Italienische Ikonen, amerikanischer Plan
Haworth macht Designmarken zum Office-Motor

Wer bei Haworths Markenliste eine gepflegte Flucht aus dem Büro vermutet, hat Franco Bianchi falsch verstanden. Der CEO sammelt Cassina, Cappellini, Poltrona Frau, JANUS et Cie und inzwischen Heller nicht, weil Drehstühle und Stellwände plötzlich langweilig wären. Die Designmarken sollen das Office-Geschäft stärker machen. Übersetzt heißt das: Die Sofas sollen helfen, mehr Schreibtische zu verkaufen.
Diese Logik erläutert Bianchi in einem Gespräch mit dem US-Branchenmedium Business of Home. Haworth kommt dabei nicht aus einer Position der Schwäche. Die Gruppe setzte 2025 weltweit 2,7 Milliarden US-Dollar um, acht Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie nie zuvor. Nach Unternehmensangaben entwickelte sich besonders das nordamerikanische Büromöbelgeschäft stark. Rund 8.000 Beschäftigte, 400 Händler und eine Präsenz in mehr als 150 Ländern machen Haworth zu einem Konzern, der Design nicht als hübsches Nebenprojekt betreiben muss.
Interessanter als der Rekordumsatz ist deshalb eine andere Einordnung. Seit der Übernahme der Poltrona Frau Group im Jahr 2014 sei Haworth Lifestyle nach Bianchis grober Rechnung ungefähr dreimal so groß geworden. Das Office-Geschäft habe sich im selben Zeitraum etwa verdoppelt. Belastbare Segmentzahlen nennt das Privatunternehmen nicht. Haworth gewährt Einblick, aber keine vollständige Durchsicht der Bücher.
Bianchi widerspricht damit der bequemen Erzählung, große Büromöbelhersteller hätten Lifestyle-Marken gekauft, weil sie dem Büro nicht mehr trauten. Herman Miller holte Design Within Reach, Knoll übernahm Holly Hunt, Haworth kaufte die Poltrona Frau Group. Von außen wirkte das zeitweise wie eine organisierte Fluchtbewegung aus dem Großraumbüro.
Bei Haworth soll das Gegenteil gelten. Die Gruppe habe zusätzliche Designer, neue Produkttypologien und mehr Wissen über Hospitality, informelle Bereiche und hochwertige Aufenthaltszonen gebraucht. Lifestyle war in dieser Lesart keine Rettungsinsel. Es war Nachhilfeunterricht für das Büro.
Das passt zur Entwicklung im Objektgeschäft. Arbeitsplatz, Hotellobby, Restaurant, Club und Wohnzimmer greifen längst auf ein ähnliches Möbelvokabular zurück. Loungesessel, Stehtische, Teppiche, Leuchten und Akustikelemente wandern zwischen den Raumtypen. Die Grenzen verschwinden nicht vollständig, aber sie werden kommerziell durchlässiger. Genau dort setzt Haworth an: Eine Marke öffnet die Tür, eine andere liefert den Rest des Projekts.
Auch schrumpfende Büroflächen betrachtet Bianchi nicht automatisch als schrumpfendes Geschäft. Weniger Fläche erhöhe vielmehr den Anspruch an Planung, Gestaltung und Nutzung. Wo jeder Quadratmeter begründet werden muss, werden schlechte Grundrisse schneller sichtbar. Das ist eine plausible These, allerdings keine Garantie dafür, dass höhere Qualität jeden Flächenverlust finanziell ausgleicht.
Haworth verkauft deshalb nicht nur Möbel, sondern versucht, Zugriff auf Planer, Projekte, Vertriebskanäle und Gestaltungswissen zu bündeln. Cassina und Poltrona Frau bringen andere Kontakte mit als ein klassischer Büromöbelvollsortimenter. JANUS et Cie öffnet Outdoor-Projekte, während Heller den amerikanischen Design- und Retail-Markt ergänzt. Aus einzelnen Marken soll eine Maschine werden, die Kunden möglichst lange innerhalb des Konzerns hält.
Bemerkenswert offen spricht Bianchi über die Rolle der Menschen bei Übernahmen. Eine starke Marke ohne ein funktionierendes Führungsteam ist für ihn offenbar nur begrenzt wertvoll. Haworth prüfe deshalb nicht nur Produkte, Zahlen und Vertriebsnetze, sondern auch, wer nach dem Eigentümerwechsel an Bord bleibt. Das klingt selbstverständlich. In vielen Übernahmen wird es trotzdem erst bedacht, wenn die entscheidenden Leute bereits gegangen sind.
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Wer bei Haworths Markenliste eine gepflegte Flucht aus dem Büro vermutet, hat Franco Bianchi falsch verstanden. Der CEO sammelt Cassina, Cappellini, Poltrona Frau, JANUS et Cie und inzwischen Heller nicht, weil Drehstühle und Stellwände plötzlich langweilig wären. Die Designmarken sollen das Office-Geschäft stärker machen. Übersetzt heißt das: Die Sofas sollen helfen, mehr Schreibtische zu verkaufen.
Diese Logik erläutert Bianchi in einem Gespräch mit dem US-Branchenmedium Business of Home. Haworth kommt dabei nicht aus einer Position der Schwäche. Die Gruppe setzte 2025 weltweit 2,7 Milliarden US-Dollar um, acht Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie nie zuvor. Nach Unternehmensangaben entwickelte sich besonders das nordamerikanische Büromöbelgeschäft stark. Rund 8.000 Beschäftigte, 400 Händler und eine Präsenz in mehr als 150 Ländern machen Haworth zu einem Konzern, der Design nicht als hübsches Nebenprojekt betreiben muss.
Interessanter als der Rekordumsatz ist deshalb eine andere Einordnung. Seit der Übernahme der Poltrona Frau Group im Jahr 2014 sei Haworth Lifestyle nach Bianchis grober Rechnung ungefähr dreimal so groß geworden. Das Office-Geschäft habe sich im selben Zeitraum etwa verdoppelt. Belastbare Segmentzahlen nennt das Privatunternehmen nicht. Haworth gewährt Einblick, aber keine vollständige Durchsicht der Bücher.
Bianchi widerspricht damit der bequemen Erzählung, große Büromöbelhersteller hätten Lifestyle-Marken gekauft, weil sie dem Büro nicht mehr trauten. Herman Miller holte Design Within Reach, Knoll übernahm Holly Hunt, Haworth kaufte die Poltrona Frau Group. Von außen wirkte das zeitweise wie eine organisierte Fluchtbewegung aus dem Großraumbüro.
Bei Haworth soll das Gegenteil gelten. Die Gruppe habe zusätzliche Designer, neue Produkttypologien und mehr Wissen über Hospitality, informelle Bereiche und hochwertige Aufenthaltszonen gebraucht. Lifestyle war in dieser Lesart keine Rettungsinsel. Es war Nachhilfeunterricht für das Büro.
Das passt zur Entwicklung im Objektgeschäft. Arbeitsplatz, Hotellobby, Restaurant, Club und Wohnzimmer greifen längst auf ein ähnliches Möbelvokabular zurück. Loungesessel, Stehtische, Teppiche, Leuchten und Akustikelemente wandern zwischen den Raumtypen. Die Grenzen verschwinden nicht vollständig, aber sie werden kommerziell durchlässiger. Genau dort setzt Haworth an: Eine Marke öffnet die Tür, eine andere liefert den Rest des Projekts.
Auch schrumpfende Büroflächen betrachtet Bianchi nicht automatisch als schrumpfendes Geschäft. Weniger Fläche erhöhe vielmehr den Anspruch an Planung, Gestaltung und Nutzung. Wo jeder Quadratmeter begründet werden muss, werden schlechte Grundrisse schneller sichtbar. Das ist eine plausible These, allerdings keine Garantie dafür, dass höhere Qualität jeden Flächenverlust finanziell ausgleicht.
Haworth verkauft deshalb nicht nur Möbel, sondern versucht, Zugriff auf Planer, Projekte, Vertriebskanäle und Gestaltungswissen zu bündeln. Cassina und Poltrona Frau bringen andere Kontakte mit als ein klassischer Büromöbelvollsortimenter. JANUS et Cie öffnet Outdoor-Projekte, während Heller den amerikanischen Design- und Retail-Markt ergänzt. Aus einzelnen Marken soll eine Maschine werden, die Kunden möglichst lange innerhalb des Konzerns hält.
Bemerkenswert offen spricht Bianchi über die Rolle der Menschen bei Übernahmen. Eine starke Marke ohne ein funktionierendes Führungsteam ist für ihn offenbar nur begrenzt wertvoll. Haworth prüfe deshalb nicht nur Produkte, Zahlen und Vertriebsnetze, sondern auch, wer nach dem Eigentümerwechsel an Bord bleibt. Das klingt selbstverständlich. In vielen Übernahmen wird es trotzdem erst bedacht, wenn die entscheidenden Leute bereits gegangen sind.

