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Unabhängig zieht

Independent Hotel Show Munich meldet mehr als 2.000 Besucher

29.09.2026 | 17:22

Altbau trifft auf zurückhaltendes Interior: Die Gartenlobby des Wilmina in Berlin-Charlottenburg öffnet sich direkt ins Grüne. Das Haus wurde bei den Independent Hotel Show Munich Awards 2026 als „Hotel of the Year“ ausgezeichnet. Foto: © Wilmina

Mehr als 2.000 Fachbesucher, rund 170 Aussteller und über 45 Sessions: Die dritte Independent Hotel Show Munich hat am 16. und 17. September das MOC München bespielt. Interessanter als die üblichen Messeformeln von Austausch und Inspiration ist allerdings, worüber dort gesprochen wurde – und welche Häuser am Ende ausgezeichnet wurden.

Design, Nachhaltigkeit, KI, digitale Sichtbarkeit, Wellbeing, Longevity und neue Vorstellungen von Luxus zogen sich durch das Programm. Rund 60 Prozent der Aussteller waren nach Angaben des Veranstalters erstmals auf der IHM vertreten. Neben den klassischen Ausstellungsflächen gab es unter anderem eine Green Energy Zone, eine Start-up Zone, eine Art Gallery und erstmals einen Bereich für Tiny Space Houses.

Das passt zu einem Hospitality-Markt, in dem Einrichtung längst mehr leisten soll als einen wiedererkennbaren Look. Hotels werden Arbeitsplatz, Rückzugsraum, Restaurant, Wellness-Angebot und zunehmend auch Bühne für Kunst, Community und digitale Services. Gerade unabhängige Häuser müssen daraus eine erkennbare Identität bauen, ohne hinter der nächsten Designformel zu verschwinden.

Wie unterschiedlich das aussehen kann, zeigen die vier Gewinner der Independent Hotel Show Munich Awards. Das Berliner Wilmina wurde „Hotel of the Year“, das Hotel Schani City in Wien „New Hotel of the Year“. „Hotel Leader of the Year“ wurde Franz-Josef Perauer, Eigentümer und Geschäftsführer des Alpine Hideaway Zillertalerhof in Mayrhofen.

Für die Interior- und Contract-Branche ist vor allem der vierte Gewinner interessant: Der Titel „Hotel Design of the Year“ ging an das Biohotel Bühelwirt im Südtiroler Ahrntal. Dort wurde das historische Stammhaus nicht auf Hotelstandard glattgezogen, sondern durch einen zeitgenössischen Anbau ergänzt. Klare, reduzierte Architektur trifft auf Materialien und Handwerk aus der Region.

Heimische Lärche, Lehmputz, Kupferleuchten und Lodenstoffe gehören zur Gestaltung. Maßgefertigte Details sollen die Verbindung zwischen Architektur, Landschaft und regionaler Herkunft herstellen. Der Neubau setzt sich bewusst vom Bestand ab, ohne daraus einen Kampf zwischen Alt und Neu zu machen.

Stadt als Kulisse: Der Pool des Wilmina liegt über den Dächern von Berlin-Charlottenburg. Das Hotel ging bei den Independent Hotel Show Munich Awards 2026 als „Hotel of the Year“ hervor. Foto: © Wilmina
Stadt als Kulisse: Der Pool des Wilmina liegt über den Dächern von Berlin-Charlottenburg. Das Hotel ging bei den Independent Hotel Show Munich Awards 2026 als „Hotel of the Year“ hervor. Foto: © Wilmina
Alt und Neu bleiben ablesbar: Im Atrium des Wilmina treffen freigelegtes Mauerwerk und erhaltene Metallgeländer auf eine Installation aus gläsernen Pendelleuchten.
Alt und Neu bleiben ablesbar: Im Atrium des Wilmina treffen freigelegtes Mauerwerk und erhaltene Metallgeländer auf eine Installation aus gläsernen Pendelleuchten.
Reduktion im Gästezimmer: Helle Naturtöne, Holz und zurückhaltende Leuchten bestimmen das Interior eines Penthouse-Zimmers im Wilmina.
Reduktion im Gästezimmer: Helle Naturtöne, Holz und zurückhaltende Leuchten bestimmen das Interior eines Penthouse-Zimmers im Wilmina.
Im Zeichen der Awards: Ausgezeichnete der Independent Hotel Show Munich Awards 2026 mit Messechef Moritz Schleich. Die Preise gingen an Wilmina, Hotel Schani City, Biohotel Bühelwirt und Franz-Josef Perauer.
Im Zeichen der Awards: Ausgezeichnete der Independent Hotel Show Munich Awards 2026 mit Messechef Moritz Schleich. Die Preise gingen an Wilmina, Hotel Schani City, Biohotel Bühelwirt und Franz-Josef Perauer.

Damit trifft der Bühelwirt ziemlich genau eine Debatte, die im Hospitality Design derzeit an Bedeutung gewinnt: Lokalität soll nicht erst mit dem Dekokissen beginnen. Materialien, Handwerk, Architektur und Nutzung müssen einen Ort tragen, wenn aus „regional inspiriert“ mehr werden soll als Marketing.

Eine ähnliche Position hatte JOI-Design-Mitgründerin Corinna Kretschmar-Joehnk zuletzt bei der Münchner SommerWerkschau vertreten. Kultur und Herkunft, so ihre Argumentation, müssten tiefer in Material, Form, Handwerk und Geschichte reichen. Ein Archivfoto an der Wand und regional benannte Cocktails machen noch kein lokal verankertes Hotel.

Auch das Hotel Schani City interpretiert Identität nicht allein über Möbel. Das Wiener Haus kombiniert natürliche Materialien und begrünte Bereiche mit einem ruhigen Innenhof und verbindet digitale Abläufe mit persönlichem Service. Mediterrane Rückzugsorte und orientalische Riads nennt der Veranstalter als gestalterische Bezugspunkte.

Beim Wilmina wiederum beginnt die Geschichte bereits mit dem Bestand. Das Hotel in Berlin-Charlottenburg befindet sich in einem historischen Gebäudeensemble, dessen Transformation alte Bausubstanz und neue Hotelnutzung zusammenführt. 

Bemerkenswert ist auch der Weg zu den vier Preisen. Eine achtköpfige Fachjury stellte zunächst die Shortlist zusammen. Über die Gewinner entschied anschließend die Öffentlichkeit in einem Online-Voting. Laut Messechef Moritz Schleich veränderte diese Abstimmung das zuvor entstandene Ranking noch einmal „spürbar“. Reichweite und die Fähigkeit, die eigene Community zu mobilisieren, gehören damit zumindest bei diesem Award ebenfalls zum Erfolgsrezept.

Für die Messe selbst dürfte die dritte Ausgabe vor allem Konsolidierung bedeuten. Die IHM will 2027 weiter wachsen, zugleich aber an ihrem Schwerpunkt auf Content und persönlichem Austausch festhalten. Zusätzlich ist eine neue IT-Customer-Journey für Hoteliers angekündigt. Die nächste Independent Hotel Show Munich findet am 15. und 16. September 2027 erneut im MOC München statt.

Die spannendere Entwicklung reicht ohnehin über München hinaus. Wenn unabhängige Hotels gegen internationale Ketten und standardisierte Markenerlebnisse antreten, kann gerade das Nicht-Standardisierte zum Geschäftsmodell werden. Der Bühelwirt liefert dafür zumindest ein anschauliches Beispiel: Der Ort wird nicht passend zum Hotel gemacht. Das Hotel versucht, zum Ort zu passen.

Unabhängig zieht

Independent Hotel Show Munich meldet mehr als 2.000 Besucher

29.09.2026 | 17:22
Altbau trifft auf zurückhaltendes Interior: Die Gartenlobby des Wilmina in Berlin-Charlottenburg öffnet sich direkt ins Grüne. Das Haus wurde bei den Independent Hotel Show Munich Awards 2026 als „Hotel of the Year“ ausgezeichnet. Foto: © Wilmina
Altbau trifft auf zurückhaltendes Interior: Die Gartenlobby des Wilmina in Berlin-Charlottenburg öffnet sich direkt ins Grüne. Das Haus wurde bei den Independent Hotel Show Munich Awards 2026 als „Hotel of the Year“ ausgezeichnet. Foto: © Wilmina

Mehr als 2.000 Fachbesucher, rund 170 Aussteller und über 45 Sessions: Die dritte Independent Hotel Show Munich hat am 16. und 17. September das MOC München bespielt. Interessanter als die üblichen Messeformeln von Austausch und Inspiration ist allerdings, worüber dort gesprochen wurde – und welche Häuser am Ende ausgezeichnet wurden.

Design, Nachhaltigkeit, KI, digitale Sichtbarkeit, Wellbeing, Longevity und neue Vorstellungen von Luxus zogen sich durch das Programm. Rund 60 Prozent der Aussteller waren nach Angaben des Veranstalters erstmals auf der IHM vertreten. Neben den klassischen Ausstellungsflächen gab es unter anderem eine Green Energy Zone, eine Start-up Zone, eine Art Gallery und erstmals einen Bereich für Tiny Space Houses.

Das passt zu einem Hospitality-Markt, in dem Einrichtung längst mehr leisten soll als einen wiedererkennbaren Look. Hotels werden Arbeitsplatz, Rückzugsraum, Restaurant, Wellness-Angebot und zunehmend auch Bühne für Kunst, Community und digitale Services. Gerade unabhängige Häuser müssen daraus eine erkennbare Identität bauen, ohne hinter der nächsten Designformel zu verschwinden.

Wie unterschiedlich das aussehen kann, zeigen die vier Gewinner der Independent Hotel Show Munich Awards. Das Berliner Wilmina wurde „Hotel of the Year“, das Hotel Schani City in Wien „New Hotel of the Year“. „Hotel Leader of the Year“ wurde Franz-Josef Perauer, Eigentümer und Geschäftsführer des Alpine Hideaway Zillertalerhof in Mayrhofen.

Für die Interior- und Contract-Branche ist vor allem der vierte Gewinner interessant: Der Titel „Hotel Design of the Year“ ging an das Biohotel Bühelwirt im Südtiroler Ahrntal. Dort wurde das historische Stammhaus nicht auf Hotelstandard glattgezogen, sondern durch einen zeitgenössischen Anbau ergänzt. Klare, reduzierte Architektur trifft auf Materialien und Handwerk aus der Region.

Heimische Lärche, Lehmputz, Kupferleuchten und Lodenstoffe gehören zur Gestaltung. Maßgefertigte Details sollen die Verbindung zwischen Architektur, Landschaft und regionaler Herkunft herstellen. Der Neubau setzt sich bewusst vom Bestand ab, ohne daraus einen Kampf zwischen Alt und Neu zu machen.

Damit trifft der Bühelwirt ziemlich genau eine Debatte, die im Hospitality Design derzeit an Bedeutung gewinnt: Lokalität soll nicht erst mit dem Dekokissen beginnen. Materialien, Handwerk, Architektur und Nutzung müssen einen Ort tragen, wenn aus „regional inspiriert“ mehr werden soll als Marketing.

Eine ähnliche Position hatte JOI-Design-Mitgründerin Corinna Kretschmar-Joehnk zuletzt bei der Münchner SommerWerkschau vertreten. Kultur und Herkunft, so ihre Argumentation, müssten tiefer in Material, Form, Handwerk und Geschichte reichen. Ein Archivfoto an der Wand und regional benannte Cocktails machen noch kein lokal verankertes Hotel.

Auch das Hotel Schani City interpretiert Identität nicht allein über Möbel. Das Wiener Haus kombiniert natürliche Materialien und begrünte Bereiche mit einem ruhigen Innenhof und verbindet digitale Abläufe mit persönlichem Service. Mediterrane Rückzugsorte und orientalische Riads nennt der Veranstalter als gestalterische Bezugspunkte.

Beim Wilmina wiederum beginnt die Geschichte bereits mit dem Bestand. Das Hotel in Berlin-Charlottenburg befindet sich in einem historischen Gebäudeensemble, dessen Transformation alte Bausubstanz und neue Hotelnutzung zusammenführt. 

Bemerkenswert ist auch der Weg zu den vier Preisen. Eine achtköpfige Fachjury stellte zunächst die Shortlist zusammen. Über die Gewinner entschied anschließend die Öffentlichkeit in einem Online-Voting. Laut Messechef Moritz Schleich veränderte diese Abstimmung das zuvor entstandene Ranking noch einmal „spürbar“. Reichweite und die Fähigkeit, die eigene Community zu mobilisieren, gehören damit zumindest bei diesem Award ebenfalls zum Erfolgsrezept.

Für die Messe selbst dürfte die dritte Ausgabe vor allem Konsolidierung bedeuten. Die IHM will 2027 weiter wachsen, zugleich aber an ihrem Schwerpunkt auf Content und persönlichem Austausch festhalten. Zusätzlich ist eine neue IT-Customer-Journey für Hoteliers angekündigt. Die nächste Independent Hotel Show Munich findet am 15. und 16. September 2027 erneut im MOC München statt.

Die spannendere Entwicklung reicht ohnehin über München hinaus. Wenn unabhängige Hotels gegen internationale Ketten und standardisierte Markenerlebnisse antreten, kann gerade das Nicht-Standardisierte zum Geschäftsmodell werden. Der Bühelwirt liefert dafür zumindest ein anschauliches Beispiel: Der Ort wird nicht passend zum Hotel gemacht. Das Hotel versucht, zum Ort zu passen.

Stadt als Kulisse: Der Pool des Wilmina liegt über den Dächern von Berlin-Charlottenburg. Das Hotel ging bei den Independent Hotel Show Munich Awards 2026 als „Hotel of the Year“ hervor. Foto: © Wilmina
Stadt als Kulisse: Der Pool des Wilmina liegt über den Dächern von Berlin-Charlottenburg. Das Hotel ging bei den Independent Hotel Show Munich Awards 2026 als „Hotel of the Year“ hervor. Foto: © Wilmina
Alt und Neu bleiben ablesbar: Im Atrium des Wilmina treffen freigelegtes Mauerwerk und erhaltene Metallgeländer auf eine Installation aus gläsernen Pendelleuchten.
Alt und Neu bleiben ablesbar: Im Atrium des Wilmina treffen freigelegtes Mauerwerk und erhaltene Metallgeländer auf eine Installation aus gläsernen Pendelleuchten.
Reduktion im Gästezimmer: Helle Naturtöne, Holz und zurückhaltende Leuchten bestimmen das Interior eines Penthouse-Zimmers im Wilmina.
Reduktion im Gästezimmer: Helle Naturtöne, Holz und zurückhaltende Leuchten bestimmen das Interior eines Penthouse-Zimmers im Wilmina.