Maik Fischer im Interview
Köln kann mehr als Workspace
Die Interior-Branche hat viele Treffpunkte. Was ihr zunehmend fehlte, war ein gemeinsamer. Gerade im Premiumsegment verteilten sich Hersteller, Planer und Entscheider auf unterschiedliche Veranstaltungen und Formate. Maik Fischer sieht darin eine Chance für Köln. Der Orgatec-Director will die Kräfte stärker bündeln und setzt dabei auf die internationale Reichweite der Messe. Eine ambitionierte Strategie in einer Zeit, in der die Möbelindustrie unter Druck steht und Unternehmen ihre Messebudgets mit spitzem Bleistift prüfen. Denn wer die Branche zusammenbringen will, muss vor allem eines bieten: wirtschaftlichen Mehrwert.
Dafür stellt sich Köln breiter auf. Die Orgatec will neben dem klassischen Workspace-Geschäft stärker den Contract-Markt erschließen, die idd cologne hochwertiges Residential-Design in die Stadt bringen. Dass die Grenzen zwischen den Segmenten längst durchlässiger geworden sind, ist bekannt. Gleichzeitig musste die Koelnmesse ihre ursprünglichen Pläne für zusätzliche idd-Hallenflächen neu ausrichten. Fischer spricht von einer Anpassung an die Wünsche der Industrie. Die Frage, wie die verschiedenen Formate künftig zusammenspielen, gewinnt damit zusätzlich an Bedeutung. Fischers Rechnung klingt schlüssig. Aufgehen muss sie ab dem 27. Oktober in den Hallen und danach in den Auftragsbüchern der Aussteller.
furnomics: Herr Fischer, im Januar wurde für die idd cologne noch ein eigenes Hallenkonzept beworben. Im Juni war es wieder Geschichte. Wie ist die Kurskorrektur zu erklären?
Maik Fischer: Am Grundkonzept hat sich nichts geändert. Unser Ziel war von Anfang an, in diesem Jahr alle drei Bereiche zusammenzuführen: Workspace, Contract und Residential. Geändert hat sich nur eines: Wir hatten zunächst geplant, Residential auch auf dem Messegelände stattfinden zu lassen – nicht nur, sondern auch. Davon sind wir abgerückt und zu einem rein urbanen Format zurückgekehrt. Das ist der Marktentwicklung geschuldet.
furnomics: Die Industrie wollte also nicht in die Hallen?
Maik Fischer: Wie es der Wohnmöbelbranche in Deutschland und in Europa geht, muss ich Ihnen nicht sagen. Der Wunsch ging in Richtung anderer Präsentationsformen. Dafür ist die Design Post ein dankbarer Ort, für viele auch ein gelernter Ort, wenn es um Wohnmöbel geht. Dazu kommen Partner wie das machwerkhaus. Wir haben unser Konzept am Ende dem Wunsch der Industrie angepasst.
furnomics: Bei der idd haben Sie also nachjustiert. Wie viel Veränderung braucht die Orgatec?
Maik Fischer: Keine Revolution, sondern eine konstante Evolution. Wer 2024 da war, wird in diesem Jahr viel Vertrautes wiederfinden. Das Work Culture Festival führen wir weiter und justieren an der einen oder anderen Stelle nach, da haben wir gelernt. Die größte Veränderung liegt in der Positionierung: Wir sind bekannt für Workspace, wollen aber klarer machen, dass die Orgatec genauso schon seit langem eine Messe für Contract ist – das haben wir bisher schlichtweg nicht deutlich genug gesagt.
furnomics: Auf der Orgatec stehen mit Cor und Thonet inzwischen Marken, die mancher zunächst im Wohnbereich verorten würde. Wandert das hochwertige Wohnen also doch wieder in die Messehallen?
Maik Fischer: Die Räume verschmelzen immer mehr. Das Büro wird zunehmend zum öffentlichen Raum. Und Unternehmen, die früher stark im Residential-Bereich waren, gehen immer stärker ins Contract-Geschäft. Cor ist ein Beispiel, es gibt noch ein paar mehr auf unserem Gelände, bei denen man im ersten Moment überrascht ist. Aber ein Cor-Möbel kann heute sehr gut im Foyer einer Versicherung stehen oder in einem Open Space. Für uns ist das nicht überraschend. Wo ein Unternehmen in diesem Jahr den Schwerpunkt seiner Orgatec-Präsentation legt, ist am Ende Unternehmensstrategie.
furnomics: Ein Wohnmöbelhersteller, der ins Projektgeschäft will, braucht andere Kontakte als im Möbelhandel: Architekten, Hospitality-Planer, Projektentwickler. Wie holen Sie die verstärkt nach Köln?
Maik Fischer: Die gehören schon lange zu unserer Kernzielgruppe: der Handel, Facility-Manager, Objektplaner, Immobilienverwalter, dazu viele Workplace-Consultants aus den Unternehmen. Es passiert eher etwas aus der anderen Richtung: Hersteller, die ins Contract-Geschäft wollen, haben erkannt, dass die Orgatec genau die Plattform ist, um diese für sie neue Zielgruppe zu erreichen. Bei uns ist sie längst fester Bestandteil der Besucherstruktur.
furnomics: Dann müssen Sie gar keine neuen Besucher gewinnen?
Maik Fischer: Wir ruhen uns natürlich nicht aus. Niemand kommt von alleine, es ist jedes Mal aufs Neue unsere Aufgabe, die Besucher nach Köln zu bringen. Da gibt es drei Ebenen: Wir können bestehende Zielgruppen stärker durchdringen, also zum Beispiel noch mehr Planer erreichen. Wir können uns geografisch ausdehnen, beispielsweise noch mehr Besucher aus Italien oder Spanien holen. Und wir können zum Teil neue Zielgruppen erschließen.
furnomics: Welche zum Beispiel?
Maik Fischer: Nach meinem Verständnis sind in der Schweiz der Residential- und der Workspace-Handel noch stark voneinander getrennt. In Deutschland ist das schon stärker vermischt, der Handel bedient alles. Zur Interior-Woche ist es daher nun unsere Aufgabe, auch Schweizer Residential-Händler, die sonst nicht nach Köln gekommen wären, für einen Besuch zu gewinnen. Und viele von ihnen gehen dann auch auf die Messe, weil dort zum Beispiel ein Cor steht.
furnomics: Die Möbelindustrie steckt in der Krise, die Marketingbudgets schrumpfen. Wie stellt man unter diesen Bedingungen noch eine Messe auf die Beine?
Maik Fischer: Wir stehen natürlich in einem engen und kontinuierlichen Austausch mit unseren Ausstellern und auch mit denen, die 2026 nicht mit dabei sind. Das hat immer individuelle Gründe, aber bei vielen herrscht ein enormer Kostendruck. Eine Messe ist ein Instrument im Marketingmix, und das muss abgewogen werden. Ich bin aber überzeugt, dass Messen höchst effizient sind, wenn das Ziel lautet: Kontakte machen, Sales Leads generieren. Das schafft man nirgends so effizient wie auf einem Marktplatz, und nichts anderes ist eine Messe seit Jahrhunderten. Dieser Marktplatz funktioniert auch in diesem Jahr, trotz der turbulenten Zeiten.
furnomics: Effizienz ist ein großes Wort – wie messen Sie das?
Maik Fischer: Wir schauen uns die Besucherqualität an: Welche Entscheidungsbefugnis haben die Besucher, aus welcher Branche kommen sie? Das sind wichtige Kennzahlen. Sie stünden aber neutral im Raum, wenn uns die Aussteller nicht sagen würden: Das war eine erfolgreiche Messe. Was Erfolg ist, bewertet jedes Unternehmen anders. Auf drei Dinge kann sich die Mehrheit aber vermutlich einigen. Erstens Sales Leads: Schaffe ich es, mit meiner Teilnahme perspektivisch mein Geschäft anzukurbeln? Wir sind keine Ordermesse. Dass ein Aussteller sagt, ich habe hier 5.000 Aufträge geschrieben, diese Zeiten sind vorbei. Zweitens Markenpositionierung und Innovationen. Und drittens Marktbeobachtung: Die Industrie schaut, was die Industrie macht.
furnomics: 2024 kamen rund 50.000 Fachbesucher zur Orgatec. Wo wird die Messe 2026 landen?
Maik Fischer: Für eine Besucherprognose ist es erfahrungsgemäß noch zu früh, auch wenige Wochen vor der Messe. Wir sehen zwar, dass die Leute ihr Ticket immer früher lösen. Aus den jetzigen Registrierungen eine Prognose abzuleiten, ist aber viel zu schwierig, das haben wir in den letzten Jahren gelernt. Drei Tage vor der Messe könnte ich Ihnen mehr sagen. Unser Ziel ist es, erneut ein starkes internationales Fachpublikum nach Köln zu bringen. Entscheidend ist für uns dabei nicht allein die quantitative Entwicklung, sondern vor allem die Qualität der Kontakte und der wirtschaftliche Mehrwert für unsere Aussteller.
furnomics: Viele Premiumhersteller fragen sich seit der Neuaufstellung der imm cologne: Was ist jetzt unsere Messe? Was antworten Sie ihnen?
Maik Fischer: Wir kommen im Premiummarkt an. Das sehen wir jetzt: Die Design Post ist voll belegt, auch mit vielen temporären Ausstellern. Residential im Zusammenklang mit der Orgatec hat Zukunft. Sicher, am Ende entscheidet jeder Aussteller selbst. Aber wer das will, wird in Köln die richtige Heimat finden. Und ja, ich glaube auch, dass es in Deutschland derzeit zu viele regionale Veranstaltungen gibt. Das hören wir auch von Ausstellern. Es bedarf eines Schulterschlusses der Industrie. Die Kölner Interior-Woche rund um Orgatec und idd cologne hat in Deutschland immer noch die größte Reichweite und die größte Marktdurchdringung, weit über die Grenzen hinaus.
furnomics: Was kann Köln, abgesehen von Reichweite und Marktdurchdringung, tatsächlich besser als andere?
Maik Fischer: Wir haben mit der Orgatec eine starke Marke, mindestens in Europa sehr bekannt, auch in Übersee. Für ein immaterielles Gut wie eine Messe ist das wichtig, denn die Marke ist einer der wichtigsten Werte für eine Veranstaltung. Und wir kennen sehr viele Besucher aus den letzten Jahren. Wir haben eine enorm große Datenbank, in dieser Tiefe und Breite haben das die wenigsten. Dadurch können wir zielgerichtet werben und viele qualifizierte Besucher nach Köln bringen. Das unterscheidet uns von vielen regionalen, gerade auch neuen Veranstaltungen.
furnomics: Die Koelnmesse bringt die Orgatec inzwischen selbst nach Asien und in den Nahen Osten. Welche Rolle spielt Köln dann langfristig?
Maik Fischer: Dahinter steckt ein handfestes Motiv: Wir bringen Marktplätze dorthin, wo Angebot und Nachfrage einen Marktplatz brauchen. Das Gefüge ist klar. Es gibt einen Leuchtturm, eine Plattform, auf der die Welt zusammenkommt und die Innovationen gezeigt werden. Das ist die Orgatec in Köln. Unsere Veranstaltungen in Tokio, Saudi-Arabien oder Indien sind Plattformen in der Region, aus der Region, für die Region. Deshalb sehen wir viele Aussteller, die in Köln stehen und dann auch in Indien, aber beispielsweise nicht in Japan, weil Japan nicht ihr Markt ist.
furnomics: Besteht nicht die Gefahr, dass die Ableger Köln langfristig Aussteller und Besucher abziehen?
Maik Fischer: Was wir bei allen Messen belegen können, bei denen wir so vorgehen: Auslandsveranstaltungen stärken immer auch die Leitmesse in Köln. Die Interzum ist das beste Beispiel. Seit wir in Guangzhou sind, haben wir einen Zuwachs aus China. Und seit es die Orgatec Tokyo gibt, steigt das Aussteller- und Besucherinteresse auch für Köln. Am Ende profitieren davon alle unsere Veranstaltungen. Unser Anspruch ist es, dass sich unsere internationalen Veranstaltungen ergänzen und gegenseitig stärken. Köln bleibt dabei die zentrale internationale Leitmesse.
furnomics: Woran machen Sie das fest?
Maik Fischer: Es gibt zwei Messpunkte. Steigt das Ausstellerinteresse aus einem Land oder einer Region an der Veranstaltung in Köln? Und gibt es, zumindest mittelfristig, Besucherzuwächse aus diesen Regionen? Natürlich spielen da auch andere Faktoren hinein. Aber wenn wir mit einer Veranstaltung in der Region sind, geht es auch um Awareness. Da sagt mancher: Ah, es gibt diese Plattform, die kannte ich bisher nicht.
furnomics: Kommen also noch mehr Orgatec-Ableger?
Maik Fischer: Das hängt davon ab, wo die Industrie einen Marktplatz möchte. Gibt es keinen Bedarf, ist das für uns kein Geschäftsmodell. Die ORGATEC Tokyo ist das Paradebeispiel: Bei der jüngsten Ausgabe 2026 kamen rund 33.500 Fachbesuchende zusammen. Dass es so schnell nach oben geht, ist auch für uns außergewöhnlich. Es liegt daran, dass der japanische Verband an uns herangetreten ist, weil er diesen Marktplatz brauchte, und wir die Messe gemeinsam mit ihm und unserer Niederlassung aus der Taufe gehoben haben. Wo immer wir einen solchen Wunsch aus der Industrie hören und ihn selbst bestätigen können, werden wir Marktplätze eröffnen. Wo das sein wird, weiß ich heute nicht. Aber ich hoffe, dass es noch weitere Orgatecs geben wird.
furnomics: Wenn wir fünf, sechs Jahre vorausdenken: Wie wird sich die Orgatec verändern?
Maik Fischer: Stand heute würde ich sagen: Das Verschmelzen wird auf absehbare Zeit anhalten. Die Orgatec wird sich deshalb noch stärker im Bereich Contract positionieren. Und wir werden hochwertiges Residential-Design in Köln weiter stärken, in welcher Form auch immer. Mit der idd machen wir das jetzt zum ersten Mal im Doppelklang. Ich glaube, dass das die Zukunft der Industrie ist.
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Dafür stellt sich Köln breiter auf. Die Orgatec will neben dem klassischen Workspace-Geschäft stärker den Contract-Markt erschließen, die idd cologne hochwertiges Residential-Design in die Stadt bringen. Dass die Grenzen zwischen den Segmenten längst durchlässiger geworden sind, ist bekannt. Gleichzeitig musste die Koelnmesse ihre ursprünglichen Pläne für zusätzliche idd-Hallenflächen neu ausrichten. Fischer spricht von einer Anpassung an die Wünsche der Industrie. Die Frage, wie die verschiedenen Formate künftig zusammenspielen, gewinnt damit zusätzlich an Bedeutung. Fischers Rechnung klingt schlüssig. Aufgehen muss sie ab dem 27. Oktober in den Hallen und danach in den Auftragsbüchern der Aussteller.
furnomics: Herr Fischer, im Januar wurde für die idd cologne noch ein eigenes Hallenkonzept beworben. Im Juni war es wieder Geschichte. Wie ist die Kurskorrektur zu erklären?
Maik Fischer: Am Grundkonzept hat sich nichts geändert. Unser Ziel war von Anfang an, in diesem Jahr alle drei Bereiche zusammenzuführen: Workspace, Contract und Residential. Geändert hat sich nur eines: Wir hatten zunächst geplant, Residential auch auf dem Messegelände stattfinden zu lassen – nicht nur, sondern auch. Davon sind wir abgerückt und zu einem rein urbanen Format zurückgekehrt. Das ist der Marktentwicklung geschuldet.
furnomics: Die Industrie wollte also nicht in die Hallen?
Maik Fischer: Wie es der Wohnmöbelbranche in Deutschland und in Europa geht, muss ich Ihnen nicht sagen. Der Wunsch ging in Richtung anderer Präsentationsformen. Dafür ist die Design Post ein dankbarer Ort, für viele auch ein gelernter Ort, wenn es um Wohnmöbel geht. Dazu kommen Partner wie das machwerkhaus. Wir haben unser Konzept am Ende dem Wunsch der Industrie angepasst.
furnomics: Bei der idd haben Sie also nachjustiert. Wie viel Veränderung braucht die Orgatec?
Maik Fischer: Keine Revolution, sondern eine konstante Evolution. Wer 2024 da war, wird in diesem Jahr viel Vertrautes wiederfinden. Das Work Culture Festival führen wir weiter und justieren an der einen oder anderen Stelle nach, da haben wir gelernt. Die größte Veränderung liegt in der Positionierung: Wir sind bekannt für Workspace, wollen aber klarer machen, dass die Orgatec genauso schon seit langem eine Messe für Contract ist – das haben wir bisher schlichtweg nicht deutlich genug gesagt.
furnomics: Auf der Orgatec stehen mit Cor und Thonet inzwischen Marken, die mancher zunächst im Wohnbereich verorten würde. Wandert das hochwertige Wohnen also doch wieder in die Messehallen?
Maik Fischer: Die Räume verschmelzen immer mehr. Das Büro wird zunehmend zum öffentlichen Raum. Und Unternehmen, die früher stark im Residential-Bereich waren, gehen immer stärker ins Contract-Geschäft. Cor ist ein Beispiel, es gibt noch ein paar mehr auf unserem Gelände, bei denen man im ersten Moment überrascht ist. Aber ein Cor-Möbel kann heute sehr gut im Foyer einer Versicherung stehen oder in einem Open Space. Für uns ist das nicht überraschend. Wo ein Unternehmen in diesem Jahr den Schwerpunkt seiner Orgatec-Präsentation legt, ist am Ende Unternehmensstrategie.
furnomics: Ein Wohnmöbelhersteller, der ins Projektgeschäft will, braucht andere Kontakte als im Möbelhandel: Architekten, Hospitality-Planer, Projektentwickler. Wie holen Sie die verstärkt nach Köln?
Maik Fischer: Die gehören schon lange zu unserer Kernzielgruppe: der Handel, Facility-Manager, Objektplaner, Immobilienverwalter, dazu viele Workplace-Consultants aus den Unternehmen. Es passiert eher etwas aus der anderen Richtung: Hersteller, die ins Contract-Geschäft wollen, haben erkannt, dass die Orgatec genau die Plattform ist, um diese für sie neue Zielgruppe zu erreichen. Bei uns ist sie längst fester Bestandteil der Besucherstruktur.
furnomics: Dann müssen Sie gar keine neuen Besucher gewinnen?
Maik Fischer: Wir ruhen uns natürlich nicht aus. Niemand kommt von alleine, es ist jedes Mal aufs Neue unsere Aufgabe, die Besucher nach Köln zu bringen. Da gibt es drei Ebenen: Wir können bestehende Zielgruppen stärker durchdringen, also zum Beispiel noch mehr Planer erreichen. Wir können uns geografisch ausdehnen, beispielsweise noch mehr Besucher aus Italien oder Spanien holen. Und wir können zum Teil neue Zielgruppen erschließen.
furnomics: Welche zum Beispiel?
Maik Fischer: Nach meinem Verständnis sind in der Schweiz der Residential- und der Workspace-Handel noch stark voneinander getrennt. In Deutschland ist das schon stärker vermischt, der Handel bedient alles. Zur Interior-Woche ist es daher nun unsere Aufgabe, auch Schweizer Residential-Händler, die sonst nicht nach Köln gekommen wären, für einen Besuch zu gewinnen. Und viele von ihnen gehen dann auch auf die Messe, weil dort zum Beispiel ein Cor steht.
furnomics: Die Möbelindustrie steckt in der Krise, die Marketingbudgets schrumpfen. Wie stellt man unter diesen Bedingungen noch eine Messe auf die Beine?
Maik Fischer: Wir stehen natürlich in einem engen und kontinuierlichen Austausch mit unseren Ausstellern und auch mit denen, die 2026 nicht mit dabei sind. Das hat immer individuelle Gründe, aber bei vielen herrscht ein enormer Kostendruck. Eine Messe ist ein Instrument im Marketingmix, und das muss abgewogen werden. Ich bin aber überzeugt, dass Messen höchst effizient sind, wenn das Ziel lautet: Kontakte machen, Sales Leads generieren. Das schafft man nirgends so effizient wie auf einem Marktplatz, und nichts anderes ist eine Messe seit Jahrhunderten. Dieser Marktplatz funktioniert auch in diesem Jahr, trotz der turbulenten Zeiten.
furnomics: Effizienz ist ein großes Wort – wie messen Sie das?
Maik Fischer: Wir schauen uns die Besucherqualität an: Welche Entscheidungsbefugnis haben die Besucher, aus welcher Branche kommen sie? Das sind wichtige Kennzahlen. Sie stünden aber neutral im Raum, wenn uns die Aussteller nicht sagen würden: Das war eine erfolgreiche Messe. Was Erfolg ist, bewertet jedes Unternehmen anders. Auf drei Dinge kann sich die Mehrheit aber vermutlich einigen. Erstens Sales Leads: Schaffe ich es, mit meiner Teilnahme perspektivisch mein Geschäft anzukurbeln? Wir sind keine Ordermesse. Dass ein Aussteller sagt, ich habe hier 5.000 Aufträge geschrieben, diese Zeiten sind vorbei. Zweitens Markenpositionierung und Innovationen. Und drittens Marktbeobachtung: Die Industrie schaut, was die Industrie macht.
furnomics: 2024 kamen rund 50.000 Fachbesucher zur Orgatec. Wo wird die Messe 2026 landen?
Maik Fischer: Für eine Besucherprognose ist es erfahrungsgemäß noch zu früh, auch wenige Wochen vor der Messe. Wir sehen zwar, dass die Leute ihr Ticket immer früher lösen. Aus den jetzigen Registrierungen eine Prognose abzuleiten, ist aber viel zu schwierig, das haben wir in den letzten Jahren gelernt. Drei Tage vor der Messe könnte ich Ihnen mehr sagen. Unser Ziel ist es, erneut ein starkes internationales Fachpublikum nach Köln zu bringen. Entscheidend ist für uns dabei nicht allein die quantitative Entwicklung, sondern vor allem die Qualität der Kontakte und der wirtschaftliche Mehrwert für unsere Aussteller.
furnomics: Viele Premiumhersteller fragen sich seit der Neuaufstellung der imm cologne: Was ist jetzt unsere Messe? Was antworten Sie ihnen?
Maik Fischer: Wir kommen im Premiummarkt an. Das sehen wir jetzt: Die Design Post ist voll belegt, auch mit vielen temporären Ausstellern. Residential im Zusammenklang mit der Orgatec hat Zukunft. Sicher, am Ende entscheidet jeder Aussteller selbst. Aber wer das will, wird in Köln die richtige Heimat finden. Und ja, ich glaube auch, dass es in Deutschland derzeit zu viele regionale Veranstaltungen gibt. Das hören wir auch von Ausstellern. Es bedarf eines Schulterschlusses der Industrie. Die Kölner Interior-Woche rund um Orgatec und idd cologne hat in Deutschland immer noch die größte Reichweite und die größte Marktdurchdringung, weit über die Grenzen hinaus.
furnomics: Was kann Köln, abgesehen von Reichweite und Marktdurchdringung, tatsächlich besser als andere?
Maik Fischer: Wir haben mit der Orgatec eine starke Marke, mindestens in Europa sehr bekannt, auch in Übersee. Für ein immaterielles Gut wie eine Messe ist das wichtig, denn die Marke ist einer der wichtigsten Werte für eine Veranstaltung. Und wir kennen sehr viele Besucher aus den letzten Jahren. Wir haben eine enorm große Datenbank, in dieser Tiefe und Breite haben das die wenigsten. Dadurch können wir zielgerichtet werben und viele qualifizierte Besucher nach Köln bringen. Das unterscheidet uns von vielen regionalen, gerade auch neuen Veranstaltungen.
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furnomics: Besteht nicht die Gefahr, dass die Ableger Köln langfristig Aussteller und Besucher abziehen?
Maik Fischer: Was wir bei allen Messen belegen können, bei denen wir so vorgehen: Auslandsveranstaltungen stärken immer auch die Leitmesse in Köln. Die Interzum ist das beste Beispiel. Seit wir in Guangzhou sind, haben wir einen Zuwachs aus China. Und seit es die Orgatec Tokyo gibt, steigt das Aussteller- und Besucherinteresse auch für Köln. Am Ende profitieren davon alle unsere Veranstaltungen. Unser Anspruch ist es, dass sich unsere internationalen Veranstaltungen ergänzen und gegenseitig stärken. Köln bleibt dabei die zentrale internationale Leitmesse.
furnomics: Woran machen Sie das fest?
Maik Fischer: Es gibt zwei Messpunkte. Steigt das Ausstellerinteresse aus einem Land oder einer Region an der Veranstaltung in Köln? Und gibt es, zumindest mittelfristig, Besucherzuwächse aus diesen Regionen? Natürlich spielen da auch andere Faktoren hinein. Aber wenn wir mit einer Veranstaltung in der Region sind, geht es auch um Awareness. Da sagt mancher: Ah, es gibt diese Plattform, die kannte ich bisher nicht.
furnomics: Kommen also noch mehr Orgatec-Ableger?
Maik Fischer: Das hängt davon ab, wo die Industrie einen Marktplatz möchte. Gibt es keinen Bedarf, ist das für uns kein Geschäftsmodell. Die ORGATEC Tokyo ist das Paradebeispiel: Bei der jüngsten Ausgabe 2026 kamen rund 33.500 Fachbesuchende zusammen. Dass es so schnell nach oben geht, ist auch für uns außergewöhnlich. Es liegt daran, dass der japanische Verband an uns herangetreten ist, weil er diesen Marktplatz brauchte, und wir die Messe gemeinsam mit ihm und unserer Niederlassung aus der Taufe gehoben haben. Wo immer wir einen solchen Wunsch aus der Industrie hören und ihn selbst bestätigen können, werden wir Marktplätze eröffnen. Wo das sein wird, weiß ich heute nicht. Aber ich hoffe, dass es noch weitere Orgatecs geben wird.
furnomics: Wenn wir fünf, sechs Jahre vorausdenken: Wie wird sich die Orgatec verändern?
Maik Fischer: Stand heute würde ich sagen: Das Verschmelzen wird auf absehbare Zeit anhalten. Die Orgatec wird sich deshalb noch stärker im Bereich Contract positionieren. Und wir werden hochwertiges Residential-Design in Köln weiter stärken, in welcher Form auch immer. Mit der idd machen wir das jetzt zum ersten Mal im Doppelklang. Ich glaube, dass das die Zukunft der Industrie ist.






