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Softwork in Stoff

Werner Aisslinger gestaltet den Stand von JAB Anstoetz

28.10.2026 | 19:49

Stoff als Architektur: Den rund 270 Quadratmeter großen Stand von JAB Anstoetz auf der Orgatec 2026 entwarf Werner Aisslinger. Raumhohe Vorhänge formten runde Kammern, ein orangeroter Teppich führte hinein. Fotos: Ronny Waburek
Licht als Partner: Der Leuchtenhersteller ERCO zeigte auf dem Stand ein eigenes Lighting Lab, unterstützt von JUNG. Lichtschienen und Leuchten gliederten die Zonen.
Licht als Partner: Der Leuchtenhersteller ERCO zeigte auf dem Stand ein eigenes Lighting Lab, unterstützt von JUNG. Lichtschienen und Leuchten gliederten die Zonen.

Werner Aisslinger hatte auf der Orgatec 2026 einiges zu tun. Am COR-Stand stellte er den Stuhl Floy vor und bekannte sich im Gespräch mit furnomics zur „Softwork-Denke“: Arbeiten müsse nicht mehr mit maschinenartigen Möbeln stattfinden. Bei JAB Anstoetz konnte er die These gleich in Raum übersetzen. Den rund 270 Quadratmeter großen Stand des Bielefelder Textilhauses hat Aisslinger entworfen. Dazu kamen eine Vorhangkollektion und ein Sofa aus seinem Studio.

„Spaces to Experience“ hieß das Konzept, die Themen waren Akustik und Licht. Statt klassischer Messearchitektur entstand eine offene Raumlandschaft mit sogenannten Bays und Nooks, die jeweils eigene Themenwelten inszenierten. Das Konzept entstand in enger Kooperation mit ERCO. Der Leuchtenhersteller zeigte sich auf dem Stand mit einem eigenen Lighting Lab, unterstützt von JUNG. „Unser Leitthema ‚Spaces to experience‘ wird in den einzelnen Nooks auf dem Stand mit Licht-, Farb- und Soundinstallationen im Zusammenspiel mit den textilen Inszenierungen sichtbar und lädt zum ‚Experience Walk‘ ein“, sagt Claus Anstoetz, geschäftsführender Gesellschafter der JAB Anstoetz Group.

Der Walk begann auf einem orangeroten Teppich. Raumhohe Vorhänge in Weiß, Gold und Braun formten runde Kammern, darüber leuchtete das Markenschild. In einem Nook ging es um Sun & Heat: Transparente Vorhänge mit Sonnen- und Wärmeschutz, ergänzt um eine Bildausstellung des Architekturfotografen HG Esch, auf dessen Aufnahmen unter anderem die Brooklyn Bridge zu sehen war. Direkt gegenüber stand Acoustic Guard Light im Mittelpunkt, eine interaktive Installation, die sichtbar und hörbar machen sollte, wie Licht und Akustik die Wahrnehmung eines Raumes verändern.

„Das Konzept macht den JAB ANSTOETZ Messestand zu einer offenen, dynamischen Markenwelt, in der Bays und Nooks Produkte, Materialien und Begegnung zu einer räumlichen Experience verbinden“, sagt Aisslinger. Im Zentrum lag ein großzügiger Meetingbereich, und dort stand auch das neue Sofasystem NOMAD, das Aisslinger für die BW Bielefelder Werkstätten entworfen hat. Die Farbwelt des Stands setzte auf weiche Nuancen, Pastelltöne und warme Erdfarben.

Für Büroplaner steckt darin eine schlichte Botschaft: Der Vorhang ist kein Dekorationsartikel mehr. Er soll Schall schlucken, Sonne abhalten, Zonen bilden und dabei noch gut aussehen. Am Stand von JAB Anstoetz übernahm er gleich auch noch die Rolle der Wand.

Farbe in Falten: Raumhohe Vorhänge in Braun, Orange und Gold umschlossen einen Bereich mit Stoffmustern und Musterbüchern.
Farbe in Falten: Raumhohe Vorhänge in Braun, Orange und Gold umschlossen einen Bereich mit Stoffmustern und Musterbüchern.
Material zum Anfassen: Eine Musterwand zeigte Stoffe und Texturen, davor lag ein goldgelber Teppich.
Material zum Anfassen: Eine Musterwand zeigte Stoffe und Texturen, davor lag ein goldgelber Teppich.
Sun & Heat: Transparente Vorhänge mit Wärme- und Blendschutz trafen in diesem Nook auf Aufnahmen des Architekturfotografen HG Esch.
Sun & Heat: Transparente Vorhänge mit Wärme- und Blendschutz trafen in diesem Nook auf Aufnahmen des Architekturfotografen HG Esch.

Wie ernst das gemeint ist, zeigt die Kollektion SUN & HEAT Reflect. Die Vorhangstoffe sollen Licht- und Wärmeeintrag regulieren und vor Blendung schützen. Dafür sorgen technische Details auf der Rückseite, etwa Lurexfäden, Aluminiumbeschichtungen und Spezialgarne. Alle Qualitäten der Kollektion sind schwer entflammbar, zudem dämpfen die Stoffe Schall. Messbar wird der Effekt über den Gesamtenergiedurchlassgrad g, der für Verglasung und Sonnenschutz zusammen ermittelt wird, und über den Abminderungsfaktor Fc, der angibt, wie stark der Sonnenschutz den Energieeintrag gegenüber der Verglasung allein senkt: Je niedriger beide, desto wirksamer der Sonnenschutz. Konkrete Werte für einzelne Stoffe nennt JAB nicht.

Die zweite Neuheit ist Aisslingers erste Textilkollektion für das Haus. Nach Kooperationen in den Bereichen Flooring und Acoustics, für die er bereits Wand- und Deckenpaneele entworfen hatte, präsentiert JAB Anstoetz Fabrics nun die edition werner aisslinger: vier raumhohe Vorhangstoffe, ein transparenter Druckstoff, zwei Unis und ein Blackout-Gewebe. SILENT COLOURS spielt mit Transparenz und überlagerten Farbflächen, angelegt in vier Kombinationen von Blau-Terra bis Nude-Flaschengrün. SILENT TWILL ist ein fließendes Köpergewebe mit Changeant-Effekt und eingearbeitetem Akustikgarn. SILENT MOON verdunkelt, ist in 28 Farben erhältlich und besteht wie QUINN, ein mattes Uni, aus 100 Prozent recyceltem Polyester. Schwer entflammbar sind alle vier.

Entstanden ist die Kollektion in Workshops im Bielefelder Designstudio, mit Pascal Walter, Head of Design bei JAB Anstoetz Fabrics, und Tatjana Heidhölter aus dem Bereich Design & Development. Inspiration holte sich Aisslinger unter anderem beim Film „Dune“. „Seine relevantesten Farben waren Sand-, Ocker- und Gelbtöne“, erklärt Walter. Aisslinger selbst nennt das Projekt „ein neues Spielfeld für mich, das extrem komplex und challenging ist“: Es gehe weit über die Kreation von Farbreihen hinaus, um transluzente Stoffüberlagerungen, Reflexionen, Licht und Schatten.

Ebenfalls aus seinem Studio stammt NOMAD, das neue Sofa der BW Bielefelder Werkstätten, die zur Gruppe gehören. Es orientiert sich an Aisslingers Interior-Konzept „Design and Architecture of Optimism“, das sich ausdrücklich gegen monotonen, kühlen Minimalismus richtet. Optisch lehnt sich NOMAD an die Sofalandschaften und Conversation Pits der 1970er Jahre an und besteht aus wenigen, kombinierbaren Modulen. Eine schlanke, taillierte Rückenschale umschließt die Module. Gefertigt wird bei BW ausschließlich in Ostwestfalen.

Akustisch komplettierten die bereits 2024 vorgestellten Paneele Shapes und Pure von JAB Anstoetz Acoustics den Auftritt, vor allem großformatige Pure-Elemente. In Kombination mit den Lichtlösungen von ERCO sollen sich daraus individuell geplante Wand- und Deckengestaltungen ergeben.

Hinter dem Auftritt steht eine Gruppe, die seit 1946 von Bielefeld aus Textilien und Einrichtung verbindet. Nach eigenen Angaben beschäftigt die JAB Anstoetz Group rund 1.600 Mitarbeitende und erzielt einen Jahresumsatz von etwa 300 Millionen Euro. Geführt wird sie von Stephan und Claus Anstoetz sowie Chris-Jacob Schminnes. Zum Portfolio gehören neben JAB Anstoetz Fabrics unter anderem Chivasso, Carlucci, Gardisette, climatex, die Bodenbeläge von JAB Anstoetz Flooring und Adramaq sowie die BW Bielefelder Werkstätten.

Ein Stoffverlag, der auf einer Büromöbelmesse Räume statt Stoffballen zeigt, und ein Designer, der in Köln gleich an zwei Ständen seine Handschrift hinterließ: Die Softwork-These hatte auf dieser Orgatec jedenfalls keinen Mangel an Material.

Softwork in Stoff

Werner Aisslinger gestaltet den Stand von JAB Anstoetz

28.10.2026 | 19:49
Stoff als Architektur: Den rund 270 Quadratmeter großen Stand von JAB Anstoetz auf der Orgatec 2026 entwarf Werner Aisslinger. Raumhohe Vorhänge formten runde Kammern, ein orangeroter Teppich führte hinein. Fotos: Ronny Waburek
Stoff als Architektur: Den rund 270 Quadratmeter großen Stand von JAB Anstoetz auf der Orgatec 2026 entwarf Werner Aisslinger. Raumhohe Vorhänge formten runde Kammern, ein orangeroter Teppich führte hinein. Fotos: Ronny Waburek

Werner Aisslinger hatte auf der Orgatec 2026 einiges zu tun. Am COR-Stand stellte er den Stuhl Floy vor und bekannte sich im Gespräch mit furnomics zur „Softwork-Denke“: Arbeiten müsse nicht mehr mit maschinenartigen Möbeln stattfinden. Bei JAB Anstoetz konnte er die These gleich in Raum übersetzen. Den rund 270 Quadratmeter großen Stand des Bielefelder Textilhauses hat Aisslinger entworfen. Dazu kamen eine Vorhangkollektion und ein Sofa aus seinem Studio.

„Spaces to Experience“ hieß das Konzept, die Themen waren Akustik und Licht. Statt klassischer Messearchitektur entstand eine offene Raumlandschaft mit sogenannten Bays und Nooks, die jeweils eigene Themenwelten inszenierten. Das Konzept entstand in enger Kooperation mit ERCO. Der Leuchtenhersteller zeigte sich auf dem Stand mit einem eigenen Lighting Lab, unterstützt von JUNG. „Unser Leitthema ‚Spaces to experience‘ wird in den einzelnen Nooks auf dem Stand mit Licht-, Farb- und Soundinstallationen im Zusammenspiel mit den textilen Inszenierungen sichtbar und lädt zum ‚Experience Walk‘ ein“, sagt Claus Anstoetz, geschäftsführender Gesellschafter der JAB Anstoetz Group.

Der Walk begann auf einem orangeroten Teppich. Raumhohe Vorhänge in Weiß, Gold und Braun formten runde Kammern, darüber leuchtete das Markenschild. In einem Nook ging es um Sun & Heat: Transparente Vorhänge mit Sonnen- und Wärmeschutz, ergänzt um eine Bildausstellung des Architekturfotografen HG Esch, auf dessen Aufnahmen unter anderem die Brooklyn Bridge zu sehen war. Direkt gegenüber stand Acoustic Guard Light im Mittelpunkt, eine interaktive Installation, die sichtbar und hörbar machen sollte, wie Licht und Akustik die Wahrnehmung eines Raumes verändern.

„Das Konzept macht den JAB ANSTOETZ Messestand zu einer offenen, dynamischen Markenwelt, in der Bays und Nooks Produkte, Materialien und Begegnung zu einer räumlichen Experience verbinden“, sagt Aisslinger. Im Zentrum lag ein großzügiger Meetingbereich, und dort stand auch das neue Sofasystem NOMAD, das Aisslinger für die BW Bielefelder Werkstätten entworfen hat. Die Farbwelt des Stands setzte auf weiche Nuancen, Pastelltöne und warme Erdfarben.

Für Büroplaner steckt darin eine schlichte Botschaft: Der Vorhang ist kein Dekorationsartikel mehr. Er soll Schall schlucken, Sonne abhalten, Zonen bilden und dabei noch gut aussehen. Am Stand von JAB Anstoetz übernahm er gleich auch noch die Rolle der Wand.

Wie ernst das gemeint ist, zeigt die Kollektion SUN & HEAT Reflect. Die Vorhangstoffe sollen Licht- und Wärmeeintrag regulieren und vor Blendung schützen. Dafür sorgen technische Details auf der Rückseite, etwa Lurexfäden, Aluminiumbeschichtungen und Spezialgarne. Alle Qualitäten der Kollektion sind schwer entflammbar, zudem dämpfen die Stoffe Schall. Messbar wird der Effekt über den Gesamtenergiedurchlassgrad g, der für Verglasung und Sonnenschutz zusammen ermittelt wird, und über den Abminderungsfaktor Fc, der angibt, wie stark der Sonnenschutz den Energieeintrag gegenüber der Verglasung allein senkt: Je niedriger beide, desto wirksamer der Sonnenschutz. Konkrete Werte für einzelne Stoffe nennt JAB nicht.

Die zweite Neuheit ist Aisslingers erste Textilkollektion für das Haus. Nach Kooperationen in den Bereichen Flooring und Acoustics, für die er bereits Wand- und Deckenpaneele entworfen hatte, präsentiert JAB Anstoetz Fabrics nun die edition werner aisslinger: vier raumhohe Vorhangstoffe, ein transparenter Druckstoff, zwei Unis und ein Blackout-Gewebe. SILENT COLOURS spielt mit Transparenz und überlagerten Farbflächen, angelegt in vier Kombinationen von Blau-Terra bis Nude-Flaschengrün. SILENT TWILL ist ein fließendes Köpergewebe mit Changeant-Effekt und eingearbeitetem Akustikgarn. SILENT MOON verdunkelt, ist in 28 Farben erhältlich und besteht wie QUINN, ein mattes Uni, aus 100 Prozent recyceltem Polyester. Schwer entflammbar sind alle vier.

Entstanden ist die Kollektion in Workshops im Bielefelder Designstudio, mit Pascal Walter, Head of Design bei JAB Anstoetz Fabrics, und Tatjana Heidhölter aus dem Bereich Design & Development. Inspiration holte sich Aisslinger unter anderem beim Film „Dune“. „Seine relevantesten Farben waren Sand-, Ocker- und Gelbtöne“, erklärt Walter. Aisslinger selbst nennt das Projekt „ein neues Spielfeld für mich, das extrem komplex und challenging ist“: Es gehe weit über die Kreation von Farbreihen hinaus, um transluzente Stoffüberlagerungen, Reflexionen, Licht und Schatten.

Ebenfalls aus seinem Studio stammt NOMAD, das neue Sofa der BW Bielefelder Werkstätten, die zur Gruppe gehören. Es orientiert sich an Aisslingers Interior-Konzept „Design and Architecture of Optimism“, das sich ausdrücklich gegen monotonen, kühlen Minimalismus richtet. Optisch lehnt sich NOMAD an die Sofalandschaften und Conversation Pits der 1970er Jahre an und besteht aus wenigen, kombinierbaren Modulen. Eine schlanke, taillierte Rückenschale umschließt die Module. Gefertigt wird bei BW ausschließlich in Ostwestfalen.

Akustisch komplettierten die bereits 2024 vorgestellten Paneele Shapes und Pure von JAB Anstoetz Acoustics den Auftritt, vor allem großformatige Pure-Elemente. In Kombination mit den Lichtlösungen von ERCO sollen sich daraus individuell geplante Wand- und Deckengestaltungen ergeben.

Hinter dem Auftritt steht eine Gruppe, die seit 1946 von Bielefeld aus Textilien und Einrichtung verbindet. Nach eigenen Angaben beschäftigt die JAB Anstoetz Group rund 1.600 Mitarbeitende und erzielt einen Jahresumsatz von etwa 300 Millionen Euro. Geführt wird sie von Stephan und Claus Anstoetz sowie Chris-Jacob Schminnes. Zum Portfolio gehören neben JAB Anstoetz Fabrics unter anderem Chivasso, Carlucci, Gardisette, climatex, die Bodenbeläge von JAB Anstoetz Flooring und Adramaq sowie die BW Bielefelder Werkstätten.

Ein Stoffverlag, der auf einer Büromöbelmesse Räume statt Stoffballen zeigt, und ein Designer, der in Köln gleich an zwei Ständen seine Handschrift hinterließ: Die Softwork-These hatte auf dieser Orgatec jedenfalls keinen Mangel an Material.

Farbe in Falten: Raumhohe Vorhänge in Braun, Orange und Gold umschlossen einen Bereich mit Stoffmustern und Musterbüchern.
Farbe in Falten: Raumhohe Vorhänge in Braun, Orange und Gold umschlossen einen Bereich mit Stoffmustern und Musterbüchern.
Material zum Anfassen: Eine Musterwand zeigte Stoffe und Texturen, davor lag ein goldgelber Teppich.
Material zum Anfassen: Eine Musterwand zeigte Stoffe und Texturen, davor lag ein goldgelber Teppich.