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Müll wird Macht

Egger kauft Lenocart und sichert Recyclingholz

08.09.2026 | 17:51
Egger übernimmt den Mailänder Recyclingbetrieb Lenocart vollständig. Der langjährige Geschäftspartner wird Teil des internationalen Timberpak-Netzwerks. Foto: EGGER Holzwerkstoffe

Egger kauft sich in Norditalien nicht einfach einen weiteren Recycler. Der Holzwerkstoffkonzern übernimmt 100 Prozent der Anteile an Lenocart S.r.l. im Großraum Mailand und zieht damit einen Teil seiner Rohstoffbeschaffung näher an die eigene Organisation. Die Transaktion wurde bereits am 28. Juli 2026 vollzogen; einen Kaufpreis nennt Egger nicht.

Lenocart ist für Egger kein Unbekannter. Das seit den 1950er-Jahren bestehende Familienunternehmen arbeitet nach Angaben des Konzerns seit vielen Jahren mit dem Holzwerkstoffhersteller zusammen. Aus dem Lieferanten wird nun ein eigener Recyclingstandort innerhalb des internationalen Timberpak-Netzwerks. Zum Paket gehört auch die Transportflotte von Lenocart – und genau darin steckt ein wesentlicher Teil der industriellen Logik des Deals.

Denn Recyclingholz muss nicht nur verfügbar sein. Es muss eingesammelt, sortiert, vorzerkleinert und wirtschaftlich zum Werk transportiert werden. Mit einem eigenen Standort in der Metropolregion Mailand kann Egger diese Kette stärker selbst steuern. Der Konzern bekommt damit nicht bloß Material, sondern auch Sammelstrukturen, Marktkenntnis und Logistik in einer dicht besiedelten Wirtschaftsregion.

Aktuell sammelt Lenocart nach Unternehmensangaben rund 10.000 Tonnen Recyclingholz pro Jahr. Diese Menge soll künftig zur Versorgung des Egger-Werks in Caorso beitragen. Dort produziert der Konzern Spanplatten laut eigener Aussage auf Basis von 100 Prozent Recyclingholz. Damit bekommt die zuverlässige Beschaffung von Altholz einen sehr direkten wirtschaftlichen Wert.

Ein Quantensprung bei den Mengen ist Lenocart zunächst allerdings nicht. Für einen Konzern mit 22 Produktionsstandorten und einer Jahresproduktion von 10,9 Millionen Kubikmetern Holzwerkstoffen und Schnittholz sind 10.000 Tonnen überschaubar. Interessanter ist deshalb die Frage, wie stark Egger den Mailänder Sammelstandort künftig ausbauen kann. Genau dazu macht das Unternehmen bislang keine konkreten Angaben.

Personell setzt Egger zunächst auf Kontinuität. Dario Lenoci, dessen Familie das Unternehmen gegründet hat, bleibt für die operative Leitung verantwortlich. Auch die Beschäftigten sollen übernommen werden. Das reduziert Integrationsrisiken und erhält jene regionalen Beziehungen, wegen derer der Standort für Egger überhaupt interessant ist.

Strategisch passt der Kauf in eine Entwicklung, die in der Holzwerkstoffindustrie längst über schöne Kreislaufgrafiken hinausgeht. Wer einen hohen Anteil an Recyclingmaterial einsetzen will, braucht Zugriff auf ausreichend saubere und wirtschaftlich verfügbare Sekundärrohstoffe. Eigene Sammelstellen können dabei ähnlich wichtig werden wie Produktionskapazitäten. Egger macht sich in Mailand deshalb ein Stück unabhängiger vom reinen Zukauf.

Das Unternehmen verweist konzernweit darauf, dass im Geschäftsjahr 2025/2026 bereits 66 Prozent des eingesetzten Holzes aus Recyclingmaterial und Nebenprodukten der Sägeindustrie bestanden. Die Lenocart-Übernahme zahlt auf diese Strategie ein, beweist deren Erfolg aber noch nicht. Entscheidend wird sein, ob das bestehende Sammelvolumen wächst und ob sich die integrierte Logistik wirtschaftlich auszahlt. Erst dann wird aus dem strategisch plausiblen Einkauf ein wirklich relevanter Baustein der Rohstoffversorgung. Lenocart bringt dafür immerhin Erfahrung aus mehr als sieben Jahrzehnten und eine gewachsene Position im Mailänder Entsorgungsmarkt mit. Der Rest muss sich nun in Tonnen, Kosten und Versorgungssicherheit zeigen.

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Müll wird Macht

Egger kauft Lenocart und sichert Recyclingholz

08.09.2026 | 17:51
Egger übernimmt den Mailänder Recyclingbetrieb Lenocart vollständig. Der langjährige Geschäftspartner wird Teil des internationalen Timberpak-Netzwerks. Foto: EGGER Holzwerkstoffe

Egger kauft sich in Norditalien nicht einfach einen weiteren Recycler. Der Holzwerkstoffkonzern übernimmt 100 Prozent der Anteile an Lenocart S.r.l. im Großraum Mailand und zieht damit einen Teil seiner Rohstoffbeschaffung näher an die eigene Organisation. Die Transaktion wurde bereits am 28. Juli 2026 vollzogen; einen Kaufpreis nennt Egger nicht.

Lenocart ist für Egger kein Unbekannter. Das seit den 1950er-Jahren bestehende Familienunternehmen arbeitet nach Angaben des Konzerns seit vielen Jahren mit dem Holzwerkstoffhersteller zusammen. Aus dem Lieferanten wird nun ein eigener Recyclingstandort innerhalb des internationalen Timberpak-Netzwerks. Zum Paket gehört auch die Transportflotte von Lenocart – und genau darin steckt ein wesentlicher Teil der industriellen Logik des Deals.

Denn Recyclingholz muss nicht nur verfügbar sein. Es muss eingesammelt, sortiert, vorzerkleinert und wirtschaftlich zum Werk transportiert werden. Mit einem eigenen Standort in der Metropolregion Mailand kann Egger diese Kette stärker selbst steuern. Der Konzern bekommt damit nicht bloß Material, sondern auch Sammelstrukturen, Marktkenntnis und Logistik in einer dicht besiedelten Wirtschaftsregion.

Aktuell sammelt Lenocart nach Unternehmensangaben rund 10.000 Tonnen Recyclingholz pro Jahr. Diese Menge soll künftig zur Versorgung des Egger-Werks in Caorso beitragen. Dort produziert der Konzern Spanplatten laut eigener Aussage auf Basis von 100 Prozent Recyclingholz. Damit bekommt die zuverlässige Beschaffung von Altholz einen sehr direkten wirtschaftlichen Wert.

Ein Quantensprung bei den Mengen ist Lenocart zunächst allerdings nicht. Für einen Konzern mit 22 Produktionsstandorten und einer Jahresproduktion von 10,9 Millionen Kubikmetern Holzwerkstoffen und Schnittholz sind 10.000 Tonnen überschaubar. Interessanter ist deshalb die Frage, wie stark Egger den Mailänder Sammelstandort künftig ausbauen kann. Genau dazu macht das Unternehmen bislang keine konkreten Angaben.

Personell setzt Egger zunächst auf Kontinuität. Dario Lenoci, dessen Familie das Unternehmen gegründet hat, bleibt für die operative Leitung verantwortlich. Auch die Beschäftigten sollen übernommen werden. Das reduziert Integrationsrisiken und erhält jene regionalen Beziehungen, wegen derer der Standort für Egger überhaupt interessant ist.

Strategisch passt der Kauf in eine Entwicklung, die in der Holzwerkstoffindustrie längst über schöne Kreislaufgrafiken hinausgeht. Wer einen hohen Anteil an Recyclingmaterial einsetzen will, braucht Zugriff auf ausreichend saubere und wirtschaftlich verfügbare Sekundärrohstoffe. Eigene Sammelstellen können dabei ähnlich wichtig werden wie Produktionskapazitäten. Egger macht sich in Mailand deshalb ein Stück unabhängiger vom reinen Zukauf.

Das Unternehmen verweist konzernweit darauf, dass im Geschäftsjahr 2025/2026 bereits 66 Prozent des eingesetzten Holzes aus Recyclingmaterial und Nebenprodukten der Sägeindustrie bestanden. Die Lenocart-Übernahme zahlt auf diese Strategie ein, beweist deren Erfolg aber noch nicht. Entscheidend wird sein, ob das bestehende Sammelvolumen wächst und ob sich die integrierte Logistik wirtschaftlich auszahlt. Erst dann wird aus dem strategisch plausiblen Einkauf ein wirklich relevanter Baustein der Rohstoffversorgung. Lenocart bringt dafür immerhin Erfahrung aus mehr als sieben Jahrzehnten und eine gewachsene Position im Mailänder Entsorgungsmarkt mit. Der Rest muss sich nun in Tonnen, Kosten und Versorgungssicherheit zeigen.

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