Zum Hauptinhalt springen

Sebastian Zenker über kuratierte Formate

Kleinere Messen, größere Wirkung

02.07.2026 | 6:40

Sebastian Zenker entwickelt für den Theatersaal der Westgalerie im Haus der Kunst eine Struktur aus gereihten Stoffbahnen. Fotos: SZ
Farbe, Kunst und starke Kontraste: ein Wohninterior von Sebastian Zenker Interior Design.
Farbe, Kunst und starke Kontraste: ein Wohninterior von Sebastian Zenker Interior Design.
Offener Wohnraum mit Spiegelachsen, Farbe und skulpturalem Licht.
Offener Wohnraum mit Spiegelachsen, Farbe und skulpturalem Licht.

Sebastian Zenker über die Munich Design Days 2027 im Haus der Kunst, Stoffbahnen als Messearchitektur und die Frage, warum kuratierte Formate für Aussteller wirtschaftlich interessanter werden.

Die Munich Design Days wachsen weiter. 2027 bleibt die Praterinsel der zentrale Anker, doch mit der Westgalerie im Haus der Kunst kommt ein Ort hinzu, der mehr ist als zusätzliche Fläche. Der Theatersaal ist kein neutraler Messeraum. Er bringt Geschichte, Maßstab, Schwere und öffentliche Wahrnehmung mit.

Für die Inszenierung arbeiten die Veranstalter mit Sebastian Zenker zusammen. Der Münchner Interior Designer gründete 2017 sein Büro Sebastian Zenker Interior Design und bewegt sich mit seinem Team zwischen gehobenem privatem Innenausbau, Hospitality, Gastronomie, Retail und Office. Für den Theatersaal entwickelt Zenker eine Struktur aus gereihten Stoffbahnen: Sie soll Wege führen, Marken rahmen und die Architektur des Hauses aufnehmen, ohne sie zu übertönen.
Das klingt nach Sensibilität. Aber auch nach Ambition. Denn wer mit einem jungen Designformat ins Haus der Kunst geht, muss beweisen, dass Wachstum nicht nur mehr Quadratmeter bedeutet.

furnomics: Die Munich Design Days gehen ins Haus der Kunst. Praterinsel, Westgalerie, Theatersaal – ist das die richtige Ambition oder steckt da ein Hauch Größenwahn drin?
Sebastian Zenker: Keinesfalls. Größenwahn wäre es, wenn man dort so täte, als könne man Ai Weiwei oder Christo spielen. Genau das machen wir aber nicht. Das Haus der Kunst ist kein neutraler Raum, den man einfach bespielt. Entscheidend sind Respekt vor dem Ort, ein realistischer Blick aufs Budget und am Ende auch die Funktion. Es geht ja nicht nur um eine schöne Installation, sondern um Messestände, Aussteller, Wege und Besucher.

furnomics: Also keine große Geste gegen das Gebäude?
Sebastian Zenker: Nein. Das Haus hat Geschichte, Tradition und eine sehr starke Architektur. Wenn man dort innen etwas schafft, muss man sich zuerst mit dem Gebäude beschäftigen. Die Architektur gibt viel vor: Säulen, hohe Räume, diese klare Gliederung. Wir wollten nichts machen, was das schwächt oder dagegenarbeitet.

furnomics: Herausgekommen sind: Stoffbahnen.
Sebastian Zenker: Genau. Wir haben uns gefragt, wie man den großen Raum nicht zerstückelt, sondern erlebbar lässt. Gemeinsam mit meinem Kollegen Grzegorz Bochenek haben wir das Konzept intern entwickelt. Die Stoffbahnen hängen von oben herab, schaffen Durchgänge, Zonen und kleine Nischen für die Aussteller. Gleichzeitig bringen sie Stofflichkeit ins Haus der Kunst und schlagen eine Brücke zum Münchner Stofffrühling.

furnomics: Das klingt eher nach Rahmen als nach Show.
Sebastian Zenker: Das ist bewusst so. Wir hatten zuerst auch überlegt, mit einer starken Farbe oder einem Muster zu arbeiten. Aber jeder Hersteller bringt seine eigene Farbwelt, seine eigenen Möbel und seine eigene Designsprache mit. Wenn dann auch noch die Installation laut wird, ist schnell alles zu viel. Also bleiben wir ruhiger und schaffen ein Passepartout.

furnomics: Für wen muss dieser Raum zuerst funktionieren: für die Aussteller, für das Publikum – oder für den Deal?
Sebastian Zenker: Zuerst schon für den Aussteller. Mit dem Konzept lockt man ja die Hersteller und sagt: Kommt, stellt bei uns aus, mietet euch hier ein. Das muss für sie funktionieren. Gleichzeitig müssen die Wegeführung und das Erlebnis für die Besucher stimmen. Aber der Aussteller braucht einen Rahmen, in dem er sichtbar wird.

furnomics: Sichtbarkeit ist auf einer Messe keine Nebensache.
Sebastian Zenker: Überhaupt nicht. Deshalb ist unser System flexibel. Es basiert auf einem Raster. Wenn ein Hersteller zwei Parzellen nehmen möchte, kann er das tun, ohne dass das Konzept auseinanderfällt. Die grafische Linienführung hält das Ganze zusammen.

furnomics: Man erkennt darin auch Sebastian Zenker Interior Design?
Sebastian Zenker: Vielleicht nicht auf den ersten Blick. Aber wenn man es weiß, schon. Unser Logo besteht aus Streifen. Solche grafischen Linien begleiten meine Entwürfe seit Jahren. Die gereihten Stoffbahnen sind deshalb auch eine kleine Anspielung auf unsere eigene Handschrift.

furnomics: Sie inszenieren also nicht nur Möbel, sondern auch ein bisschen eigene Handschrift.
Sebastian Zenker: Ein bisschen, ja. Aber behutsam. Der Raum soll für die Messe und für die Aussteller funktionieren, nicht nur unser Büro bewerben.

furnomics: Die Branche spricht gern über Atmosphäre und Erlebnis. Am Ende müssen Hersteller aber verkaufen. Können kleinere, kuratierte Formate wirtschaftlich interessanter werden als große Messeauftritte?
Sebastian Zenker: Ich glaube schon. Die Tendenz ist stark. Man sieht das an Formaten wie in Kopenhagen, wo viele zurückkommen und sagen: Es war schön, man war nah an den Herstellern, man konnte unkompliziert in Showrooms gehen. Bei sehr großen Messen wird es dagegen schnell anstrengend. Manchmal steht man lange an, nur um eine Installation gesehen zu haben.

Detail aus einem privaten Interior: Kunst, Licht und Materialität werden Teil der Raumwirkung.
Detail aus einem privaten Interior: Kunst, Licht und Materialität werden Teil der Raumwirkung.
Ruhiger Rückzug: Schlafzimmer mit dunklen Einbauten, Naturstein und reduzierter Farbigkeit.
Ruhiger Rückzug: Schlafzimmer mit dunklen Einbauten, Naturstein und reduzierter Farbigkeit.
Textil, Farbe, Atmosphäre: ein Detail, das Zenkers Interesse an starken Raumstimmungen zeigt.
Textil, Farbe, Atmosphäre: ein Detail, das Zenkers Interesse an starken Raumstimmungen zeigt.
Bowlingbahn statt Billardsalon-Klischee: Für das Münchner Atoll übersetzt Sebastian Zenker Interior Design Sport, Bar und Aufenthaltsqualität in eine grafische Schwarz-Weiß-Welt.
Bowlingbahn statt Billardsalon-Klischee: Für das Münchner Atoll übersetzt Sebastian Zenker Interior Design Sport, Bar und Aufenthaltsqualität in eine grafische Schwarz-Weiß-Welt.

furnomics: Also weniger Größe, mehr Nähe?
Sebastian Zenker: Ja. Und auch weniger Reibungsverlust. Wenn ich nicht extrem hohe Hotelkosten habe, wenn ich in der Stadt bleiben kann und trotzdem gute Hersteller sehe, ist das attraktiv. München hat dafür gute Voraussetzungen: Die Stadt ist kaufkräftig und gut erreichbar aus Österreich, der Schweiz und den Nachbarländern.

furnomics: Wenn über große Messeformate gesprochen wird, fällt in der Branche schnell Köln. Ist genau diese Unsicherheit die Chance für kleinere, kuratierte Formate wie die Munich Design Days?
Sebastian Zenker: Köln ist für mich eher ein Beispiel für die Frage, ob große klassische Formate dauerhaft noch dieselbe Rolle spielen wie früher. Meine persönliche Meinung ist, dass solche Formate weiter unter Druck geraten können. Ob die Munich Design Days große Messen ersetzen, weiß ich nicht. Aber sie zeigen eine Richtung, die interessant ist: kleiner, näher, kuratierter.

furnomics: Gerade für Marken, die nicht zu den internationalen Platzhirschen gehören?
Sebastian Zenker: Genau. Neben den ganz großen Namen kann man schnell untergehen. Ein Format wie die Munich Design Days kann auch Firmen mehr Aufmerksamkeit geben, die aus der Region kommen oder im deutschsprachigen Markt stark sind. Das finde ich spannend.

furnomics: Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie den Theatersaal gestalten?
Sebastian Zenker: Die Veranstalter kennen mich aus der Münchner Designszene und von diversen Kooperationen beim Münchner Stofffrühling. Wir hatten bei uns im Showroom ein schönes und plakatives Event. Ich glaube, dieses Konzept hat Eindruck gemacht. Dann kamen die ersten Gespräche zur Erweiterung der Munich Design Days.

furnomics: Das Haus der Kunst klang sofort verlockend?
Sebastian Zenker: Absolut. Ich dachte: wie clever! Zentral, mitten in der Stadt, gut erreichbar. Und gleichzeitig natürlich eine Herausforderung. Man kann dort nicht einfach irgendetwas hineinstellen. Der Ort zwingt einen, präzise zu werden.

furnomics: Ihr Büro arbeitet sonst vor allem im privaten Innenausbau. Wie ist Sebastian Zenker Interior Design heute aufgestellt?
Sebastian Zenker: Ich habe das Büro 2017 gegründet. Heute sind wir zehn Leute, vor allem Innenarchitekten, dazu zwei Architekten. Das ist wichtig, weil Innenarchitektur manchmal in Architektur übergeht: Anbauten, Erweiterungen, Genehmigungen.

furnomics: Kein klassischer Decorator.
Sebastian Zenker: Auf keinen Fall (lacht). Wir sind technisch sehr gut aufgestellt. Der Schwerpunkt liegt im privaten Bereich, in einem sehr gehobenen Innenausbau. Aber wir machen auch Restaurants, Bars, Hotels, Offices oder Retail-Shops. Diese Mischung mag ich sehr und macht es doppelt spannend.

furnomics: Wie verteilt sich das wirtschaftlich?
Sebastian Zenker: Ungefähr 60 bis 70 Prozent sind privat. Der Rest verteilt sich auf Restaurants, Bars, Hotels, Shops, manchmal Offices. Das schwankt natürlich je nach Phase. Mal hat man zwei Hotels parallel, mal mehr private Projekte.

furnomics: Strategisch trägt Sie also der private Sektor.
Sebastian Zenker: Ja. Hier durften wir uns über die Jahre besonders etablieren. Im privaten Bereich ist nach wie vor eine starke Nachfrage da, Und im Münchner Umfeld, in Kitzbühel, Mallorca oder Italien werden schöne Häuser gebaut, das trägt uns. Wenn man sich nur auf Office verlassen würde, kann es schwierig werden. Corona, wirtschaftliche Einbrüche, Homeoffice – das verändert die Nachfrage schnell.

furnomics: Der Premiumbereich stand zuletzt trotzdem unter Druck.
Sebastian Zenker: Der Einzelhandel leidet nach wie vor. Und die allgemeine Weltstimmung drückt aufs Gemüt. Wenn es den Leuten gut geht, bestellt man im Urlaub schneller noch ein Glas Wein. Ähnlich ist es bei Immobilien. Wenn die Wirtschaft floriert, legt man sich gerne einen Zweitwohnsitz zu. Geld ist da. Es wird gerade nur nicht so gern ausgegeben.

furnomics: Trotzdem sagen Sie: Der private Markt läuft.
Sebastian Zenker: In unserem Segment ja. Natürlich nicht völlig losgelöst von Stimmung und Wirtschaft. Aber wir sprechen oft über eine Ebene, in der Projekte nicht zwingend von Finanzierung oder Kredit abhängen. Das macht einen Unterschied.

furnomics: Wenn der private Markt Ihr wirtschaftliches Fundament ist: Warum dann überhaupt Restaurants, Bars, Hotels?
Sebastian Zenker: Weil es Spaß macht und uns kreativ fordert. Neue Aufgaben bringen eine andere Perspektive. Wir haben kürzlich eine Bowlingbahn in München fertiggestellt. Da denkt man erst an gebrauchte Schuhe, schlechtes Essen, vielleicht einen schäbigen Keller. Aber eigentlich kann das ein großartiger Ort sein: gute Bar, gute Drinks, gutes Essen, Atmosphäre.

furnomics: Also muss man solche Orte umcodieren.
Sebastian Zenker: Ja. Man nimmt eine Aufgabe, die vielleicht erst einmal ein suboptimales Bild im Kopf auslöst, und fragt: Was kann dieser Ort eigentlich sein? Bei einer Bowlingbahn sind die Bahnen genormt, das kann man gestalterisch nicht neu erfinden. Aber mit Bar, Licht, Farbe und Aufenthaltsqualität kann man eine Welt schaffen, Wohlfühlorte. Dieses Eintauchen interessiert mich.

furnomics: Das übertragen Sie auch auf die Munich Design Days?
Sebastian Zenker: Jein. Der Ort ist fantastisch. Aber auch dort geht es um Wege, Blickachsen, Atmosphäre und darum, wie Menschen durch einen Raum laufen. Egal ob Laden, Restaurant, Bar, Hotel, Supermarkt oder Messe: Alles ist gestaltet. Selbst wenn es nicht bewusst gestaltet ist, steht am Ende trotzdem etwas da und formt unsere Umwelt.

furnomics: Wann wäre der Theatersaal im Haus der Kunst für Sie erfolgreich?
Sebastian Zenker: Wenn die Möbel darin fast zu Kunstobjekten werden. Der Besucher soll durchgehen und das Ganze wie eine Ausstellung wahrnehmen. Keine Bilder, sondern Möbel. Er wird durch ein Wegesystem geleitet, sieht kuratiertes Möbeldesign, erlebt keine Reizüberflutung und verlässt das Gebäude mit dem Gefühl: Das war eine schöne, wertvolle Inszenierung.

furnomics: Also nicht möglichst viel Messe auf möglichst wenig Fläche.
Sebastian Zenker: Nein. Das wäre der falsche Ansatz. Es geht um Rahmen, Rhythmus und Klarheit. Wenn uns das gelingt, wird es ein Erfolg.

furnomics: Und gelingt es?
Sebastian Zenker: Auf jeden Fall.

 

 

Sebastian Zenker über kuratierte Formate

Kleinere Messen, größere Wirkung

02.07.2026 | 6:40
Sebastian Zenker entwickelt für den Theatersaal der Westgalerie im Haus der Kunst eine Struktur aus gereihten Stoffbahnen. Fotos: SZ
Sebastian Zenker entwickelt für den Theatersaal der Westgalerie im Haus der Kunst eine Struktur aus gereihten Stoffbahnen. Fotos: SZ

Sebastian Zenker über die Munich Design Days 2027 im Haus der Kunst, Stoffbahnen als Messearchitektur und die Frage, warum kuratierte Formate für Aussteller wirtschaftlich interessanter werden.

Die Munich Design Days wachsen weiter. 2027 bleibt die Praterinsel der zentrale Anker, doch mit der Westgalerie im Haus der Kunst kommt ein Ort hinzu, der mehr ist als zusätzliche Fläche. Der Theatersaal ist kein neutraler Messeraum. Er bringt Geschichte, Maßstab, Schwere und öffentliche Wahrnehmung mit.

Für die Inszenierung arbeiten die Veranstalter mit Sebastian Zenker zusammen. Der Münchner Interior Designer gründete 2017 sein Büro Sebastian Zenker Interior Design und bewegt sich mit seinem Team zwischen gehobenem privatem Innenausbau, Hospitality, Gastronomie, Retail und Office. Für den Theatersaal entwickelt Zenker eine Struktur aus gereihten Stoffbahnen: Sie soll Wege führen, Marken rahmen und die Architektur des Hauses aufnehmen, ohne sie zu übertönen.
Das klingt nach Sensibilität. Aber auch nach Ambition. Denn wer mit einem jungen Designformat ins Haus der Kunst geht, muss beweisen, dass Wachstum nicht nur mehr Quadratmeter bedeutet.

furnomics: Die Munich Design Days gehen ins Haus der Kunst. Praterinsel, Westgalerie, Theatersaal – ist das die richtige Ambition oder steckt da ein Hauch Größenwahn drin?
Sebastian Zenker: Keinesfalls. Größenwahn wäre es, wenn man dort so täte, als könne man Ai Weiwei oder Christo spielen. Genau das machen wir aber nicht. Das Haus der Kunst ist kein neutraler Raum, den man einfach bespielt. Entscheidend sind Respekt vor dem Ort, ein realistischer Blick aufs Budget und am Ende auch die Funktion. Es geht ja nicht nur um eine schöne Installation, sondern um Messestände, Aussteller, Wege und Besucher.

furnomics: Also keine große Geste gegen das Gebäude?
Sebastian Zenker: Nein. Das Haus hat Geschichte, Tradition und eine sehr starke Architektur. Wenn man dort innen etwas schafft, muss man sich zuerst mit dem Gebäude beschäftigen. Die Architektur gibt viel vor: Säulen, hohe Räume, diese klare Gliederung. Wir wollten nichts machen, was das schwächt oder dagegenarbeitet.

furnomics: Herausgekommen sind: Stoffbahnen.
Sebastian Zenker: Genau. Wir haben uns gefragt, wie man den großen Raum nicht zerstückelt, sondern erlebbar lässt. Gemeinsam mit meinem Kollegen Grzegorz Bochenek haben wir das Konzept intern entwickelt. Die Stoffbahnen hängen von oben herab, schaffen Durchgänge, Zonen und kleine Nischen für die Aussteller. Gleichzeitig bringen sie Stofflichkeit ins Haus der Kunst und schlagen eine Brücke zum Münchner Stofffrühling.

furnomics: Das klingt eher nach Rahmen als nach Show.
Sebastian Zenker: Das ist bewusst so. Wir hatten zuerst auch überlegt, mit einer starken Farbe oder einem Muster zu arbeiten. Aber jeder Hersteller bringt seine eigene Farbwelt, seine eigenen Möbel und seine eigene Designsprache mit. Wenn dann auch noch die Installation laut wird, ist schnell alles zu viel. Also bleiben wir ruhiger und schaffen ein Passepartout.

furnomics: Für wen muss dieser Raum zuerst funktionieren: für die Aussteller, für das Publikum – oder für den Deal?
Sebastian Zenker: Zuerst schon für den Aussteller. Mit dem Konzept lockt man ja die Hersteller und sagt: Kommt, stellt bei uns aus, mietet euch hier ein. Das muss für sie funktionieren. Gleichzeitig müssen die Wegeführung und das Erlebnis für die Besucher stimmen. Aber der Aussteller braucht einen Rahmen, in dem er sichtbar wird.

furnomics: Sichtbarkeit ist auf einer Messe keine Nebensache.
Sebastian Zenker: Überhaupt nicht. Deshalb ist unser System flexibel. Es basiert auf einem Raster. Wenn ein Hersteller zwei Parzellen nehmen möchte, kann er das tun, ohne dass das Konzept auseinanderfällt. Die grafische Linienführung hält das Ganze zusammen.

furnomics: Man erkennt darin auch Sebastian Zenker Interior Design?
Sebastian Zenker: Vielleicht nicht auf den ersten Blick. Aber wenn man es weiß, schon. Unser Logo besteht aus Streifen. Solche grafischen Linien begleiten meine Entwürfe seit Jahren. Die gereihten Stoffbahnen sind deshalb auch eine kleine Anspielung auf unsere eigene Handschrift.

furnomics: Sie inszenieren also nicht nur Möbel, sondern auch ein bisschen eigene Handschrift.
Sebastian Zenker: Ein bisschen, ja. Aber behutsam. Der Raum soll für die Messe und für die Aussteller funktionieren, nicht nur unser Büro bewerben.

furnomics: Die Branche spricht gern über Atmosphäre und Erlebnis. Am Ende müssen Hersteller aber verkaufen. Können kleinere, kuratierte Formate wirtschaftlich interessanter werden als große Messeauftritte?
Sebastian Zenker: Ich glaube schon. Die Tendenz ist stark. Man sieht das an Formaten wie in Kopenhagen, wo viele zurückkommen und sagen: Es war schön, man war nah an den Herstellern, man konnte unkompliziert in Showrooms gehen. Bei sehr großen Messen wird es dagegen schnell anstrengend. Manchmal steht man lange an, nur um eine Installation gesehen zu haben.

furnomics: Also weniger Größe, mehr Nähe?
Sebastian Zenker: Ja. Und auch weniger Reibungsverlust. Wenn ich nicht extrem hohe Hotelkosten habe, wenn ich in der Stadt bleiben kann und trotzdem gute Hersteller sehe, ist das attraktiv. München hat dafür gute Voraussetzungen: Die Stadt ist kaufkräftig und gut erreichbar aus Österreich, der Schweiz und den Nachbarländern.

furnomics: Wenn über große Messeformate gesprochen wird, fällt in der Branche schnell Köln. Ist genau diese Unsicherheit die Chance für kleinere, kuratierte Formate wie die Munich Design Days?
Sebastian Zenker: Köln ist für mich eher ein Beispiel für die Frage, ob große klassische Formate dauerhaft noch dieselbe Rolle spielen wie früher. Meine persönliche Meinung ist, dass solche Formate weiter unter Druck geraten können. Ob die Munich Design Days große Messen ersetzen, weiß ich nicht. Aber sie zeigen eine Richtung, die interessant ist: kleiner, näher, kuratierter.

furnomics: Gerade für Marken, die nicht zu den internationalen Platzhirschen gehören?
Sebastian Zenker: Genau. Neben den ganz großen Namen kann man schnell untergehen. Ein Format wie die Munich Design Days kann auch Firmen mehr Aufmerksamkeit geben, die aus der Region kommen oder im deutschsprachigen Markt stark sind. Das finde ich spannend.

furnomics: Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie den Theatersaal gestalten?
Sebastian Zenker: Die Veranstalter kennen mich aus der Münchner Designszene und von diversen Kooperationen beim Münchner Stofffrühling. Wir hatten bei uns im Showroom ein schönes und plakatives Event. Ich glaube, dieses Konzept hat Eindruck gemacht. Dann kamen die ersten Gespräche zur Erweiterung der Munich Design Days.

furnomics: Das Haus der Kunst klang sofort verlockend?
Sebastian Zenker: Absolut. Ich dachte: wie clever! Zentral, mitten in der Stadt, gut erreichbar. Und gleichzeitig natürlich eine Herausforderung. Man kann dort nicht einfach irgendetwas hineinstellen. Der Ort zwingt einen, präzise zu werden.

furnomics: Ihr Büro arbeitet sonst vor allem im privaten Innenausbau. Wie ist Sebastian Zenker Interior Design heute aufgestellt?
Sebastian Zenker: Ich habe das Büro 2017 gegründet. Heute sind wir zehn Leute, vor allem Innenarchitekten, dazu zwei Architekten. Das ist wichtig, weil Innenarchitektur manchmal in Architektur übergeht: Anbauten, Erweiterungen, Genehmigungen.

furnomics: Kein klassischer Decorator.
Sebastian Zenker: Auf keinen Fall (lacht). Wir sind technisch sehr gut aufgestellt. Der Schwerpunkt liegt im privaten Bereich, in einem sehr gehobenen Innenausbau. Aber wir machen auch Restaurants, Bars, Hotels, Offices oder Retail-Shops. Diese Mischung mag ich sehr und macht es doppelt spannend.

furnomics: Wie verteilt sich das wirtschaftlich?
Sebastian Zenker: Ungefähr 60 bis 70 Prozent sind privat. Der Rest verteilt sich auf Restaurants, Bars, Hotels, Shops, manchmal Offices. Das schwankt natürlich je nach Phase. Mal hat man zwei Hotels parallel, mal mehr private Projekte.

furnomics: Strategisch trägt Sie also der private Sektor.
Sebastian Zenker: Ja. Hier durften wir uns über die Jahre besonders etablieren. Im privaten Bereich ist nach wie vor eine starke Nachfrage da, Und im Münchner Umfeld, in Kitzbühel, Mallorca oder Italien werden schöne Häuser gebaut, das trägt uns. Wenn man sich nur auf Office verlassen würde, kann es schwierig werden. Corona, wirtschaftliche Einbrüche, Homeoffice – das verändert die Nachfrage schnell.

furnomics: Der Premiumbereich stand zuletzt trotzdem unter Druck.
Sebastian Zenker: Der Einzelhandel leidet nach wie vor. Und die allgemeine Weltstimmung drückt aufs Gemüt. Wenn es den Leuten gut geht, bestellt man im Urlaub schneller noch ein Glas Wein. Ähnlich ist es bei Immobilien. Wenn die Wirtschaft floriert, legt man sich gerne einen Zweitwohnsitz zu. Geld ist da. Es wird gerade nur nicht so gern ausgegeben.

furnomics: Trotzdem sagen Sie: Der private Markt läuft.
Sebastian Zenker: In unserem Segment ja. Natürlich nicht völlig losgelöst von Stimmung und Wirtschaft. Aber wir sprechen oft über eine Ebene, in der Projekte nicht zwingend von Finanzierung oder Kredit abhängen. Das macht einen Unterschied.

furnomics: Wenn der private Markt Ihr wirtschaftliches Fundament ist: Warum dann überhaupt Restaurants, Bars, Hotels?
Sebastian Zenker: Weil es Spaß macht und uns kreativ fordert. Neue Aufgaben bringen eine andere Perspektive. Wir haben kürzlich eine Bowlingbahn in München fertiggestellt. Da denkt man erst an gebrauchte Schuhe, schlechtes Essen, vielleicht einen schäbigen Keller. Aber eigentlich kann das ein großartiger Ort sein: gute Bar, gute Drinks, gutes Essen, Atmosphäre.

furnomics: Also muss man solche Orte umcodieren.
Sebastian Zenker: Ja. Man nimmt eine Aufgabe, die vielleicht erst einmal ein suboptimales Bild im Kopf auslöst, und fragt: Was kann dieser Ort eigentlich sein? Bei einer Bowlingbahn sind die Bahnen genormt, das kann man gestalterisch nicht neu erfinden. Aber mit Bar, Licht, Farbe und Aufenthaltsqualität kann man eine Welt schaffen, Wohlfühlorte. Dieses Eintauchen interessiert mich.

furnomics: Das übertragen Sie auch auf die Munich Design Days?
Sebastian Zenker: Jein. Der Ort ist fantastisch. Aber auch dort geht es um Wege, Blickachsen, Atmosphäre und darum, wie Menschen durch einen Raum laufen. Egal ob Laden, Restaurant, Bar, Hotel, Supermarkt oder Messe: Alles ist gestaltet. Selbst wenn es nicht bewusst gestaltet ist, steht am Ende trotzdem etwas da und formt unsere Umwelt.

furnomics: Wann wäre der Theatersaal im Haus der Kunst für Sie erfolgreich?
Sebastian Zenker: Wenn die Möbel darin fast zu Kunstobjekten werden. Der Besucher soll durchgehen und das Ganze wie eine Ausstellung wahrnehmen. Keine Bilder, sondern Möbel. Er wird durch ein Wegesystem geleitet, sieht kuratiertes Möbeldesign, erlebt keine Reizüberflutung und verlässt das Gebäude mit dem Gefühl: Das war eine schöne, wertvolle Inszenierung.

furnomics: Also nicht möglichst viel Messe auf möglichst wenig Fläche.
Sebastian Zenker: Nein. Das wäre der falsche Ansatz. Es geht um Rahmen, Rhythmus und Klarheit. Wenn uns das gelingt, wird es ein Erfolg.

furnomics: Und gelingt es?
Sebastian Zenker: Auf jeden Fall.

 

 

<
Detail aus einem privaten Interior: Kunst, Licht und Materialität werden Teil der Raumwirkung.
Detail aus einem privaten Interior: Kunst, Licht und Materialität werden Teil der Raumwirkung.
Ruhiger Rückzug: Schlafzimmer mit dunklen Einbauten, Naturstein und reduzierter Farbigkeit.
Ruhiger Rückzug: Schlafzimmer mit dunklen Einbauten, Naturstein und reduzierter Farbigkeit.
Textil, Farbe, Atmosphäre: ein Detail, das Zenkers Interesse an starken Raumstimmungen zeigt.
Textil, Farbe, Atmosphäre: ein Detail, das Zenkers Interesse an starken Raumstimmungen zeigt.