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Viele Daten, eine Baustelle

Planer müssen Gebäudetechnik früher vernetzen

18.09.2026 | 17:20
Gebäudetechnik wird zum Datensystem: Auf der ISH 2027 sollen Lösungen für Automation, Energie, Wärme, Kälte, Lüftung und Wasser gewerkeübergreifend zusammenkommen.

Ein Tisch bleibt ein Tisch. Bei Leuchten, Trennwänden, Verschattung oder akustisch wirksamen Raumsystemen wird die Sache längst komplizierter. Sensoren erfassen Anwesenheit, Licht reagiert auf Nutzung und Tageszeit, Verschattung kommuniziert mit Klima- und Energiemanagement, Räume liefern Daten über ihre tatsächliche Belegung. Interior und Gebäudetechnik wachsen technisch zusammen.

Für die Contract-Branche ist das mehr als ein weiterer Digitalisierungstrend. Denn damit verändert sich, was bei der Planung eines Innenraums überhaupt als „Produkt“ betrachtet werden kann. Eine Leuchte ist im vernetzten Gebäude nicht mehr nur Lichtquelle und Gestaltungselement. Sie kann Sensor, Datenlieferant und Bestandteil der Gebäudeautomation sein. Ähnliches gilt für Verschattung, Akustiklösungen oder flexible Raumstrukturen.

Die klassische Trennung zwischen Innenausbau und technischer Gebäudeausrüstung wird damit poröser. Und genau an dieser Grenze entscheidet sich zunehmend, wie intelligent ein Gebäude später tatsächlich betrieben werden kann.

Wenn Interior Daten liefert

Für Hersteller im Contract-Geschäft entsteht daraus eine ziemlich konkrete Frage: Was kann das Produkt außer seiner eigentlichen Funktion – und mit wem kann es darüber sprechen?

Das klingt zunächst nach Gebäudetechnik. Es betrifft aber unmittelbar Produktentwicklung, Ausschreibung und Spezifikation. Welche Daten liefert eine Lösung? Sind sie zugänglich? Welche Schnittstellen stehen zur Verfügung? Ist die Kommunikation proprietär oder lässt sich das Produkt in übergeordnete Systeme integrieren? Was passiert, wenn Gebäudeautomation oder Software später ausgetauscht werden?

Damit verschiebt sich auch ein Stück Wertschöpfung. Hersteller verkaufen im Objektgeschäft künftig nicht zwangsläufig nur ein physisches Produkt, sondern möglicherweise einen Knotenpunkt innerhalb einer größeren technischen Infrastruktur.

Gerade der professionelle Lichtmarkt zeigt bereits, wohin die Reise gehen kann. Sensorik, Controls, Raumbelegung und Gebäudemanagement rücken näher zusammen. Licht sitzt dafür an einem ziemlich attraktiven Ort: praktisch überall im Gebäude, häufig mit Stromversorgung und in unmittelbarer Nähe zum Nutzer.

40.000 Datenpunkte – aber wer versteht sie?

Erst von hier aus wird die Botschaft interessant, mit der die ISH 2027 derzeit für das Thema Systemintegration trommelt. Dr. Peter Hug, Geschäftsführer des Fachverbandes Gebäudeautomation im VDMA, spricht bei großen Gebäuden von 40.000 und mehr Datenpunkten. Informationen kommen aus Heizung, Klima, Lüftung, Aufzügen, Jalousien, Licht und weiteren Systemen.

Die beeindruckende Zahl ist allerdings noch kein Qualitätsmerkmal. 40.000 Datenpunkte machen noch kein smartes Gebäude. Entscheidend ist, ob diese Informationen verfügbar, sinnvoll strukturiert und systemübergreifend nutzbar sind.

Genau daran hängt später beispielsweise ein Energiemanagement, das nicht nur Verbrauchswerte anzeigt, sondern tatsächlich auf Nutzung reagieren kann. Ein Raum, der leer steht, muss schließlich nicht genauso beleuchtet, belüftet oder temperiert werden wie ein voll besetzter Raum.

Und plötzlich wird aus einem vermeintlichen TGA-Thema eine Frage der Raumplanung.

Das Problem sitzt zwischen den Gewerken

Die eigentliche Schwachstelle eines Smart Buildings liegt deshalb häufig nicht im einzelnen Produkt. Sie liegt dazwischen. Ein technisch hervorragendes System kann für das Gesamtgebäude erstaunlich nutzlos werden, wenn seine Daten in einer proprietären Insel stecken.

Das macht Schnittstellen zu einem Qualitätskriterium, das bei Ausschreibungen und Produktauswahl stärker ins Gewicht fallen dürfte. Neben Leistung, Gestaltung, Material, Effizienz und Preis tritt eine weitere Frage: Wie anschlussfähig ist das Produkt?

Dabei geht es nicht nur um Kommunikationsprotokolle. Das Smart-Building-Reallabor der Hochschule Mainz beschäftigt sich beispielsweise mit strukturierten, interoperablen und herstellerneutralen Gebäudedaten. Statt für jede Anwendung eine neue Verbindung zwischen zwei Systemen zu bauen, sollen Informationen über gemeinsame Datenmodelle nutzbar werden.

Für Hersteller ist das eine durchaus unbequeme Entwicklung. Denn ein wirklich offenes Smart Building lebt gerade davon, dass der Betreiber später nicht zwingend im Ökosystem eines einzelnen Anbieters gefangen bleibt.

BIM hört nicht mit der Übergabe auf

Auch BIM bekommt vor diesem Hintergrund eine andere Bedeutung. In der Planungsphase hilft das digitale Modell zunächst, Räume, Bauteile und technische Anlagen zu koordinieren. Werden diese Informationen später mit Betriebsdaten verbunden, kann daraus die Basis eines digitalen Zwillings entstehen.

Damit wandert ein Teil der Produktinformation über die Übergabe hinaus in den Gebäudebetrieb. Für Hersteller wird deshalb relevant, welche digitalen Informationen sie zu ihren Produkten überhaupt bereitstellen – und ob diese nach dem Einbau noch brauchbar sind.

Dasselbe gilt für die nächste große Verheißung: Predictive Maintenance. Algorithmen können Abweichungen im Anlagenbetrieb erkennen und möglicherweise auf Probleme hinweisen, bevor eine Komponente ausfällt. Nur funktioniert das nicht mit Daten, die fehlen, inkompatibel sind oder in getrennten Systemen verschwinden.

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Viele Daten, eine Baustelle

Planer müssen Gebäudetechnik früher vernetzen

18.09.2026 | 17:20
Gebäudetechnik wird zum Datensystem: Auf der ISH 2027 sollen Lösungen für Automation, Energie, Wärme, Kälte, Lüftung und Wasser gewerkeübergreifend zusammenkommen.

Ein Tisch bleibt ein Tisch. Bei Leuchten, Trennwänden, Verschattung oder akustisch wirksamen Raumsystemen wird die Sache längst komplizierter. Sensoren erfassen Anwesenheit, Licht reagiert auf Nutzung und Tageszeit, Verschattung kommuniziert mit Klima- und Energiemanagement, Räume liefern Daten über ihre tatsächliche Belegung. Interior und Gebäudetechnik wachsen technisch zusammen.

Für die Contract-Branche ist das mehr als ein weiterer Digitalisierungstrend. Denn damit verändert sich, was bei der Planung eines Innenraums überhaupt als „Produkt“ betrachtet werden kann. Eine Leuchte ist im vernetzten Gebäude nicht mehr nur Lichtquelle und Gestaltungselement. Sie kann Sensor, Datenlieferant und Bestandteil der Gebäudeautomation sein. Ähnliches gilt für Verschattung, Akustiklösungen oder flexible Raumstrukturen.

Die klassische Trennung zwischen Innenausbau und technischer Gebäudeausrüstung wird damit poröser. Und genau an dieser Grenze entscheidet sich zunehmend, wie intelligent ein Gebäude später tatsächlich betrieben werden kann.

Wenn Interior Daten liefert

Für Hersteller im Contract-Geschäft entsteht daraus eine ziemlich konkrete Frage: Was kann das Produkt außer seiner eigentlichen Funktion – und mit wem kann es darüber sprechen?

Das klingt zunächst nach Gebäudetechnik. Es betrifft aber unmittelbar Produktentwicklung, Ausschreibung und Spezifikation. Welche Daten liefert eine Lösung? Sind sie zugänglich? Welche Schnittstellen stehen zur Verfügung? Ist die Kommunikation proprietär oder lässt sich das Produkt in übergeordnete Systeme integrieren? Was passiert, wenn Gebäudeautomation oder Software später ausgetauscht werden?

Damit verschiebt sich auch ein Stück Wertschöpfung. Hersteller verkaufen im Objektgeschäft künftig nicht zwangsläufig nur ein physisches Produkt, sondern möglicherweise einen Knotenpunkt innerhalb einer größeren technischen Infrastruktur.

Gerade der professionelle Lichtmarkt zeigt bereits, wohin die Reise gehen kann. Sensorik, Controls, Raumbelegung und Gebäudemanagement rücken näher zusammen. Licht sitzt dafür an einem ziemlich attraktiven Ort: praktisch überall im Gebäude, häufig mit Stromversorgung und in unmittelbarer Nähe zum Nutzer.

40.000 Datenpunkte – aber wer versteht sie?

Erst von hier aus wird die Botschaft interessant, mit der die ISH 2027 derzeit für das Thema Systemintegration trommelt. Dr. Peter Hug, Geschäftsführer des Fachverbandes Gebäudeautomation im VDMA, spricht bei großen Gebäuden von 40.000 und mehr Datenpunkten. Informationen kommen aus Heizung, Klima, Lüftung, Aufzügen, Jalousien, Licht und weiteren Systemen.

Die beeindruckende Zahl ist allerdings noch kein Qualitätsmerkmal. 40.000 Datenpunkte machen noch kein smartes Gebäude. Entscheidend ist, ob diese Informationen verfügbar, sinnvoll strukturiert und systemübergreifend nutzbar sind.

Genau daran hängt später beispielsweise ein Energiemanagement, das nicht nur Verbrauchswerte anzeigt, sondern tatsächlich auf Nutzung reagieren kann. Ein Raum, der leer steht, muss schließlich nicht genauso beleuchtet, belüftet oder temperiert werden wie ein voll besetzter Raum.

Und plötzlich wird aus einem vermeintlichen TGA-Thema eine Frage der Raumplanung.

Das Problem sitzt zwischen den Gewerken

Die eigentliche Schwachstelle eines Smart Buildings liegt deshalb häufig nicht im einzelnen Produkt. Sie liegt dazwischen. Ein technisch hervorragendes System kann für das Gesamtgebäude erstaunlich nutzlos werden, wenn seine Daten in einer proprietären Insel stecken.

Das macht Schnittstellen zu einem Qualitätskriterium, das bei Ausschreibungen und Produktauswahl stärker ins Gewicht fallen dürfte. Neben Leistung, Gestaltung, Material, Effizienz und Preis tritt eine weitere Frage: Wie anschlussfähig ist das Produkt?

Dabei geht es nicht nur um Kommunikationsprotokolle. Das Smart-Building-Reallabor der Hochschule Mainz beschäftigt sich beispielsweise mit strukturierten, interoperablen und herstellerneutralen Gebäudedaten. Statt für jede Anwendung eine neue Verbindung zwischen zwei Systemen zu bauen, sollen Informationen über gemeinsame Datenmodelle nutzbar werden.

Für Hersteller ist das eine durchaus unbequeme Entwicklung. Denn ein wirklich offenes Smart Building lebt gerade davon, dass der Betreiber später nicht zwingend im Ökosystem eines einzelnen Anbieters gefangen bleibt.

BIM hört nicht mit der Übergabe auf

Auch BIM bekommt vor diesem Hintergrund eine andere Bedeutung. In der Planungsphase hilft das digitale Modell zunächst, Räume, Bauteile und technische Anlagen zu koordinieren. Werden diese Informationen später mit Betriebsdaten verbunden, kann daraus die Basis eines digitalen Zwillings entstehen.

Damit wandert ein Teil der Produktinformation über die Übergabe hinaus in den Gebäudebetrieb. Für Hersteller wird deshalb relevant, welche digitalen Informationen sie zu ihren Produkten überhaupt bereitstellen – und ob diese nach dem Einbau noch brauchbar sind.

Dasselbe gilt für die nächste große Verheißung: Predictive Maintenance. Algorithmen können Abweichungen im Anlagenbetrieb erkennen und möglicherweise auf Probleme hinweisen, bevor eine Komponente ausfällt. Nur funktioniert das nicht mit Daten, die fehlen, inkompatibel sind oder in getrennten Systemen verschwinden.

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