Fermentiert statt gefördert
Andreu World gewinnt Planet Positive Award für BIO

Ein Kunststoff aus Bakterien ist bei den diesjährigen Metropolis Planet Positive Awards zum Innovationsgewinner geworden. Das US-Architekturmagazin zeichnete den spanischen Objektmöbelhersteller Andreu World für sein BIO-Thermopolymer aus. Dessen Grundstoff entsteht durch Fermentation, zum Einsatz kommt es unter anderem in Entwürfen von Patricia Urquiola. Unter den Gewinnern der Innovationskategorien ist Andreu World der einzige Möbelhersteller.
Die Innovationspreise gingen in diesem Jahr unter anderem an ein umgenutztes Lagerhaus, ein dekarbonisiertes Verwaltungsgebäude, einen Gemeindecampus – und eben an einen Kunststoff für Sitzmöbel. Andreu World gewann in der Kategorie „Innovation in Material Use in Products“. Vergeben wurden die insgesamt 56 Auszeichnungen am 30. September in San Francisco. Zur Innovationsjury gehörte unter anderem Felix Heisel, Leiter des Circular Construction Lab an der Cornell University. Bewertet haben also Fachleute für nachhaltiges Bauen und Kreislaufwirtschaft, nicht für Sitzkomfort.
Andreu World, 1955 in Alaquàs bei Valencia gegründet, beschreibt BIO gern als einen Kunststoff, der kein Kunststoff ist. Gemeint ist seine Herkunft. Der Ausgangsstoff stammt nicht aus Erdöl, sondern wird von gentechnisch veränderten Bakterien durch Fermentation erzeugt. Dazu kommen natürliche Füllstoffe und pflanzliche Additive. Ein Teil der Belegschaft ist damit, streng genommen, mikroskopisch klein. TÜV Austria zertifizierte das Material nach dem bisherigen System von „OK biobased“ mit vier Sternen. Dafür musste der Anteil biobasierten Kohlenstoffs mindestens 80 Prozent betragen. Das Siegel bestätigt allerdings die Herkunft des Rohstoffs, nicht seine Kompostierbarkeit; die Klassifizierung hat TÜV Austria 2026 überarbeitet.
Bleibt ein reizvoller Zielkonflikt. Ein Objektstuhl soll vor allem eines: lange halten. Andreu World verspricht beides zugleich. BIO soll mechanische Eigenschaften wie ein konventionelles Thermopolymer bieten, ähnlich dauerhaft sein wie Holz und UV-Strahlung, Regen und Hitze standhalten. Zugleich bezeichnet der Hersteller das Material als biologisch abbaubar und kompostierbar, ohne dass dabei Mikroplastik zurückbleiben soll. Auf seine Möbel gibt Andreu World zehn Jahre Garantie. Entscheidend ist damit nicht allein die Haltbarkeit im Objekt, sondern auch, unter welchen Bedingungen das Material am Ende tatsächlich abgebaut werden kann. Bis dahin dürfte im besten Fall einige Zeit vergehen.
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Fermentiert statt gefördert
Andreu World gewinnt Planet Positive Award für BIO

Ein Kunststoff aus Bakterien ist bei den diesjährigen Metropolis Planet Positive Awards zum Innovationsgewinner geworden. Das US-Architekturmagazin zeichnete den spanischen Objektmöbelhersteller Andreu World für sein BIO-Thermopolymer aus. Dessen Grundstoff entsteht durch Fermentation, zum Einsatz kommt es unter anderem in Entwürfen von Patricia Urquiola. Unter den Gewinnern der Innovationskategorien ist Andreu World der einzige Möbelhersteller.
Die Innovationspreise gingen in diesem Jahr unter anderem an ein umgenutztes Lagerhaus, ein dekarbonisiertes Verwaltungsgebäude, einen Gemeindecampus – und eben an einen Kunststoff für Sitzmöbel. Andreu World gewann in der Kategorie „Innovation in Material Use in Products“. Vergeben wurden die insgesamt 56 Auszeichnungen am 30. September in San Francisco. Zur Innovationsjury gehörte unter anderem Felix Heisel, Leiter des Circular Construction Lab an der Cornell University. Bewertet haben also Fachleute für nachhaltiges Bauen und Kreislaufwirtschaft, nicht für Sitzkomfort.
Andreu World, 1955 in Alaquàs bei Valencia gegründet, beschreibt BIO gern als einen Kunststoff, der kein Kunststoff ist. Gemeint ist seine Herkunft. Der Ausgangsstoff stammt nicht aus Erdöl, sondern wird von gentechnisch veränderten Bakterien durch Fermentation erzeugt. Dazu kommen natürliche Füllstoffe und pflanzliche Additive. Ein Teil der Belegschaft ist damit, streng genommen, mikroskopisch klein. TÜV Austria zertifizierte das Material nach dem bisherigen System von „OK biobased“ mit vier Sternen. Dafür musste der Anteil biobasierten Kohlenstoffs mindestens 80 Prozent betragen. Das Siegel bestätigt allerdings die Herkunft des Rohstoffs, nicht seine Kompostierbarkeit; die Klassifizierung hat TÜV Austria 2026 überarbeitet.
Bleibt ein reizvoller Zielkonflikt. Ein Objektstuhl soll vor allem eines: lange halten. Andreu World verspricht beides zugleich. BIO soll mechanische Eigenschaften wie ein konventionelles Thermopolymer bieten, ähnlich dauerhaft sein wie Holz und UV-Strahlung, Regen und Hitze standhalten. Zugleich bezeichnet der Hersteller das Material als biologisch abbaubar und kompostierbar, ohne dass dabei Mikroplastik zurückbleiben soll. Auf seine Möbel gibt Andreu World zehn Jahre Garantie. Entscheidend ist damit nicht allein die Haltbarkeit im Objekt, sondern auch, unter welchen Bedingungen das Material am Ende tatsächlich abgebaut werden kann. Bis dahin dürfte im besten Fall einige Zeit vergehen.