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Frankfurt will den ganzen Raum

Heimtextil erweitert 2027 ihre kuratierte Bühne

01.10.2026 | 14:44
Patricia Urquiolas „Bambi“ aus Ohoskin in der Installation „among-all“ auf der Heimtextil 2026. Für 2027 ergänzt die Designerin das Objekt um zwei weitere hybride Figuren. Foto: Messe Frankfurt

Zwei neue Skulpturen, ein niedlicher Name – und dahinter eine deutlich größere Messegeschichte. Patricia Urquiolas „Bambi“ bekommt auf der Heimtextil 2027 zwei Begleiter und zieht in den von Alcova kuratierten Trend Space. Interessanter als die kleine Kreaturenfamilie ist allerdings, was die Messe damit weiterbaut: ihren Weg von der klassischen Heimtextilmesse zu einer breiteren Plattform für Interior, Contract, Material und Inszenierung.

Der Zeitpunkt dafür ist nicht zufällig günstig – oder, je nach Perspektive, nötig. Der deutsche Markt für Haus- und Heimtextilien ist seit Jahren unter Druck. Nach Berechnungen des IFH Köln sank das Marktvolumen 2025 nochmals um 1,2 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Auch bis 2030 rechnen die Marktforscher mit einer moderat rückläufigen Entwicklung. Wer in einem solchen Umfeld Messefläche verkaufen, neue Zielgruppen erreichen und internationale Anbieter binden will, kann sich kaum darauf verlassen, einfach mehr vom Gleichen zu zeigen.

Genau deshalb ist die Entwicklung der Heimtextil der vergangenen Jahre wirtschaftlich interessanter als manches Trendthema. Das Teppichsegment „Carpets & Rugs“ wurde massiv ausgebaut und verdreifachte 2025 nach Angaben der Messe seine Ausstellerzahl. 2026 kamen mit „Flooring & Equipment“ erstmals auch nichttextile Bodenbeläge wie Parkett, Laminat, LVT, Kork und Outdoorbeläge hinzu. Frankfurt beansprucht damit längst mehr als Stoff, Bettwäsche und Dekoration: Die Messe will einen größeren Teil der Innenraumgestaltung abbilden.

Dass die Heimtextil dabei weiterhin erhebliche internationale Reichweite besitzt, zeigen die Zahlen der Ausgabe 2026. Rund 48.000 Besucher kamen nach Frankfurt, die Besucherstruktur erreichte laut Messe eine Internationalität von 86 Prozent. Der Anteil der Top-Entscheider wurde mit 78 Prozent angegeben. Solche Kennzahlen sagen noch nichts darüber aus, wie viele Aufträge am Ende tatsächlich geschrieben werden. Sie erklären aber, warum die Veranstaltung für Anbieter aus angrenzenden Interior-Segmenten interessant bleibt.

2027 wird dieser Radius noch einmal erweitert. An den ersten beiden Messetagen, am 12. und 13. Januar, startet in Frankfurt Hospitality Interiors Europe. Das eigenständige Format wird vom Heimtextil-Partner Strive Exhibitions veranstaltet, gegründet von Toby Walters und Sam Murray, den Initiatoren der Cruise Ship Interiors Expo. HINT adressiert unter anderem Hotel und Resort, Restaurant und Bar, Branded Residences, Senior Living, Spa und Wellness sowie Extended Stay. Für die Heimtextil ist die Partnerschaft strategisch interessant: Sie schafft zusätzliche Berührungspunkte zum Hospitality- und Objektgeschäft, ohne dass Messe Frankfurt das Format selbst veranstaltet.

Frankfurt ist mit dieser Bewegung nicht allein – und gerade der Blick nach Hannover zeigt, unter welchem Druck etablierte Messemodelle stehen. Die Domotex hat sich 2026 als „Home of Flooring & Interior Finishing“ neu aufgestellt und das klassische Bodenangebot um weitere Gewerke des Innenausbaus erweitert. Der Neustart erfolgte allerdings aus deutlich kleinerer Position: 2024 kamen noch rund 1.000 Aussteller aus 60 Ländern und etwa 18.000 Besucher, 2026 waren es gut 500 Aussteller aus mehr als 50 Ländern und rund 12.500 Besucher. Gleichzeitig wechselte die Domotex in den Zwei-Jahres-Rhythmus. Frankfurt kommt vom Textil in den Raum, Hannover vom Boden in den Raum – beide suchen zusätzliche Relevanz jenseits ihres angestammten Terrains.

Hinzu kommt ein zweiter Wettbewerb: der um die Marketingbudgets der Aussteller. Laut AUMA nennen 64,1 Prozent der für den Aussteller-Ausblick 2026/27 befragten Unternehmen steigende Kosten als größte Herausforderung für ihre Messeplanung. 27,7 Prozent müssen Messebeteiligungen intern zunehmend gegenüber digitalen Marketinginstrumenten rechtfertigen. Eine Halle voller Produkte reicht unter solchen Bedingungen immer weniger aus. Messeveranstalter müssen Kontakte und Geschäft ermöglichen – aber gleichzeitig Inhalte, Bilder und Erlebnisse produzieren, die sich digital verlängern lassen.

Genau hier kommen Alcova und Patricia Urquiola ins Spiel. Alcova kuratiert die Heimtextil Trends 27/28 unter dem Titel „Home-Maxxing – The Performance of Everyday Living“, Urquiola bringt ihre eigene Material- und Formensprache erstmals direkt in denselben Trend Space ein. Das ist Designprogramm, aber eben auch Aufmerksamkeitsökonomie. Ein international bekannter Name und eine ungewöhnliche Installation machen aus einem abstrakten Trendthema ein Motiv, das fotografiert, diskutiert und über die Messetage hinaus verbreitet werden kann.

Urquiolas Beitrag ist damit mehr als prominente Dekoration im Messeprogramm. „Bambi“ begann 2025 als digitales Bild auf einem Monitor, wurde 2026 für die Installation „among-all“ zum physischen Objekt und erhält 2027 zwei neue Begleiter.

Dass die Partnerschaft längst über Frankfurt hinaus verlängert wird, gehört zur gleichen Strategie. Im April 2026 präsentierte sich die Heimtextil während der Milan Design Week gemeinsam mit Urquiola und Alcova in der Villa Pestarini und brachte ihre Frankfurter Designkooperation damit in eines der international sichtbarsten Interior-Umfelder.

Inhaltlich liefert „Bambi“ dazu eine passende Geschichte zwischen digitaler Ästhetik und physischem Material. Alcova ordnet die Arbeit vor allem der Trendrichtung „Hyper Presence“ zu, die Materialcharakter, Berührung und körperliche Präsenz als Gegenpol zur permanenten digitalen Optimierung ins Zentrum stellt.

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Heimtextil erweitert 2027 ihre kuratierte Bühne

01.10.2026 | 14:44
Patricia Urquiolas „Bambi“ aus Ohoskin in der Installation „among-all“ auf der Heimtextil 2026. Für 2027 ergänzt die Designerin das Objekt um zwei weitere hybride Figuren. Foto: Messe Frankfurt

Zwei neue Skulpturen, ein niedlicher Name – und dahinter eine deutlich größere Messegeschichte. Patricia Urquiolas „Bambi“ bekommt auf der Heimtextil 2027 zwei Begleiter und zieht in den von Alcova kuratierten Trend Space. Interessanter als die kleine Kreaturenfamilie ist allerdings, was die Messe damit weiterbaut: ihren Weg von der klassischen Heimtextilmesse zu einer breiteren Plattform für Interior, Contract, Material und Inszenierung.

Der Zeitpunkt dafür ist nicht zufällig günstig – oder, je nach Perspektive, nötig. Der deutsche Markt für Haus- und Heimtextilien ist seit Jahren unter Druck. Nach Berechnungen des IFH Köln sank das Marktvolumen 2025 nochmals um 1,2 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Auch bis 2030 rechnen die Marktforscher mit einer moderat rückläufigen Entwicklung. Wer in einem solchen Umfeld Messefläche verkaufen, neue Zielgruppen erreichen und internationale Anbieter binden will, kann sich kaum darauf verlassen, einfach mehr vom Gleichen zu zeigen.

Genau deshalb ist die Entwicklung der Heimtextil der vergangenen Jahre wirtschaftlich interessanter als manches Trendthema. Das Teppichsegment „Carpets & Rugs“ wurde massiv ausgebaut und verdreifachte 2025 nach Angaben der Messe seine Ausstellerzahl. 2026 kamen mit „Flooring & Equipment“ erstmals auch nichttextile Bodenbeläge wie Parkett, Laminat, LVT, Kork und Outdoorbeläge hinzu. Frankfurt beansprucht damit längst mehr als Stoff, Bettwäsche und Dekoration: Die Messe will einen größeren Teil der Innenraumgestaltung abbilden.

Dass die Heimtextil dabei weiterhin erhebliche internationale Reichweite besitzt, zeigen die Zahlen der Ausgabe 2026. Rund 48.000 Besucher kamen nach Frankfurt, die Besucherstruktur erreichte laut Messe eine Internationalität von 86 Prozent. Der Anteil der Top-Entscheider wurde mit 78 Prozent angegeben. Solche Kennzahlen sagen noch nichts darüber aus, wie viele Aufträge am Ende tatsächlich geschrieben werden. Sie erklären aber, warum die Veranstaltung für Anbieter aus angrenzenden Interior-Segmenten interessant bleibt.

2027 wird dieser Radius noch einmal erweitert. An den ersten beiden Messetagen, am 12. und 13. Januar, startet in Frankfurt Hospitality Interiors Europe. Das eigenständige Format wird vom Heimtextil-Partner Strive Exhibitions veranstaltet, gegründet von Toby Walters und Sam Murray, den Initiatoren der Cruise Ship Interiors Expo. HINT adressiert unter anderem Hotel und Resort, Restaurant und Bar, Branded Residences, Senior Living, Spa und Wellness sowie Extended Stay. Für die Heimtextil ist die Partnerschaft strategisch interessant: Sie schafft zusätzliche Berührungspunkte zum Hospitality- und Objektgeschäft, ohne dass Messe Frankfurt das Format selbst veranstaltet.

Frankfurt ist mit dieser Bewegung nicht allein – und gerade der Blick nach Hannover zeigt, unter welchem Druck etablierte Messemodelle stehen. Die Domotex hat sich 2026 als „Home of Flooring & Interior Finishing“ neu aufgestellt und das klassische Bodenangebot um weitere Gewerke des Innenausbaus erweitert. Der Neustart erfolgte allerdings aus deutlich kleinerer Position: 2024 kamen noch rund 1.000 Aussteller aus 60 Ländern und etwa 18.000 Besucher, 2026 waren es gut 500 Aussteller aus mehr als 50 Ländern und rund 12.500 Besucher. Gleichzeitig wechselte die Domotex in den Zwei-Jahres-Rhythmus. Frankfurt kommt vom Textil in den Raum, Hannover vom Boden in den Raum – beide suchen zusätzliche Relevanz jenseits ihres angestammten Terrains.

Hinzu kommt ein zweiter Wettbewerb: der um die Marketingbudgets der Aussteller. Laut AUMA nennen 64,1 Prozent der für den Aussteller-Ausblick 2026/27 befragten Unternehmen steigende Kosten als größte Herausforderung für ihre Messeplanung. 27,7 Prozent müssen Messebeteiligungen intern zunehmend gegenüber digitalen Marketinginstrumenten rechtfertigen. Eine Halle voller Produkte reicht unter solchen Bedingungen immer weniger aus. Messeveranstalter müssen Kontakte und Geschäft ermöglichen – aber gleichzeitig Inhalte, Bilder und Erlebnisse produzieren, die sich digital verlängern lassen.

Genau hier kommen Alcova und Patricia Urquiola ins Spiel. Alcova kuratiert die Heimtextil Trends 27/28 unter dem Titel „Home-Maxxing – The Performance of Everyday Living“, Urquiola bringt ihre eigene Material- und Formensprache erstmals direkt in denselben Trend Space ein. Das ist Designprogramm, aber eben auch Aufmerksamkeitsökonomie. Ein international bekannter Name und eine ungewöhnliche Installation machen aus einem abstrakten Trendthema ein Motiv, das fotografiert, diskutiert und über die Messetage hinaus verbreitet werden kann.

Urquiolas Beitrag ist damit mehr als prominente Dekoration im Messeprogramm. „Bambi“ begann 2025 als digitales Bild auf einem Monitor, wurde 2026 für die Installation „among-all“ zum physischen Objekt und erhält 2027 zwei neue Begleiter.

Dass die Partnerschaft längst über Frankfurt hinaus verlängert wird, gehört zur gleichen Strategie. Im April 2026 präsentierte sich die Heimtextil während der Milan Design Week gemeinsam mit Urquiola und Alcova in der Villa Pestarini und brachte ihre Frankfurter Designkooperation damit in eines der international sichtbarsten Interior-Umfelder.

Inhaltlich liefert „Bambi“ dazu eine passende Geschichte zwischen digitaler Ästhetik und physischem Material. Alcova ordnet die Arbeit vor allem der Trendrichtung „Hyper Presence“ zu, die Materialcharakter, Berührung und körperliche Präsenz als Gegenpol zur permanenten digitalen Optimierung ins Zentrum stellt.

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