Ein schmaler Gewinn und und ein paar Fragen
Matthias Windmöller übernimmt wieder die Führung

Drei Verlustjahre, zwei Jahre Umbau, 2025 endlich wieder schwarze Zahlen: Windmöller hat sich wirtschaftlich wieder Boden unter den Füßen erarbeitet. Jetzt beginnt beim ostwestfälischen Bodenbelagshersteller das nächste Kapitel – mit einem vertrauten Gesicht an der Spitze. Anfang Oktober gab das Unternehmen bekannt, dass Philip Lehmann nach knapp drei Monaten als CEO und Chief Restructuring Officer (CRO) ausscheidet. Windmöller nennt persönliche Gründe, ohne diese näher zu erläutern. Die Geschäftsführung übernehmen Matthias Windmöller als CEO und Frederik Wittop als CFO/CRO. Für den Familienunternehmer ist es eine Rückkehr an den Ort des Geschehens: Er hatte die tiefgreifende Restrukturierung Ende 2023 selbst auf den Weg gebracht.
Hinter Windmöller liegt eine anspruchsvolle Wegstrecke. Seit 2022 schrieb das Unternehmen rote Zahlen – drei Verlustjahre in Folge, bevor 2025 die Rückkehr in die Gewinnzone gelang. Bereits im Dezember 2023 kündigte Matthias Windmöller, damals CEO und Hauptgesellschafter, einen umfassenden Umbau der Standorte Augustdorf und Detmold an. Produktionskapazitäten sollten gebündelt, die Automatisierung ausgebaut und rund 100 Arbeitsplätze abgebaut werden. Nach damaliger Darstellung des Unternehmens sollte Windmöller dadurch robuster und zukunftsfähiger aufgestellt werden. Die Initiative ging also vom Eigentümer selbst aus, wie die damalige Berichterstattung von BTH Heimtex dokumentiert.
Am 24. Mai 2024 übernahm Jürgen Abromeit als geschäftsführender Mitgesellschafter die operative Führung. Unter seiner Verantwortung wurde der bereits eingeleitete Umbau vorangetrieben: Windmöller gab den Standort Augustdorf auf, konzentrierte Produktion und Verwaltung in Detmold und investierte in Anlagen, Automatisierung und Digitalisierung. Mitte Juli 2026 erklärte das Unternehmen die Sanierung nach rund zwei Jahren für abgeschlossen und meldete die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Abromeit gab seine Geschäftsanteile wie vereinbart an die Eigentümerfamilie zurück. Sein Nachfolger Philip Lehmann, ebenfalls mit der Doppelrolle CEO/CRO ausgestattet, sollte nun die nächste Phase gestalten. Für 2026 und 2027 kündigte Windmöller umfassende Investitionen in Prozesse, Produkte und Vertrieb an. Das erklärte Ziel: zusätzliche Marktanteile.
Dass die Restrukturierung Wirkung zeigte, lässt sich auch an den Geschäftszahlen für 2025 ablesen. Der Umsatz sank nach Angaben von BTH Heimtex unter Berufung auf den Geschäftsbericht zwar nochmals um 3,4 Prozent auf 83 Millionen Euro. Gleichzeitig verdoppelte sich jedoch das EBITDA auf 3,7 Millionen Euro. Nach einem Jahresfehlbetrag von 7,3 Millionen Euro im Jahr 2024 erzielte Windmöller 2025 wieder einen Überschuss von 100.000 Euro. Das klingt zunächst bescheiden, markiert nach drei Verlustjahren aber einen wichtigen Wendepunkt. Der Umbau hat die Ertragslage erkennbar verbessert. Für eine dauerhaft robuste Profitabilität bleibt dennoch Arbeit zu tun. Über die aktuelle Liquidität, Verschuldung und Finanzierungssituation sagen diese Ergebniszahlen allein wenig aus.
Ein genauerer Blick auf die Vertriebskanäle zeigt, wie unterschiedlich sich das Geschäft zuletzt entwickelt hat. Während die Umsätze 2025 im Handel in Deutschland, Österreich und der Schweiz um 23 Prozent, im Export um 19 Prozent und im Objektvertrieb um vier Prozent zurückgingen, legte das Industriekundengeschäft um 17 Prozent zu. Treiber war laut BTH Heimtex die gestiegene Nachfrage aus den USA. Damit erwies sich gerade das Geschäft mit Industriekunden als vergleichsweise widerstandsfähig. Für Windmöller ist das ein wichtiger Befund: Neben den Bodenbelägen unter der Dachmarke wineo verfügt das Unternehmen über weitere Geschäftsfelder, deren Entwicklung für die künftige Ertragskraft relevant sein dürfte.
Auch strukturell hat sich Windmöller in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Eine Unternehmenspräsentation aus dem Jahr 2022 sprach noch von mehr als 500 Beschäftigten an drei Standorten. In der aktuellen Mitteilung nennt Windmöller rund 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gruppe. Diese Zahl stand allerdings bereits wortgleich in der Juli-Mitteilung und lässt deshalb keine Rückschlüsse auf Veränderungen seit dem jüngsten Führungswechsel zu. Zudem sind die historischen Beschäftigtenangaben angesichts zwischenzeitlich veränderter Unternehmensstrukturen und möglicherweise unterschiedlicher Abgrenzungen nicht unmittelbar vergleichbar. Unabhängig davon ist die Dimension des Umbaus erheblich: Windmöller hat seine industrielle Struktur neu geordnet und die Aktivitäten in Detmold konzentriert. Auf dieser Basis soll nun die weitere Entwicklung aufbauen.
Für die nächste Etappe steht Matthias Windmöller mit Frederik Wittop ein erfahrener Restrukturierungsexperte zur Seite. Der Diplom-Kaufmann ist seit 2015 Partner der auf Sondersituationen spezialisierten Beratung Montag & Montag. Zu seinen Tätigkeitsfeldern zählen distressed M&A, Liquiditätsmanagement und operative Betriebsfortführung. Zuletzt übernahm er nach Angaben der Beratung häufig Aufgaben als Generalbevollmächtigter oder CRO in Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Nach Informationen von raumausstatter.com verantwortet Wittop bei Windmöller die kaufmännischen und operativen Bereiche. Das Unternehmen hebt ausdrücklich seine Erfahrung in schwierigen und anspruchsvollen Situationen von Industrieunternehmen hervor und setzt auf seine Expertise bei der Stabilisierung und Weiterentwicklung. Seine Berufung muss deshalb keineswegs auf eine erneute akute Krise hindeuten. Sie kann ebenso Ausdruck des Bestrebens sein, die erreichten Sanierungserfolge abzusichern und die nächste Unternehmensphase finanziell und operativ solide zu gestalten. Welche konkreten Schwerpunkte Wittop dabei setzen wird, bleibt abzuwarten.
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Ein schmaler Gewinn und und ein paar Fragen
Matthias Windmöller übernimmt wieder die Führung

Drei Verlustjahre, zwei Jahre Umbau, 2025 endlich wieder schwarze Zahlen: Windmöller hat sich wirtschaftlich wieder Boden unter den Füßen erarbeitet. Jetzt beginnt beim ostwestfälischen Bodenbelagshersteller das nächste Kapitel – mit einem vertrauten Gesicht an der Spitze. Anfang Oktober gab das Unternehmen bekannt, dass Philip Lehmann nach knapp drei Monaten als CEO und Chief Restructuring Officer (CRO) ausscheidet. Windmöller nennt persönliche Gründe, ohne diese näher zu erläutern. Die Geschäftsführung übernehmen Matthias Windmöller als CEO und Frederik Wittop als CFO/CRO. Für den Familienunternehmer ist es eine Rückkehr an den Ort des Geschehens: Er hatte die tiefgreifende Restrukturierung Ende 2023 selbst auf den Weg gebracht.
Hinter Windmöller liegt eine anspruchsvolle Wegstrecke. Seit 2022 schrieb das Unternehmen rote Zahlen – drei Verlustjahre in Folge, bevor 2025 die Rückkehr in die Gewinnzone gelang. Bereits im Dezember 2023 kündigte Matthias Windmöller, damals CEO und Hauptgesellschafter, einen umfassenden Umbau der Standorte Augustdorf und Detmold an. Produktionskapazitäten sollten gebündelt, die Automatisierung ausgebaut und rund 100 Arbeitsplätze abgebaut werden. Nach damaliger Darstellung des Unternehmens sollte Windmöller dadurch robuster und zukunftsfähiger aufgestellt werden. Die Initiative ging also vom Eigentümer selbst aus, wie die damalige Berichterstattung von BTH Heimtex dokumentiert.
Am 24. Mai 2024 übernahm Jürgen Abromeit als geschäftsführender Mitgesellschafter die operative Führung. Unter seiner Verantwortung wurde der bereits eingeleitete Umbau vorangetrieben: Windmöller gab den Standort Augustdorf auf, konzentrierte Produktion und Verwaltung in Detmold und investierte in Anlagen, Automatisierung und Digitalisierung. Mitte Juli 2026 erklärte das Unternehmen die Sanierung nach rund zwei Jahren für abgeschlossen und meldete die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Abromeit gab seine Geschäftsanteile wie vereinbart an die Eigentümerfamilie zurück. Sein Nachfolger Philip Lehmann, ebenfalls mit der Doppelrolle CEO/CRO ausgestattet, sollte nun die nächste Phase gestalten. Für 2026 und 2027 kündigte Windmöller umfassende Investitionen in Prozesse, Produkte und Vertrieb an. Das erklärte Ziel: zusätzliche Marktanteile.
Dass die Restrukturierung Wirkung zeigte, lässt sich auch an den Geschäftszahlen für 2025 ablesen. Der Umsatz sank nach Angaben von BTH Heimtex unter Berufung auf den Geschäftsbericht zwar nochmals um 3,4 Prozent auf 83 Millionen Euro. Gleichzeitig verdoppelte sich jedoch das EBITDA auf 3,7 Millionen Euro. Nach einem Jahresfehlbetrag von 7,3 Millionen Euro im Jahr 2024 erzielte Windmöller 2025 wieder einen Überschuss von 100.000 Euro. Das klingt zunächst bescheiden, markiert nach drei Verlustjahren aber einen wichtigen Wendepunkt. Der Umbau hat die Ertragslage erkennbar verbessert. Für eine dauerhaft robuste Profitabilität bleibt dennoch Arbeit zu tun. Über die aktuelle Liquidität, Verschuldung und Finanzierungssituation sagen diese Ergebniszahlen allein wenig aus.
Ein genauerer Blick auf die Vertriebskanäle zeigt, wie unterschiedlich sich das Geschäft zuletzt entwickelt hat. Während die Umsätze 2025 im Handel in Deutschland, Österreich und der Schweiz um 23 Prozent, im Export um 19 Prozent und im Objektvertrieb um vier Prozent zurückgingen, legte das Industriekundengeschäft um 17 Prozent zu. Treiber war laut BTH Heimtex die gestiegene Nachfrage aus den USA. Damit erwies sich gerade das Geschäft mit Industriekunden als vergleichsweise widerstandsfähig. Für Windmöller ist das ein wichtiger Befund: Neben den Bodenbelägen unter der Dachmarke wineo verfügt das Unternehmen über weitere Geschäftsfelder, deren Entwicklung für die künftige Ertragskraft relevant sein dürfte.
Auch strukturell hat sich Windmöller in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Eine Unternehmenspräsentation aus dem Jahr 2022 sprach noch von mehr als 500 Beschäftigten an drei Standorten. In der aktuellen Mitteilung nennt Windmöller rund 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gruppe. Diese Zahl stand allerdings bereits wortgleich in der Juli-Mitteilung und lässt deshalb keine Rückschlüsse auf Veränderungen seit dem jüngsten Führungswechsel zu. Zudem sind die historischen Beschäftigtenangaben angesichts zwischenzeitlich veränderter Unternehmensstrukturen und möglicherweise unterschiedlicher Abgrenzungen nicht unmittelbar vergleichbar. Unabhängig davon ist die Dimension des Umbaus erheblich: Windmöller hat seine industrielle Struktur neu geordnet und die Aktivitäten in Detmold konzentriert. Auf dieser Basis soll nun die weitere Entwicklung aufbauen.
Für die nächste Etappe steht Matthias Windmöller mit Frederik Wittop ein erfahrener Restrukturierungsexperte zur Seite. Der Diplom-Kaufmann ist seit 2015 Partner der auf Sondersituationen spezialisierten Beratung Montag & Montag. Zu seinen Tätigkeitsfeldern zählen distressed M&A, Liquiditätsmanagement und operative Betriebsfortführung. Zuletzt übernahm er nach Angaben der Beratung häufig Aufgaben als Generalbevollmächtigter oder CRO in Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Nach Informationen von raumausstatter.com verantwortet Wittop bei Windmöller die kaufmännischen und operativen Bereiche. Das Unternehmen hebt ausdrücklich seine Erfahrung in schwierigen und anspruchsvollen Situationen von Industrieunternehmen hervor und setzt auf seine Expertise bei der Stabilisierung und Weiterentwicklung. Seine Berufung muss deshalb keineswegs auf eine erneute akute Krise hindeuten. Sie kann ebenso Ausdruck des Bestrebens sein, die erreichten Sanierungserfolge abzusichern und die nächste Unternehmensphase finanziell und operativ solide zu gestalten. Welche konkreten Schwerpunkte Wittop dabei setzen wird, bleibt abzuwarten.
