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Fermentiert statt gefördert

Andreu World gewinnt Planet Positive Award für BIO

21.10.2026 | 17:47
Patricia Urquiola entwarf die Bolete Lounge BIO für Andreu World. Der geriffelte Sockel besteht aus dem ausgezeichneten BIO-Thermopolymer. Foto: Andreu World.

Ein Kunststoff aus Bakterien ist bei den diesjährigen Metropolis Planet Positive Awards zum Innovationsgewinner geworden. Das US-Architekturmagazin zeichnete den spanischen Objektmöbelhersteller Andreu World für sein BIO-Thermopolymer aus. Dessen Grundstoff entsteht durch Fermentation, zum Einsatz kommt es unter anderem in Entwürfen von Patricia Urquiola. Unter den Gewinnern der Innovationskategorien ist Andreu World der einzige Möbelhersteller.

Die Innovationspreise gingen in diesem Jahr unter anderem an ein umgenutztes Lagerhaus, ein dekarbonisiertes Verwaltungsgebäude, einen Gemeindecampus – und eben an einen Kunststoff für Sitzmöbel. Andreu World gewann in der Kategorie „Innovation in Material Use in Products“. Vergeben wurden die insgesamt 56 Auszeichnungen am 30. September in San Francisco. Zur Innovationsjury gehörte unter anderem Felix Heisel, Leiter des Circular Construction Lab an der Cornell University. Bewertet haben also Fachleute für nachhaltiges Bauen und Kreislaufwirtschaft, nicht für Sitzkomfort.

Andreu World, 1955 in Alaquàs bei Valencia gegründet, beschreibt BIO gern als einen Kunststoff, der kein Kunststoff ist. Gemeint ist seine Herkunft. Der Ausgangsstoff stammt nicht aus Erdöl, sondern wird von gentechnisch veränderten Bakterien durch Fermentation erzeugt. Dazu kommen natürliche Füllstoffe und pflanzliche Additive. Ein Teil der Belegschaft ist damit, streng genommen, mikroskopisch klein. TÜV Austria zertifizierte das Material nach dem bisherigen System von „OK biobased“ mit vier Sternen. Dafür musste der Anteil biobasierten Kohlenstoffs mindestens 80 Prozent betragen. Das Siegel bestätigt allerdings die Herkunft des Rohstoffs, nicht seine Kompostierbarkeit; die Klassifizierung hat TÜV Austria 2026 überarbeitet.

Bleibt ein reizvoller Zielkonflikt. Ein Objektstuhl soll vor allem eines: lange halten. Andreu World verspricht beides zugleich. BIO soll mechanische Eigenschaften wie ein konventionelles Thermopolymer bieten, ähnlich dauerhaft sein wie Holz und UV-Strahlung, Regen und Hitze standhalten. Zugleich bezeichnet der Hersteller das Material als biologisch abbaubar und kompostierbar, ohne dass dabei Mikroplastik zurückbleiben soll. Auf seine Möbel gibt Andreu World zehn Jahre Garantie. Entscheidend ist damit nicht allein die Haltbarkeit im Objekt, sondern auch, unter welchen Bedingungen das Material am Ende tatsächlich abgebaut werden kann. Bis dahin dürfte im besten Fall einige Zeit vergehen.

Seinen ersten Auftritt hatte BIO im Nuez Lounge BIO, einem Entwurf von Patricia Urquiola. Die dreidimensional geformte Schale umfasst Sitz und Rücken. Für Polsterung und Bezug kommen weitere Materialien aus dem Andreu-World-Programm hinzu, darunter Circular ONE aus recyceltem PET und Textilabfällen. Der Sessel kommt ohne Klebstoff aus; seine Komponenten lassen sich für Reparaturen oder einen neuen Bezug trennen. Den CO₂-Fußabdruck beziffert Andreu World auf 36,96 Kilogramm CO₂-Äquivalent, berechnet bis zum Werkstor. Neben der Materialherkunft zählt im Objektgeschäft schließlich auch, wie lange sich ein Möbel tatsächlich nutzen und instand halten lässt.

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Andreu World gewinnt Planet Positive Award für BIO

21.10.2026 | 17:47
Patricia Urquiola entwarf die Bolete Lounge BIO für Andreu World. Der geriffelte Sockel besteht aus dem ausgezeichneten BIO-Thermopolymer. Foto: Andreu World.

Ein Kunststoff aus Bakterien ist bei den diesjährigen Metropolis Planet Positive Awards zum Innovationsgewinner geworden. Das US-Architekturmagazin zeichnete den spanischen Objektmöbelhersteller Andreu World für sein BIO-Thermopolymer aus. Dessen Grundstoff entsteht durch Fermentation, zum Einsatz kommt es unter anderem in Entwürfen von Patricia Urquiola. Unter den Gewinnern der Innovationskategorien ist Andreu World der einzige Möbelhersteller.

Die Innovationspreise gingen in diesem Jahr unter anderem an ein umgenutztes Lagerhaus, ein dekarbonisiertes Verwaltungsgebäude, einen Gemeindecampus – und eben an einen Kunststoff für Sitzmöbel. Andreu World gewann in der Kategorie „Innovation in Material Use in Products“. Vergeben wurden die insgesamt 56 Auszeichnungen am 30. September in San Francisco. Zur Innovationsjury gehörte unter anderem Felix Heisel, Leiter des Circular Construction Lab an der Cornell University. Bewertet haben also Fachleute für nachhaltiges Bauen und Kreislaufwirtschaft, nicht für Sitzkomfort.

Andreu World, 1955 in Alaquàs bei Valencia gegründet, beschreibt BIO gern als einen Kunststoff, der kein Kunststoff ist. Gemeint ist seine Herkunft. Der Ausgangsstoff stammt nicht aus Erdöl, sondern wird von gentechnisch veränderten Bakterien durch Fermentation erzeugt. Dazu kommen natürliche Füllstoffe und pflanzliche Additive. Ein Teil der Belegschaft ist damit, streng genommen, mikroskopisch klein. TÜV Austria zertifizierte das Material nach dem bisherigen System von „OK biobased“ mit vier Sternen. Dafür musste der Anteil biobasierten Kohlenstoffs mindestens 80 Prozent betragen. Das Siegel bestätigt allerdings die Herkunft des Rohstoffs, nicht seine Kompostierbarkeit; die Klassifizierung hat TÜV Austria 2026 überarbeitet.

Bleibt ein reizvoller Zielkonflikt. Ein Objektstuhl soll vor allem eines: lange halten. Andreu World verspricht beides zugleich. BIO soll mechanische Eigenschaften wie ein konventionelles Thermopolymer bieten, ähnlich dauerhaft sein wie Holz und UV-Strahlung, Regen und Hitze standhalten. Zugleich bezeichnet der Hersteller das Material als biologisch abbaubar und kompostierbar, ohne dass dabei Mikroplastik zurückbleiben soll. Auf seine Möbel gibt Andreu World zehn Jahre Garantie. Entscheidend ist damit nicht allein die Haltbarkeit im Objekt, sondern auch, unter welchen Bedingungen das Material am Ende tatsächlich abgebaut werden kann. Bis dahin dürfte im besten Fall einige Zeit vergehen.

Seinen ersten Auftritt hatte BIO im Nuez Lounge BIO, einem Entwurf von Patricia Urquiola. Die dreidimensional geformte Schale umfasst Sitz und Rücken. Für Polsterung und Bezug kommen weitere Materialien aus dem Andreu-World-Programm hinzu, darunter Circular ONE aus recyceltem PET und Textilabfällen. Der Sessel kommt ohne Klebstoff aus; seine Komponenten lassen sich für Reparaturen oder einen neuen Bezug trennen. Den CO₂-Fußabdruck beziffert Andreu World auf 36,96 Kilogramm CO₂-Äquivalent, berechnet bis zum Werkstor. Neben der Materialherkunft zählt im Objektgeschäft schließlich auch, wie lange sich ein Möbel tatsächlich nutzen und instand halten lässt.

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