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Digital statt dekorativ

Okamura rückt IT ins Top-Management

26.06.2026 | 12:21
Okamura treibt die Modernisierung des Unternehmens auf mehreren Ebenen voran. Mit der Ernennung von Yujiro Urakami zum CDIO rückt Digitalisierung stärker ins Top-Management. Das Bild zeigt den Standort Gotemba. Foto: Okamura Corporation

Okamura schiebt die Digitalisierung nach oben. Yujiro Urakami wird zum 1. Juli 2026 Executive Officer und Chief Digital & Information Officer. Der Verwaltungsrat hat die Personalie am 24. Juni beschlossen. Klingt nach IT. Ist aber mehr.

Denn bei Okamura geht es längst nicht nur darum, ob die Server schnurren und die Systeme brav miteinander sprechen. Der japanische Büromöbel- und Workplace-Spezialist steht vor einer Frage, die vielen Herstellern im Workplace-Markt bekannt vorkommen dürfte: Wie wird aus Möbeln, Flächen, Planung, Daten und Service ein Geschäftsmodell, das auch morgen noch trägt?

Urakami kommt aus der IT-Strategie des Konzerns. Das ist kein unwichtiges Detail. Okamura holt sich keinen Digital-Guru von außen, der erst einmal erklären muss, dass die Zukunft irgendwie digital ist. Diese Erkenntnis dürfte auch in Yokohama bereits angekommen sein. Stattdessen rückt ein Mann aus der eigenen Organisation auf, der die Systeme, Prozesse und internen Baustellen kennen sollte. Vorteil: weniger Folienfeuerwerk. Nachteil: Ausreden werden schwieriger.

Der Zeitpunkt passt. Okamura hat das Geschäftsjahr 2025/26 mit Rekordwerten abgeschlossen. Der Umsatz stieg auf 329,0 Mrd. Yen, das operative Ergebnis auf 24,1 Mrd. Yen. Vor allem das Office-Geschäft lieferte. Dort legte der Umsatz um 14,6 Prozent auf 191,9 Mrd. Yen zu, das operative Ergebnis um 30,3 Prozent auf 22,6 Mrd. Yen.

Man könnte also sagen: Läuft doch. Genau das ist meistens der Moment, in dem es gefährlich wird. Denn während Office stark ist, zeigen andere Segmente, dass nicht alles von selbst fliegt. Das Geschäft mit Logistiksystemen geriet deutlich unter Druck und rutschte operativ in die Verlustzone. Auch Store Displays hatten mit geringeren Volumina, höheren Personalkosten und Umzugskosten zu kämpfen.

Okamura ist damit in einer dieser schönen Unternehmenslagen, in denen man gleichzeitig Rekorde meldet und Hausaufgaben bekommt. Das klassische Bürogeschäft läuft. Aber die Zukunft wird nicht allein mit Stühlen, Tischen und Stauraum entschieden. Sondern mit der Frage, wie intelligent Hersteller ihre Angebote vernetzen, international ausrollen und in digitale Prozesse übersetzen.

Auf der DX-Seite nennt Okamura fünf Schwerpunkte: Business DX, Operational DX, Management DX, Human Capital Development und die Stärkung der Systemplattform. Das klingt sehr nach Konzernsprache. Muss es vielleicht auch. Spannender sind die konkreten Anwendungen dahinter: Work x D im Office-Geschäft, OSCOM CLOUD für Store Displays und PROGRESS ONE für Logistikautomation.

Genau hier wird die Personalie interessant. Digitalisierung ist bei Okamura nicht mehr nur ein Effizienzthema. Sie wird zum Bindeglied zwischen Möbel, Raum, Handel, Projektgeschäft und Service. Wer im Objektgeschäft unterwegs ist, weiß: Der schönste Stuhl hilft nur begrenzt, wenn Daten, Planung, Lieferung, Nachverfolgung und Betrieb nicht sauber ineinandergreifen.

Hinzu kommt die internationale Ebene. Okamura hat mit DB&B in Singapur und Boss Design in Großbritannien Plattformen in Asien und Europa hinzugewonnen. Boss Design wurde zum 1. April 2025 vollständig konsolidiert und steuerte im ersten Jahr rund 10 Mrd. Yen Umsatz zum Office-Geschäft bei. Auch solche Zukäufe wollen nicht nur gekauft, sondern integriert werden.

Das eine geht schneller. Das andere entscheidet über den Nutzen. Gerade im internationalen Contract-Geschäft reicht es nicht, Marken einzusammeln und auf Synergien zu hoffen. Wer Plattform sagt, muss Prozesse meinen. Wer Wachstum sagt, muss Datenflüsse beherrschen. Und wer globale Kunden bedienen will, muss lokales Geschäft, Produktlogik und digitale Infrastruktur sauber zusammenbringen.

Die Ernennung von Yujiro Urakami ist deshalb keine dieser Personalien, bei denen man höflich nickt und weiterblättert. Sie sagt etwas über die Richtung aus. Okamura macht Digitalisierung zur Führungsaufgabe. Nicht glamourös. Nicht laut. Aber ziemlich konsequent.

Und vielleicht ist genau das der Punkt. In einer Branche, in der sehr gern über Räume der Zukunft gesprochen wird, beginnt Zukunft oft erstaunlich unromantisch: mit Datenmodellen, Schnittstellen, Prozessdisziplin und Systemplattformen. Klingt nicht sexy. Ist aber wahrscheinlich näher an der Wahrheit als die nächste große Workplace-Vision mit Mooswand und Barista-Ecke.

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Digital statt dekorativ

Okamura rückt IT ins Top-Management

26.06.2026 | 12:21
Okamura treibt die Modernisierung des Unternehmens auf mehreren Ebenen voran. Mit der Ernennung von Yujiro Urakami zum CDIO rückt Digitalisierung stärker ins Top-Management. Das Bild zeigt den Standort Gotemba. Foto: Okamura Corporation

Okamura schiebt die Digitalisierung nach oben. Yujiro Urakami wird zum 1. Juli 2026 Executive Officer und Chief Digital & Information Officer. Der Verwaltungsrat hat die Personalie am 24. Juni beschlossen. Klingt nach IT. Ist aber mehr.

Denn bei Okamura geht es längst nicht nur darum, ob die Server schnurren und die Systeme brav miteinander sprechen. Der japanische Büromöbel- und Workplace-Spezialist steht vor einer Frage, die vielen Herstellern im Workplace-Markt bekannt vorkommen dürfte: Wie wird aus Möbeln, Flächen, Planung, Daten und Service ein Geschäftsmodell, das auch morgen noch trägt?

Urakami kommt aus der IT-Strategie des Konzerns. Das ist kein unwichtiges Detail. Okamura holt sich keinen Digital-Guru von außen, der erst einmal erklären muss, dass die Zukunft irgendwie digital ist. Diese Erkenntnis dürfte auch in Yokohama bereits angekommen sein. Stattdessen rückt ein Mann aus der eigenen Organisation auf, der die Systeme, Prozesse und internen Baustellen kennen sollte. Vorteil: weniger Folienfeuerwerk. Nachteil: Ausreden werden schwieriger.

Der Zeitpunkt passt. Okamura hat das Geschäftsjahr 2025/26 mit Rekordwerten abgeschlossen. Der Umsatz stieg auf 329,0 Mrd. Yen, das operative Ergebnis auf 24,1 Mrd. Yen. Vor allem das Office-Geschäft lieferte. Dort legte der Umsatz um 14,6 Prozent auf 191,9 Mrd. Yen zu, das operative Ergebnis um 30,3 Prozent auf 22,6 Mrd. Yen.

Man könnte also sagen: Läuft doch. Genau das ist meistens der Moment, in dem es gefährlich wird. Denn während Office stark ist, zeigen andere Segmente, dass nicht alles von selbst fliegt. Das Geschäft mit Logistiksystemen geriet deutlich unter Druck und rutschte operativ in die Verlustzone. Auch Store Displays hatten mit geringeren Volumina, höheren Personalkosten und Umzugskosten zu kämpfen.

Okamura ist damit in einer dieser schönen Unternehmenslagen, in denen man gleichzeitig Rekorde meldet und Hausaufgaben bekommt. Das klassische Bürogeschäft läuft. Aber die Zukunft wird nicht allein mit Stühlen, Tischen und Stauraum entschieden. Sondern mit der Frage, wie intelligent Hersteller ihre Angebote vernetzen, international ausrollen und in digitale Prozesse übersetzen.

Auf der DX-Seite nennt Okamura fünf Schwerpunkte: Business DX, Operational DX, Management DX, Human Capital Development und die Stärkung der Systemplattform. Das klingt sehr nach Konzernsprache. Muss es vielleicht auch. Spannender sind die konkreten Anwendungen dahinter: Work x D im Office-Geschäft, OSCOM CLOUD für Store Displays und PROGRESS ONE für Logistikautomation.

Genau hier wird die Personalie interessant. Digitalisierung ist bei Okamura nicht mehr nur ein Effizienzthema. Sie wird zum Bindeglied zwischen Möbel, Raum, Handel, Projektgeschäft und Service. Wer im Objektgeschäft unterwegs ist, weiß: Der schönste Stuhl hilft nur begrenzt, wenn Daten, Planung, Lieferung, Nachverfolgung und Betrieb nicht sauber ineinandergreifen.

Hinzu kommt die internationale Ebene. Okamura hat mit DB&B in Singapur und Boss Design in Großbritannien Plattformen in Asien und Europa hinzugewonnen. Boss Design wurde zum 1. April 2025 vollständig konsolidiert und steuerte im ersten Jahr rund 10 Mrd. Yen Umsatz zum Office-Geschäft bei. Auch solche Zukäufe wollen nicht nur gekauft, sondern integriert werden.

Das eine geht schneller. Das andere entscheidet über den Nutzen. Gerade im internationalen Contract-Geschäft reicht es nicht, Marken einzusammeln und auf Synergien zu hoffen. Wer Plattform sagt, muss Prozesse meinen. Wer Wachstum sagt, muss Datenflüsse beherrschen. Und wer globale Kunden bedienen will, muss lokales Geschäft, Produktlogik und digitale Infrastruktur sauber zusammenbringen.

Die Ernennung von Yujiro Urakami ist deshalb keine dieser Personalien, bei denen man höflich nickt und weiterblättert. Sie sagt etwas über die Richtung aus. Okamura macht Digitalisierung zur Führungsaufgabe. Nicht glamourös. Nicht laut. Aber ziemlich konsequent.

Und vielleicht ist genau das der Punkt. In einer Branche, in der sehr gern über Räume der Zukunft gesprochen wird, beginnt Zukunft oft erstaunlich unromantisch: mit Datenmodellen, Schnittstellen, Prozessdisziplin und Systemplattformen. Klingt nicht sexy. Ist aber wahrscheinlich näher an der Wahrheit als die nächste große Workplace-Vision mit Mooswand und Barista-Ecke.

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