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Wenn das Erbe zur Strategie wird

Ahrend bringt Gispens Designikonen zurück ins Objekt

01.06.2026 | 20:07
Klassiker zum Reinspringen: ein Freischwinger aus der neuen Linie „Gispen Classics". Foto: Gispen

Der niederländische Objektmöbler legt seine Stahlrohrklassiker neu auf – ein Schachzug, der mehr über die Strategie der Muttergesellschaft verrät als über Designgeschichte.

Ende Mai hat Gispen in der Rotterdamer Van Nelle Fabriek seine neue Linie „Gispen Classics" gezeigt. Dass die Kollektion ausgerechnet von Rolf Verspuij, CEO der Konzernmutter Koninklijke Ahrend, enthüllt wurde – flankiert von Gispen-Commercial-Director Maurits van Berckel –, ist das eigentliche Signal: Der Relaunch ist Sache der Gruppe, kein bloßes Produktupdate aus der Designabteilung.

Die Logik dahinter ist eine wirtschaftliche. In einem Objektmarkt, in dem Volumen und Margen unter Druck stehen, greift Ahrend nach einem Asset, das die Konkurrenz nicht kopieren kann: das Markenerbe von Willem Hendrik Gispen, einem Pionier des niederländischen Funktionalismus. Die handgebogenen Stahlrohrentwürfe aus den späten 1920er- und 1930er-Jahren – die Firma selbst datiert auf 1916 – bekommen heutige Farben, Stoffe und Anwendungen und zielen auf Arbeitsplatz, Wartebereich, Bildung und Hospitality. Heritage als Differenzierung, die sich nicht über den Preis ausspielen lässt.

Den zweiten Hebel liefert die Regulatorik. Mit Blick auf den Digitalen Produktpass und die ESPR baut Gispen die Nachhaltigkeitsargumente direkt ins Produkt: Das Stahlrohr-Frame ist auf jahrelangen Intensivgebrauch ausgelegt und recycelbar, die Stoffe nach zirkulären Kriterien gewählt, die Bezüge austauschbar. Statt Neukauf also Re-Upholstery — ein Lebenszyklus-Argument, das im Objektgeschäft zunehmend ausschreibungsrelevant wird.

Flankierend hat Gispen mit dem Designstudio Raw Color und der Weberei Enschede Textielstad den Limited-Edition-Stoff „Repeat" entwickelt, eine Neuinterpretation eines historischen Gispen-Textils. Bleibt die Frage, ob sich aus Designikonen ein tragfähiges Geschäftsmodell bauen lässt — oder ob der Markt das Erbe vor allem schön findet. Die Antwort steht in den nächsten Ahrend-Zahlen.

Wenn das Erbe zur Strategie wird

Ahrend bringt Gispens Designikonen zurück ins Objekt

01.06.2026 | 20:07
Klassiker zum Reinspringen: ein Freischwinger aus der neuen Linie „Gispen Classics". Foto: Gispen

Der niederländische Objektmöbler legt seine Stahlrohrklassiker neu auf – ein Schachzug, der mehr über die Strategie der Muttergesellschaft verrät als über Designgeschichte.

Ende Mai hat Gispen in der Rotterdamer Van Nelle Fabriek seine neue Linie „Gispen Classics" gezeigt. Dass die Kollektion ausgerechnet von Rolf Verspuij, CEO der Konzernmutter Koninklijke Ahrend, enthüllt wurde – flankiert von Gispen-Commercial-Director Maurits van Berckel –, ist das eigentliche Signal: Der Relaunch ist Sache der Gruppe, kein bloßes Produktupdate aus der Designabteilung.

Die Logik dahinter ist eine wirtschaftliche. In einem Objektmarkt, in dem Volumen und Margen unter Druck stehen, greift Ahrend nach einem Asset, das die Konkurrenz nicht kopieren kann: das Markenerbe von Willem Hendrik Gispen, einem Pionier des niederländischen Funktionalismus. Die handgebogenen Stahlrohrentwürfe aus den späten 1920er- und 1930er-Jahren – die Firma selbst datiert auf 1916 – bekommen heutige Farben, Stoffe und Anwendungen und zielen auf Arbeitsplatz, Wartebereich, Bildung und Hospitality. Heritage als Differenzierung, die sich nicht über den Preis ausspielen lässt.

Den zweiten Hebel liefert die Regulatorik. Mit Blick auf den Digitalen Produktpass und die ESPR baut Gispen die Nachhaltigkeitsargumente direkt ins Produkt: Das Stahlrohr-Frame ist auf jahrelangen Intensivgebrauch ausgelegt und recycelbar, die Stoffe nach zirkulären Kriterien gewählt, die Bezüge austauschbar. Statt Neukauf also Re-Upholstery — ein Lebenszyklus-Argument, das im Objektgeschäft zunehmend ausschreibungsrelevant wird.

Flankierend hat Gispen mit dem Designstudio Raw Color und der Weberei Enschede Textielstad den Limited-Edition-Stoff „Repeat" entwickelt, eine Neuinterpretation eines historischen Gispen-Textils. Bleibt die Frage, ob sich aus Designikonen ein tragfähiges Geschäftsmodell bauen lässt — oder ob der Markt das Erbe vor allem schön findet. Die Antwort steht in den nächsten Ahrend-Zahlen.