Glanz will Gewicht bekommen
Altagamma fordert Anerkennung als Wachstumsmotor

Italiens Luxusindustrie hat genug vom Etikett der schönen Oberfläche. Sie will nicht nur für Stil, Handwerk und große Namen stehen, sondern als wirtschaftliche Kraft wahrgenommen werden – als industrieller Motor hinter „Made in Italy“.
Dieses Signal sendet Altagamma mit Giovanna Vitelli an der Spitze. Die Präsidentin der Azimut|Benetti Group hat das Amt in diesem Monat übernommen und führt die Fondazione Altagamma im Mandat 2026 bis 2029. Die Stiftung vertritt italienische High-End-Unternehmen aus Bereichen wie Design, Mode, Hospitality, Food, Schmuck, Automobil, Wellness und Yachting.
Der eigentliche Nachrichtenwert liegt damit weniger in der Personalie allein. Interessanter ist der wirtschaftspolitische Ton, den Altagamma mit Vitellis Amtsantritt anschlägt. Der High-End-Sektor, so die neue Präsidentin, verdiene es, als „Lokomotive“ Italiens anerkannt zu werden. Das ist ein großer Satz. Und natürlich ist es auch ein Lobby-Satz.
Altagamma stützt diesen Anspruch auf erste Ergebnisse einer gemeinsam mit SDA Bocconi erarbeiteten Studie. Demnach sollen Unternehmen des gehobenen Segments im Vergleich zum Durchschnitt italienischer Firmen dreimal stärker zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts beitragen, fünfmal mehr Menschen beschäftigen und im Durchschnitt 300-mal höhere Steuerzahlungen leisten. Die Zahlen sind bemerkenswert, sollten aber sauber gelesen werden: Es handelt sich um vorläufige Ergebnisse aus einer Studie, die von der Interessenvertretung selbst in die Debatte eingebracht wird.
Trotzdem zeigt die Argumentation, wohin Altagamma will. Luxus soll nicht länger als schöner Überschuss gelten, sondern als industrielles System: Marken, Zulieferer, Handwerk, Ausbildung, Export, Tourismus, Hospitality und kulturelle Identität sollen als zusammenhängende Wertschöpfungskette verstanden werden.
Dass ausgerechnet Vitelli diese Erzählung verkörpert, ist kein Zufall. Die von ihrer Familie kontrollierte Azimut|Benetti Group gehört zu den Schwergewichten des internationalen Yachtbaus. Für die Saison 2024/25 stellte die Gruppe Erlöse von 1,5 Milliarden Euro in Aussicht; der Auftragsbestand reichte mit 2,5 Milliarden Euro bis 2029. Im Global Order Book 2026 wurde Azimut|Benetti erneut als führender Hersteller von Yachten über 24 Metern geführt.
Damit rückt ein Segment an die Spitze von Altagamma, in dem Luxus längst nicht mehr nur Produkt ist. Eine große Yacht ist Architektur, Interior, Engineering, Hospitality und Erlebnisraum zugleich. Genau deshalb passt Vitellis Präsidentschaft in eine Zeit, in der die Grenzen zwischen Wohnen, Reisen, Arbeiten, Markenwelt und Residential Projects immer stärker verschwimmen.
Vitelli hatte diesen Punkt bereits beim Salone Contract Forum in Mailand angedeutet. Dort beschrieb sie Yachting sinngemäß als Contract in Reinform: komplex, projektgetrieben, handwerklich anspruchsvoll und organisatorisch nur mit hoch spezialisierten Partnern zu bewältigen. Italien habe in diesem Feld enormes Potenzial, aber zu wenige Akteure, die handwerkliche Exzellenz auch in unternehmerische Skalierbarkeit übersetzen könnten.
Genau hier liegt die offene Flanke der Altagamma-Erzählung. „Made in Italy“ klingt schnell nach Erbe, Stil und Gefühl. Die nächsten Jahre werden aber weniger romantisch. Es geht um Fachkräfte, Nachfolge, Lieferketten, Digitalisierung, regulatorische Anforderungen, Nachhaltigkeit und internationale Präsenz. Wer Lokomotive sein will, muss mehr ziehen als das eigene Image.
Vitellis Amtszeit beginnt damit nicht nur mit einem Wechsel an der Verbandsspitze. Altagamma nutzt den Moment, um den italienischen Luxus als wirtschaftliche und kulturelle Schlüsselindustrie zu positionieren. Das ist geschickt. Ob es mehr ist als gut polierte Selbstvergewisserung, entscheidet sich daran, ob aus dem Anspruch konkrete Industriepolitik wird.
Glanz will Gewicht bekommen
Altagamma fordert Anerkennung als Wachstumsmotor

Italiens Luxusindustrie hat genug vom Etikett der schönen Oberfläche. Sie will nicht nur für Stil, Handwerk und große Namen stehen, sondern als wirtschaftliche Kraft wahrgenommen werden – als industrieller Motor hinter „Made in Italy“.
Dieses Signal sendet Altagamma mit Giovanna Vitelli an der Spitze. Die Präsidentin der Azimut|Benetti Group hat das Amt in diesem Monat übernommen und führt die Fondazione Altagamma im Mandat 2026 bis 2029. Die Stiftung vertritt italienische High-End-Unternehmen aus Bereichen wie Design, Mode, Hospitality, Food, Schmuck, Automobil, Wellness und Yachting.
Der eigentliche Nachrichtenwert liegt damit weniger in der Personalie allein. Interessanter ist der wirtschaftspolitische Ton, den Altagamma mit Vitellis Amtsantritt anschlägt. Der High-End-Sektor, so die neue Präsidentin, verdiene es, als „Lokomotive“ Italiens anerkannt zu werden. Das ist ein großer Satz. Und natürlich ist es auch ein Lobby-Satz.
Altagamma stützt diesen Anspruch auf erste Ergebnisse einer gemeinsam mit SDA Bocconi erarbeiteten Studie. Demnach sollen Unternehmen des gehobenen Segments im Vergleich zum Durchschnitt italienischer Firmen dreimal stärker zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts beitragen, fünfmal mehr Menschen beschäftigen und im Durchschnitt 300-mal höhere Steuerzahlungen leisten. Die Zahlen sind bemerkenswert, sollten aber sauber gelesen werden: Es handelt sich um vorläufige Ergebnisse aus einer Studie, die von der Interessenvertretung selbst in die Debatte eingebracht wird.
Trotzdem zeigt die Argumentation, wohin Altagamma will. Luxus soll nicht länger als schöner Überschuss gelten, sondern als industrielles System: Marken, Zulieferer, Handwerk, Ausbildung, Export, Tourismus, Hospitality und kulturelle Identität sollen als zusammenhängende Wertschöpfungskette verstanden werden.
Dass ausgerechnet Vitelli diese Erzählung verkörpert, ist kein Zufall. Die von ihrer Familie kontrollierte Azimut|Benetti Group gehört zu den Schwergewichten des internationalen Yachtbaus. Für die Saison 2024/25 stellte die Gruppe Erlöse von 1,5 Milliarden Euro in Aussicht; der Auftragsbestand reichte mit 2,5 Milliarden Euro bis 2029. Im Global Order Book 2026 wurde Azimut|Benetti erneut als führender Hersteller von Yachten über 24 Metern geführt.
Damit rückt ein Segment an die Spitze von Altagamma, in dem Luxus längst nicht mehr nur Produkt ist. Eine große Yacht ist Architektur, Interior, Engineering, Hospitality und Erlebnisraum zugleich. Genau deshalb passt Vitellis Präsidentschaft in eine Zeit, in der die Grenzen zwischen Wohnen, Reisen, Arbeiten, Markenwelt und Residential Projects immer stärker verschwimmen.
Vitelli hatte diesen Punkt bereits beim Salone Contract Forum in Mailand angedeutet. Dort beschrieb sie Yachting sinngemäß als Contract in Reinform: komplex, projektgetrieben, handwerklich anspruchsvoll und organisatorisch nur mit hoch spezialisierten Partnern zu bewältigen. Italien habe in diesem Feld enormes Potenzial, aber zu wenige Akteure, die handwerkliche Exzellenz auch in unternehmerische Skalierbarkeit übersetzen könnten.
Genau hier liegt die offene Flanke der Altagamma-Erzählung. „Made in Italy“ klingt schnell nach Erbe, Stil und Gefühl. Die nächsten Jahre werden aber weniger romantisch. Es geht um Fachkräfte, Nachfolge, Lieferketten, Digitalisierung, regulatorische Anforderungen, Nachhaltigkeit und internationale Präsenz. Wer Lokomotive sein will, muss mehr ziehen als das eigene Image.
Vitellis Amtszeit beginnt damit nicht nur mit einem Wechsel an der Verbandsspitze. Altagamma nutzt den Moment, um den italienischen Luxus als wirtschaftliche und kulturelle Schlüsselindustrie zu positionieren. Das ist geschickt. Ob es mehr ist als gut polierte Selbstvergewisserung, entscheidet sich daran, ob aus dem Anspruch konkrete Industriepolitik wird.
