farben sollen über Stühle und Möbel hinweg weitgehend deckungsgleich sein, damit sich ganze Räume aus einem Guss planen lassen. Was der Claim im Großen verspricht, wird hier im Kleinen durchdekliniert.
Die Zahlen dazu: 771 Bezugsmaterialfarben in 21 Bezugsqualitäten, sechs Beschichtungs- und sechs komplementäre Kunststofffarben, sechs Dekore, sechs Furniere, 16 Lederfarben. Alle Farben der Herstellerkarten lassen sich über OFML auswählen und ohne Aufpreis bestellen. Neu ist ein Strick, verschnittfrei und in Deutschland produziert, abgestimmt auf die sechs Kunststofffarben. Zum Sortiment gehören recycelte Materialien, Naturfasern und vegane Qualitäten sowie Materialien mit Zertifizierungen wie OEKO-TEX, EU Ecolabel, Blauer Engel oder Cradle to Cradle.
Die eigentliche Pointe steckt allerdings in einer kleineren Zahl. Acht Bezugsfarben sind als Standard schnell verfügbar, abgeleitet aus den Bestsellern, damit auch spontane Nachbestellungen klappen. Lagerfarben und Bestände will Interstuhl regelmäßig an das tatsächliche Bestellverhalten anpassen. 771 Möglichkeiten für die Planung, acht für den Alltag: Auch das ist eine Antwort auf die Frage, was Unternehmen erfolgreich macht.
Der Stuhl bleibt bei Interstuhl also im Namen und mit VEOH auch im Mittelpunkt. Allein steht er nicht mehr da.







