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Bank mit Bodensatz

LAB5 architects gestalten die K&H-Filiale am Budapester Oktogon neu

22.10.2026 | 19:10

Kundenbereich mit Beratungsplätzen, die Büros umhüllt halbrund geformtes Streckmetall. Fotos: Zsolt Batár
Freigelegte Stützen, Ziegelgewölbe und eingebaute Pflanzen prägen die Halle der Filiale.
Freigelegte Stützen, Ziegelgewölbe und eingebaute Pflanzen prägen die Halle der Filiale.
An der Decke bleiben Beton, Stahlträger und Ziegelgewölbe aus verschiedenen Bauphasen sichtbar.
An der Decke bleiben Beton, Stahlträger und Ziegelgewölbe aus verschiedenen Bauphasen sichtbar.

Bankfilialen zeigen gewöhnlich glatte Oberflächen. Die neue Filiale der K&H Bank am Budapester Oktogon zeigt Narben. Das Büro LAB5 architects hat freigelegt, was die Jahrzehnte im Haus hinterlassen haben, und daraus das Thema der Einrichtung gemacht. Für einen Ort, an dem einst eines der berühmtesten Kaffeehäuser der Stadt lag, ist das eine angemessene Form von Respekt.

Der Ort hat Vorgeschichte. Im Erdgeschoss des Eckhauses an der Andrássy út 49 eröffnete Gyula Steuer 1888 das Kaffeehaus Abbázia, benannt nach dem Adria-Kurort, der heute Opatija heißt. In seinen besten Jahren galt es als eines der prächtigsten der Stadt. Im September 1944 schloss es, später folgten Imbiss und Schnellrestaurant, seit 1992 sitzt hier eine Bank. Das Haus steht unter Denkmalschutz, mitten in der Welterbezone der Innenstadt.

LAB5 räumte die Flächen zunächst leer, um einen flexiblen Grundriss zu gewinnen. Was dabei zum Vorschein kam, blieb sichtbar: tragende Teile aus Beton, genietete Stahlträger, gemauerte Gewölbe. Dazwischen die Gipsornamente des alten Kaffeehauses, nach Ansicht der Architekten die schönsten Details im Haus. Die Wände erzählen so das Schicksal des Gebäudes und ein Stück Stadtgeschichte gleich mit.

Selbst der jüngste Umbau hinterlässt seine Spur. Den Schutt vom Beginn der Abbrucharbeiten hat das Team aufbewahrt, Bohrkerne aus dem Beton sind poliert und dienen jetzt als Vasen für Trockenblumen. Ein Andenken, das sonst meist im Container landet.

Für die geschlossenen Büros wählte LAB5 halbrund geformtes Streckmetall. Es umhüllt die Räume wie ein Vorhang und trennt Privates vom öffentlichen Bereich, ohne ihn abzuriegeln. Diskretion ist hier eine Frage der Maschenweite.

Sitzgruppe vor den Streckmetall-Vorhängen der Büros.
Sitzgruppe vor den Streckmetall-Vorhängen der Büros.
Halbrund geformtes Streckmetall umschließt die Büros wie ein Vorhang.
Halbrund geformtes Streckmetall umschließt die Büros wie ein Vorhang.
Schaufenster der Filiale in der wiederhergestellten Fassade am Oktogon.
Schaufenster der Filiale in der wiederhergestellten Fassade am Oktogon.
Wartebereich am Fenster mit Blick auf den Platz.
Wartebereich am Fenster mit Blick auf den Platz.

Auch das Grün hat eine Vorgeschichte. Um die südliche Stimmung des Abbázia wachzurufen, setzen die Architekten wie einst im Kaffeehaus auf Pflanzen. Sie sind direkt in die Baukonstruktion eingebunden und wirken dadurch eher dauerhaft als dekoriert.

Die Filiale erstreckt sich über zwei Ebenen und rund 1.500 Quadratmeter. Verantwortlich für die Gestaltung ist LAB5 architects aus Budapest mit András Dobos, fertiggestellt wurde das Projekt 2026.

Wiederhergestellt wurde auch das Äußere. Die Fassade ist so überarbeitet, dass die Ecken des Oktogon einander wieder gleichen, und die ursprünglich symmetrische Komposition des Hauses ist zurück. Wie die übrigen Eckhäuser am Platz geht der Bau auf Antal Szkalnitzky zurück.

Kaffee wird hier keiner mehr serviert. Aber das Haus darf wieder zeigen, was es einmal war.

Projekt: K&H Bank, Filiale Oktogon

  • Standort: Andrássy út 49 (Oktogon), Budapest (Ungarn)
  • Auftraggeber: K&H Bank
  • Fläche: ca. 1.500 m² auf zwei Ebenen
  • Programm: Bankfiliale mit Kundenbereich und Büros
  • Architektur und Innenarchitektur: LAB5 architects, András Dobos
  • Fertigstellung: 2026
  • Fotografie: Zsolt Batár

Bank mit Bodensatz

LAB5 architects gestalten die K&H-Filiale am Budapester Oktogon neu

22.10.2026 | 19:10
Kundenbereich mit Beratungsplätzen, die Büros umhüllt halbrund geformtes Streckmetall. Fotos: Zsolt Batár
Kundenbereich mit Beratungsplätzen, die Büros umhüllt halbrund geformtes Streckmetall. Fotos: Zsolt Batár

Bankfilialen zeigen gewöhnlich glatte Oberflächen. Die neue Filiale der K&H Bank am Budapester Oktogon zeigt Narben. Das Büro LAB5 architects hat freigelegt, was die Jahrzehnte im Haus hinterlassen haben, und daraus das Thema der Einrichtung gemacht. Für einen Ort, an dem einst eines der berühmtesten Kaffeehäuser der Stadt lag, ist das eine angemessene Form von Respekt.

Der Ort hat Vorgeschichte. Im Erdgeschoss des Eckhauses an der Andrássy út 49 eröffnete Gyula Steuer 1888 das Kaffeehaus Abbázia, benannt nach dem Adria-Kurort, der heute Opatija heißt. In seinen besten Jahren galt es als eines der prächtigsten der Stadt. Im September 1944 schloss es, später folgten Imbiss und Schnellrestaurant, seit 1992 sitzt hier eine Bank. Das Haus steht unter Denkmalschutz, mitten in der Welterbezone der Innenstadt.

LAB5 räumte die Flächen zunächst leer, um einen flexiblen Grundriss zu gewinnen. Was dabei zum Vorschein kam, blieb sichtbar: tragende Teile aus Beton, genietete Stahlträger, gemauerte Gewölbe. Dazwischen die Gipsornamente des alten Kaffeehauses, nach Ansicht der Architekten die schönsten Details im Haus. Die Wände erzählen so das Schicksal des Gebäudes und ein Stück Stadtgeschichte gleich mit.

Selbst der jüngste Umbau hinterlässt seine Spur. Den Schutt vom Beginn der Abbrucharbeiten hat das Team aufbewahrt, Bohrkerne aus dem Beton sind poliert und dienen jetzt als Vasen für Trockenblumen. Ein Andenken, das sonst meist im Container landet.

Für die geschlossenen Büros wählte LAB5 halbrund geformtes Streckmetall. Es umhüllt die Räume wie ein Vorhang und trennt Privates vom öffentlichen Bereich, ohne ihn abzuriegeln. Diskretion ist hier eine Frage der Maschenweite.

Auch das Grün hat eine Vorgeschichte. Um die südliche Stimmung des Abbázia wachzurufen, setzen die Architekten wie einst im Kaffeehaus auf Pflanzen. Sie sind direkt in die Baukonstruktion eingebunden und wirken dadurch eher dauerhaft als dekoriert.

Die Filiale erstreckt sich über zwei Ebenen und rund 1.500 Quadratmeter. Verantwortlich für die Gestaltung ist LAB5 architects aus Budapest mit András Dobos, fertiggestellt wurde das Projekt 2026.

Wiederhergestellt wurde auch das Äußere. Die Fassade ist so überarbeitet, dass die Ecken des Oktogon einander wieder gleichen, und die ursprünglich symmetrische Komposition des Hauses ist zurück. Wie die übrigen Eckhäuser am Platz geht der Bau auf Antal Szkalnitzky zurück.

Kaffee wird hier keiner mehr serviert. Aber das Haus darf wieder zeigen, was es einmal war.

Projekt: K&H Bank, Filiale Oktogon

  • Standort: Andrássy út 49 (Oktogon), Budapest (Ungarn)
  • Auftraggeber: K&H Bank
  • Fläche: ca. 1.500 m² auf zwei Ebenen
  • Programm: Bankfiliale mit Kundenbereich und Büros
  • Architektur und Innenarchitektur: LAB5 architects, András Dobos
  • Fertigstellung: 2026
  • Fotografie: Zsolt Batár
Sitzgruppe vor den Streckmetall-Vorhängen der Büros.
Sitzgruppe vor den Streckmetall-Vorhängen der Büros.
Halbrund geformtes Streckmetall umschließt die Büros wie ein Vorhang.
Halbrund geformtes Streckmetall umschließt die Büros wie ein Vorhang.
Schaufenster der Filiale in der wiederhergestellten Fassade am Oktogon.
Schaufenster der Filiale in der wiederhergestellten Fassade am Oktogon.