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Spezifizieren statt spektakeln

ARCHITECT@WORK verdichtet Messegeschäft auf Entscheiderkontakte

06.10.2026 | 6:19
Transformation als Klammer: Die Berliner Ausgabe 2026 rückt Umbau, Bestand und Materialkreisläufe ins Zentrum.

Mehr als 200 Aussteller, aber bewusst keine Massenveranstaltung: Wenn die ARCHITECT@WORK am 7. Oktober in der Station Berlin öffnet, verkauft das Format vor allem eines – Zugang. Zugang zu Architekten, Innenarchitekten und Fachplanern, die Produkte nicht unbedingt selbst einkaufen, aber in frühen Projektphasen darüber entscheiden können, was später spezifiziert, ausgeschrieben und beschafft wird.

Die achte Berliner Ausgabe unterscheidet sich damit bewusst von der klassischen Messemaschine. Große Markenburgen, immer größere Flächen und möglichst viele Laufmeter Publikum gehören nicht zum Prinzip. Die Präsentation erfolgt in kompakten, weitgehend einheitlichen Modulen, Produktinnovationen werden vorab einem Fachgremium vorgelegt, und auch beim Publikum wird gefiltert. Die Veranstaltung ist ausschließlich für Architekten, Innenarchitekten und andere Planer vorgesehen und folgt einer Invitation-only-Policy.

Das klingt zunächst nach Messe-Diät. Wirtschaftlich ist es eher der Versuch, Streuverlust zu reduzieren. Für Hersteller im Objektgeschäft zählt schließlich weniger, wie viele Menschen an einem Stand vorbeigelaufen sind, als wer anschließend ein Produkt in ein Hotel, Büro, Bildungsgebäude oder öffentliches Projekt hineinplant. Genau dort liegt die interessante Wette von ARCHITECT@WORK: weniger Frequenz, dafür möglicherweise mehr Relevanz pro Kontakt.

Das Timing ist anspruchsvoll. In den deutschen Architektenkammern waren zum 1. Januar 2026 insgesamt 142.347 Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner eingetragen. Gleichzeitig verharrt das gemeinsam von Bundesarchitektenkammer und ifo-Institut erhobene Geschäftsklima der Architekturbüros seit 2024 auf niedrigem Niveau. Im September 2026 wurde die laufende Geschäftslage zwar den dritten Monat in Folge besser beurteilt, die Erwartungen blieben jedoch von Pessimismus geprägt. In einer zusätzlichen BAK-Befragung bewerteten im Juni 22 Prozent der selbstständigen Architekten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als schlecht; 35 Prozent rechneten mit einer negativen Entwicklung der Auftragslage, nur 20 Prozent mit einer positiven. Der Markt ist also nicht im freien Fall, von entspannter Normalität aber ebenfalls ein gutes Stück entfernt.

Gleichzeitig bleibt Bauen teuer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Preise für den Neubau von Bürogebäuden im zweiten Quartal 2026 um 5,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. In diesem Umfeld muss eine Innovation mehr leisten als schön auszusehen. Materialeinsatz, Lebensdauer, Umbaufähigkeit, Wartung und ökologische Wirkung werden zu Argumenten, die sich zunehmend auch wirtschaftlich rechnen müssen.

Dazu passt das Berliner Leitthema „Transformation“. Bestandserhalt, Umbau und neue Nutzungen sind längst nicht mehr bloß Begleitprogramm einer Architekturveranstaltung, sondern ein wachsender Teil des Kerngeschäfts. Zum Rahmenprogramm gehört unter anderem eine Projektausstellung von World-Architects mit 44 ausgewählten Arbeiten zum Thema Transformation sowie eine Materialausstellung von revalu. Die Botschaft dahinter ist ziemlich eindeutig: Ein neues Finish allein macht noch keine relevante Innovation.

Auch die Größenordnung des Formats erzählt viel. Andere deutsche ARCHITECT@WORK-Ausgaben bewegten sich zuletzt im niedrigen vierstelligen Fachbesucherbereich. München meldete 2026 offiziell 2.041 Besucher und 356 kuratierte Innovationen, Stuttgart kam 2025 auf 3.018 Besucher und 308 Innovationen. Das ist keine Frequenz, mit der man gegen die großen Leitmessen antreten würde. Es ist aber auch nicht der Anspruch. A@W spielt bewusst eine andere Sportart.

Interessant wird diese Sportart besonders für Anbieter im Interior- und Objektgeschäft. Dort wird der Verkauf selten während zweier Messetage abgeschlossen. Ein Planer kann ein Produkt Monate vor der eigentlichen Bestellung auswählen oder spezifizieren; der Auftrag läuft später möglicherweise über Bauherr, Generalunternehmer, Händler oder ausführendes Gewerk. Die Messe muss deshalb nicht sofort verkaufen. Sie muss möglichst früh in die Entscheidungskette hinein.

Der wirtschaftliche Prüfstein liegt deshalb nicht im Besucherrekord, sondern in der Qualität der Kontakte. Ein Architekt bestellt häufig nicht selbst, kann mit seiner Spezifikation aber festlegen, welche Lösung später ausgeschrieben und beschafft wird. Für Hersteller kann ein einziger belastbarer Planerkontakt damit mehr wert sein als Dutzende flüchtige Messegespräche. Genau auf diesen Hebel zielt A@W mit Einladungssystem, Jury und kompakten Präsentationsflächen. Öffentlich ausgewiesen sind auf den geprüften A@W-Seiten allerdings weder Standkosten noch durchschnittliche Leadzahlen oder Wiederbuchungsquoten. Eine belastbare ROI-Rechnung lässt sich daraus von außen nicht aufstellen.

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06.10.2026 | 6:19
Transformation als Klammer: Die Berliner Ausgabe 2026 rückt Umbau, Bestand und Materialkreisläufe ins Zentrum.

Mehr als 200 Aussteller, aber bewusst keine Massenveranstaltung: Wenn die ARCHITECT@WORK am 7. Oktober in der Station Berlin öffnet, verkauft das Format vor allem eines – Zugang. Zugang zu Architekten, Innenarchitekten und Fachplanern, die Produkte nicht unbedingt selbst einkaufen, aber in frühen Projektphasen darüber entscheiden können, was später spezifiziert, ausgeschrieben und beschafft wird.

Die achte Berliner Ausgabe unterscheidet sich damit bewusst von der klassischen Messemaschine. Große Markenburgen, immer größere Flächen und möglichst viele Laufmeter Publikum gehören nicht zum Prinzip. Die Präsentation erfolgt in kompakten, weitgehend einheitlichen Modulen, Produktinnovationen werden vorab einem Fachgremium vorgelegt, und auch beim Publikum wird gefiltert. Die Veranstaltung ist ausschließlich für Architekten, Innenarchitekten und andere Planer vorgesehen und folgt einer Invitation-only-Policy.

Das klingt zunächst nach Messe-Diät. Wirtschaftlich ist es eher der Versuch, Streuverlust zu reduzieren. Für Hersteller im Objektgeschäft zählt schließlich weniger, wie viele Menschen an einem Stand vorbeigelaufen sind, als wer anschließend ein Produkt in ein Hotel, Büro, Bildungsgebäude oder öffentliches Projekt hineinplant. Genau dort liegt die interessante Wette von ARCHITECT@WORK: weniger Frequenz, dafür möglicherweise mehr Relevanz pro Kontakt.

Das Timing ist anspruchsvoll. In den deutschen Architektenkammern waren zum 1. Januar 2026 insgesamt 142.347 Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner eingetragen. Gleichzeitig verharrt das gemeinsam von Bundesarchitektenkammer und ifo-Institut erhobene Geschäftsklima der Architekturbüros seit 2024 auf niedrigem Niveau. Im September 2026 wurde die laufende Geschäftslage zwar den dritten Monat in Folge besser beurteilt, die Erwartungen blieben jedoch von Pessimismus geprägt. In einer zusätzlichen BAK-Befragung bewerteten im Juni 22 Prozent der selbstständigen Architekten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als schlecht; 35 Prozent rechneten mit einer negativen Entwicklung der Auftragslage, nur 20 Prozent mit einer positiven. Der Markt ist also nicht im freien Fall, von entspannter Normalität aber ebenfalls ein gutes Stück entfernt.

Gleichzeitig bleibt Bauen teuer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Preise für den Neubau von Bürogebäuden im zweiten Quartal 2026 um 5,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. In diesem Umfeld muss eine Innovation mehr leisten als schön auszusehen. Materialeinsatz, Lebensdauer, Umbaufähigkeit, Wartung und ökologische Wirkung werden zu Argumenten, die sich zunehmend auch wirtschaftlich rechnen müssen.

Dazu passt das Berliner Leitthema „Transformation“. Bestandserhalt, Umbau und neue Nutzungen sind längst nicht mehr bloß Begleitprogramm einer Architekturveranstaltung, sondern ein wachsender Teil des Kerngeschäfts. Zum Rahmenprogramm gehört unter anderem eine Projektausstellung von World-Architects mit 44 ausgewählten Arbeiten zum Thema Transformation sowie eine Materialausstellung von revalu. Die Botschaft dahinter ist ziemlich eindeutig: Ein neues Finish allein macht noch keine relevante Innovation.

Auch die Größenordnung des Formats erzählt viel. Andere deutsche ARCHITECT@WORK-Ausgaben bewegten sich zuletzt im niedrigen vierstelligen Fachbesucherbereich. München meldete 2026 offiziell 2.041 Besucher und 356 kuratierte Innovationen, Stuttgart kam 2025 auf 3.018 Besucher und 308 Innovationen. Das ist keine Frequenz, mit der man gegen die großen Leitmessen antreten würde. Es ist aber auch nicht der Anspruch. A@W spielt bewusst eine andere Sportart.

Interessant wird diese Sportart besonders für Anbieter im Interior- und Objektgeschäft. Dort wird der Verkauf selten während zweier Messetage abgeschlossen. Ein Planer kann ein Produkt Monate vor der eigentlichen Bestellung auswählen oder spezifizieren; der Auftrag läuft später möglicherweise über Bauherr, Generalunternehmer, Händler oder ausführendes Gewerk. Die Messe muss deshalb nicht sofort verkaufen. Sie muss möglichst früh in die Entscheidungskette hinein.

Der wirtschaftliche Prüfstein liegt deshalb nicht im Besucherrekord, sondern in der Qualität der Kontakte. Ein Architekt bestellt häufig nicht selbst, kann mit seiner Spezifikation aber festlegen, welche Lösung später ausgeschrieben und beschafft wird. Für Hersteller kann ein einziger belastbarer Planerkontakt damit mehr wert sein als Dutzende flüchtige Messegespräche. Genau auf diesen Hebel zielt A@W mit Einladungssystem, Jury und kompakten Präsentationsflächen. Öffentlich ausgewiesen sind auf den geprüften A@W-Seiten allerdings weder Standkosten noch durchschnittliche Leadzahlen oder Wiederbuchungsquoten. Eine belastbare ROI-Rechnung lässt sich daraus von außen nicht aufstellen.

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