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Licht in schwierigen Zeiten

Glamox baut Geschäft mit Militärprojekten aus

13.07.2026 | 17:31
Tommy Stranden von Glamox und Lyndsey Eriksson von Consolite vor dem britischen Unternehmensstandort. Mit der Übernahme stärkt Glamox sein Geschäft mit Spezialbeleuchtung für Marine- und Sicherheitsanwendungen. Foto: Glamox

Während die Interior-Branche über Kreislaufwirtschaft, Materialtransparenz und CO₂-Bilanzen diskutiert, wächst ausgerechnet ein Geschäftsfeld, das kaum jemand als erfreuliche Konjunkturgeschichte feiern dürfte: militärische Infrastruktur. Steigende Verteidigungsausgaben schaffen neue Aufträge – nicht nur für Rüstungskonzerne, sondern auch für Hersteller von Beleuchtung, Gebäudetechnik und technischer Ausstattung.

Glamox reagiert darauf mit dem nächsten Zukauf. Der norwegische Beleuchtungskonzern übernimmt den britischen Spezialisten Consolite Technology. Das Unternehmen aus Zeals entwickelt Beleuchtung und optische Kommunikationssysteme für Marineschiffe, U-Boote und militärische Einrichtungen.

Es ist bereits der zweite britische Defence-Zukauf von Glamox innerhalb von zwei Jahren. Im August 2024 hatte die Gruppe MARL International übernommen, einen Spezialisten für LED- und Elektroniksysteme in Marine- und Verteidigungsanwendungen. Consolite soll nun eng mit MARL innerhalb der Sparte Marine, Offshore & Wind zusammenarbeiten.

Aus der Leuchte wird Infrastruktur

Das Consolite-Portfolio zeigt, wie weit sich militärische Beleuchtung von der normalen Gebäudeausstattung entfernt hat. Dazu gehören nachtsichtkompatible Leuchten und Filter, Spezial-LEDs sowie militärische LiFi-Systeme, bei denen Licht zur drahtlosen Datenübertragung genutzt wird.

Beleuchtung dient hier nicht mehr nur dazu, einen Raum hell zu machen. Sie muss mit Nachtsichtgeräten harmonieren, Schock, Vibrationen und extreme klimatische Bedingungen aushalten und auch bei kritischen Einsätzen zuverlässig funktionieren. Damit wird die Leuchte zum Bestandteil der Sicherheits- und Kommunikationsinfrastruktur.

Consolite bringt außerdem Referenzen mit, die sich nicht kurzfristig einkaufen lassen. Das Unternehmen liefert nahezu das gesamte Beleuchtungssystem für die britischen Type-31-Fregatten und ist an weiteren Versorgungsprojekten der Royal Navy beteiligt. Solche Programme schaffen technische Nachweise, Kundenkontakte und Eintrittskarten für spätere internationale Ausschreibungen.

Europa öffnet die Kassen

Der Zeitpunkt der Übernahme ist kaum zufällig. Die Verteidigungsausgaben der EU-Mitgliedstaaten werden für 2025 auf 381 Milliarden Euro in konstanten Preisen geschätzt. Das wären knapp 63 Prozent mehr als 2020. Rund 130 Milliarden Euro sollen allein in Investitionen fließen.

Davon profitieren längst nicht nur Hersteller von Schiffen, Fahrzeugen oder Waffensystemen. Marinebasen, Kasernen, Kommandozentralen und andere sicherheitskritische Anlagen benötigen Stromversorgung, Lüftung, Beleuchtung, Akustik, Möblierung, modulare Räume und digitale Gebäudetechnik. Der Contract-Markt bekommt damit einen Auftraggeber hinzu, dessen Budgets wachsen und dessen Projekte über viele Jahre laufen können.

Für Anbieter ist dieses Geschäft attraktiv, aber keineswegs bequem. Militärische Projekte haben hohe technische Eintrittsbarrieren, lange Zertifizierungsprozesse und strenge Anforderungen an Lieferfähigkeit, Sicherheit und Dokumentation. Wer dort etabliert ist, lässt sich nicht ohne Weiteres ersetzen.

Genau darin liegt der strategische Wert von Consolite. Glamox kauft nicht bloß zusätzliche Leuchten, sondern Fachwissen, Zulassungen, Entwicklungsleistung und Beziehungen zu britischen Marineprogrammen. Mit MARL und Consolite entsteht innerhalb der Gruppe ein spezialisierter britischer Technologiecluster.

Für die Interior- und Contract-Branche ist das ein Signal. Öffentliche Infrastruktur wird in den kommenden Jahren nicht nur aus Schulen, Kliniken, Verwaltungsgebäuden und Verkehrsbauten bestehen. Sicherheits- und Verteidigungsprojekte werden einen größeren Teil des institutionellen Bauens ausmachen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Nachhaltigkeit plötzlich bedeutungslos wird. Energieverbrauch, Wartungsaufwand, Materialnachweise und Lebensdauer bleiben auch bei militärischer Infrastruktur relevant. Nur wird die Nachhaltigkeitsdebatte künftig häufiger neben Kriterien wie Resilienz, Versorgungssicherheit und Einsatzfähigkeit stehen.

Die wirtschaftliche Logik ist klar. Langlaufende Programme, öffentliche Budgets und hohe Wechselbarrieren versprechen planbarere Erlöse als manches schwankende Geschäft mit Büros, Hotels oder privaten Bauherren.

Die gesellschaftliche Logik bleibt unangenehmer. Dass dieser Markt wächst, ist keine gute Nachricht über Europas Sicherheitslage, sondern eine Reaktion auf deren Verschlechterung. Glamox hat diese Lage nicht geschaffen – das Unternehmen richtet seine Strategie aber frühzeitig darauf aus.

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Licht in schwierigen Zeiten

Glamox baut Geschäft mit Militärprojekten aus

13.07.2026 | 17:31
Tommy Stranden von Glamox und Lyndsey Eriksson von Consolite vor dem britischen Unternehmensstandort. Mit der Übernahme stärkt Glamox sein Geschäft mit Spezialbeleuchtung für Marine- und Sicherheitsanwendungen. Foto: Glamox

Während die Interior-Branche über Kreislaufwirtschaft, Materialtransparenz und CO₂-Bilanzen diskutiert, wächst ausgerechnet ein Geschäftsfeld, das kaum jemand als erfreuliche Konjunkturgeschichte feiern dürfte: militärische Infrastruktur. Steigende Verteidigungsausgaben schaffen neue Aufträge – nicht nur für Rüstungskonzerne, sondern auch für Hersteller von Beleuchtung, Gebäudetechnik und technischer Ausstattung.

Glamox reagiert darauf mit dem nächsten Zukauf. Der norwegische Beleuchtungskonzern übernimmt den britischen Spezialisten Consolite Technology. Das Unternehmen aus Zeals entwickelt Beleuchtung und optische Kommunikationssysteme für Marineschiffe, U-Boote und militärische Einrichtungen.

Es ist bereits der zweite britische Defence-Zukauf von Glamox innerhalb von zwei Jahren. Im August 2024 hatte die Gruppe MARL International übernommen, einen Spezialisten für LED- und Elektroniksysteme in Marine- und Verteidigungsanwendungen. Consolite soll nun eng mit MARL innerhalb der Sparte Marine, Offshore & Wind zusammenarbeiten.

Aus der Leuchte wird Infrastruktur

Das Consolite-Portfolio zeigt, wie weit sich militärische Beleuchtung von der normalen Gebäudeausstattung entfernt hat. Dazu gehören nachtsichtkompatible Leuchten und Filter, Spezial-LEDs sowie militärische LiFi-Systeme, bei denen Licht zur drahtlosen Datenübertragung genutzt wird.

Beleuchtung dient hier nicht mehr nur dazu, einen Raum hell zu machen. Sie muss mit Nachtsichtgeräten harmonieren, Schock, Vibrationen und extreme klimatische Bedingungen aushalten und auch bei kritischen Einsätzen zuverlässig funktionieren. Damit wird die Leuchte zum Bestandteil der Sicherheits- und Kommunikationsinfrastruktur.

Consolite bringt außerdem Referenzen mit, die sich nicht kurzfristig einkaufen lassen. Das Unternehmen liefert nahezu das gesamte Beleuchtungssystem für die britischen Type-31-Fregatten und ist an weiteren Versorgungsprojekten der Royal Navy beteiligt. Solche Programme schaffen technische Nachweise, Kundenkontakte und Eintrittskarten für spätere internationale Ausschreibungen.

Europa öffnet die Kassen

Der Zeitpunkt der Übernahme ist kaum zufällig. Die Verteidigungsausgaben der EU-Mitgliedstaaten werden für 2025 auf 381 Milliarden Euro in konstanten Preisen geschätzt. Das wären knapp 63 Prozent mehr als 2020. Rund 130 Milliarden Euro sollen allein in Investitionen fließen.

Davon profitieren längst nicht nur Hersteller von Schiffen, Fahrzeugen oder Waffensystemen. Marinebasen, Kasernen, Kommandozentralen und andere sicherheitskritische Anlagen benötigen Stromversorgung, Lüftung, Beleuchtung, Akustik, Möblierung, modulare Räume und digitale Gebäudetechnik. Der Contract-Markt bekommt damit einen Auftraggeber hinzu, dessen Budgets wachsen und dessen Projekte über viele Jahre laufen können.

Für Anbieter ist dieses Geschäft attraktiv, aber keineswegs bequem. Militärische Projekte haben hohe technische Eintrittsbarrieren, lange Zertifizierungsprozesse und strenge Anforderungen an Lieferfähigkeit, Sicherheit und Dokumentation. Wer dort etabliert ist, lässt sich nicht ohne Weiteres ersetzen.

Genau darin liegt der strategische Wert von Consolite. Glamox kauft nicht bloß zusätzliche Leuchten, sondern Fachwissen, Zulassungen, Entwicklungsleistung und Beziehungen zu britischen Marineprogrammen. Mit MARL und Consolite entsteht innerhalb der Gruppe ein spezialisierter britischer Technologiecluster.

Für die Interior- und Contract-Branche ist das ein Signal. Öffentliche Infrastruktur wird in den kommenden Jahren nicht nur aus Schulen, Kliniken, Verwaltungsgebäuden und Verkehrsbauten bestehen. Sicherheits- und Verteidigungsprojekte werden einen größeren Teil des institutionellen Bauens ausmachen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Nachhaltigkeit plötzlich bedeutungslos wird. Energieverbrauch, Wartungsaufwand, Materialnachweise und Lebensdauer bleiben auch bei militärischer Infrastruktur relevant. Nur wird die Nachhaltigkeitsdebatte künftig häufiger neben Kriterien wie Resilienz, Versorgungssicherheit und Einsatzfähigkeit stehen.

Die wirtschaftliche Logik ist klar. Langlaufende Programme, öffentliche Budgets und hohe Wechselbarrieren versprechen planbarere Erlöse als manches schwankende Geschäft mit Büros, Hotels oder privaten Bauherren.

Die gesellschaftliche Logik bleibt unangenehmer. Dass dieser Markt wächst, ist keine gute Nachricht über Europas Sicherheitslage, sondern eine Reaktion auf deren Verschlechterung. Glamox hat diese Lage nicht geschaffen – das Unternehmen richtet seine Strategie aber frühzeitig darauf aus.

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