Der Hof gewinnt
DesignWerkschau meldet 560 Gäste im Fruchthof
Es war warm. Sehr warm. Und im Innenhof des Alten Fruchthofs wurde es mit jeder halben Stunde voller.
Nach Angaben der DesignWerkschau kamen am 16. Juli rund 560 Gäste aus Architektur, Innenarchitektur, Design und Handel nach München. So viele waren es bei keiner Werkschau zuvor. Die Zahl stammt vom Veranstalter, doch am grundsätzlichen Befund gab es an diesem Abend wenig zu rütteln: Der Hof war voll.
Der Andrang passte zum Konzept. Die von der Glas Trösch Group initiierte DesignWerkschau versteht sich nicht als Ausstellung, die nach drei Tagen wieder abgebaut wird. Sie ist dauerhafter Showroom, Bemusterungsort und Branchentreff zugleich. Zwischen Ausstellungsflächen, Sonnenschirmen, Bierbänken und später Live-Musik ging diese Rechnung erstaunlich gut auf.
Auch das Partnernetzwerk wird größer. Neu hinzugekommen sind Sais Compensati, Casala Furniture, Ondarreta, RS Barcelona, Glimakra of Sweden, Trece, Tarkett, TOTO Europe Deutschland und Lightware. Das ist zunächst eine ordentliche Namensliste. Interessanter wird sie dort, wo daraus tatsächlich neue Anknüpfungspunkte für Planer und Projekte entstehen.
Besonders sichtbar war RS Barcelona. Für die spanische Marke war die SommerWerkschau zugleich der Start ihrer festen Präsenz in München. Ihre Spieltische und Möbel bewegen sich zwischen Designobjekt, sozialem Treffpunkt und ziemlich erwachsenem Spieltrieb. Zwischen technischen Materialien und klassischen Einrichtungslösungen war das ein sinnvoller Störer.
Für den inhaltlichen Auftakt sorgte Stefan Suchanek. Der Wirtschafts- und Architekturpsychologe demonstrierte mit zwei vermeintlich unterschiedlich großen Schokoladenplättchen, wie zuverlässig sich Wahrnehmung täuschen lässt. Beide waren gleich groß. Das Publikum griff trotzdem zum scheinbar größeren Stück. Der Verstand kam zu spät.
Suchaneks Kritik an vielen heutigen Gebäuden fiel entsprechend deutlich aus. Sie funktionieren, sind effizient, technisch sauber und im besten Fall nachhaltig. Nur emotional bleiben sie häufig erstaunlich folgenlos. Moderne Flughäfen dienten ihm als Beispiel: korrekt organisiert, hell ausgeleuchtet und kaum noch einem konkreten Ort zuzuordnen.
Genau dort setzt die Neuroästhetik an. Räume beeinflussen Stimmung, Verhalten, Orientierung, Sicherheitsempfinden und Erinnerung. Das ist kein Freifahrtschein für gefühlige Gestaltungserzählungen. Ohne nachvollziehbare Entscheidungen wird auch Neuroästhetik schnell zum nächsten Branchenbegriff mit hübscher Verpackung. Der praktische Kern bleibt dennoch relevant: Licht, Farben, natürliche Strukturen, Proportionen und Rückzugsmöglichkeiten sind nicht Dekoration nach Abschluss der Planung, sondern Teil ihrer Funktion.
Corinna Kretschmar-Joehnk knüpfte daran an. Die Mitgründerin von JOI-Design hatte einen Vortrag über Green Hospitality Design angekündigt und machte daraus auf der Bühne empathisches Design. Das war breiter gedacht und vermutlich treffender. Nachhaltigkeit müsse ohnehin die Grundlage sein; zukunftsfähige Räume hätten zusätzlich Gesundheit, Natur, Kultur, Gemeinschaft und Authentizität zu berücksichtigen.
Gerade Authentizität gewinnt für Kretschmar-Joehnk als Gegenpol zu künstlich erzeugten Bildern und Konzepten an Bedeutung. Persönliche Begegnungen wie an diesem Abend seien deshalb nicht bloß nettes Rahmenprogramm. Sie seien Teil dessen, was Orte glaubwürdig und erinnerbar mache.
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Der Hof gewinnt
DesignWerkschau meldet 560 Gäste im Fruchthof

Es war warm. Sehr warm. Und im Innenhof des Alten Fruchthofs wurde es mit jeder halben Stunde voller.
Nach Angaben der DesignWerkschau kamen am 16. Juli rund 560 Gäste aus Architektur, Innenarchitektur, Design und Handel nach München. So viele waren es bei keiner Werkschau zuvor. Die Zahl stammt vom Veranstalter, doch am grundsätzlichen Befund gab es an diesem Abend wenig zu rütteln: Der Hof war voll.
Der Andrang passte zum Konzept. Die von der Glas Trösch Group initiierte DesignWerkschau versteht sich nicht als Ausstellung, die nach drei Tagen wieder abgebaut wird. Sie ist dauerhafter Showroom, Bemusterungsort und Branchentreff zugleich. Zwischen Ausstellungsflächen, Sonnenschirmen, Bierbänken und später Live-Musik ging diese Rechnung erstaunlich gut auf.
Auch das Partnernetzwerk wird größer. Neu hinzugekommen sind Sais Compensati, Casala Furniture, Ondarreta, RS Barcelona, Glimakra of Sweden, Trece, Tarkett, TOTO Europe Deutschland und Lightware. Das ist zunächst eine ordentliche Namensliste. Interessanter wird sie dort, wo daraus tatsächlich neue Anknüpfungspunkte für Planer und Projekte entstehen.
Besonders sichtbar war RS Barcelona. Für die spanische Marke war die SommerWerkschau zugleich der Start ihrer festen Präsenz in München. Ihre Spieltische und Möbel bewegen sich zwischen Designobjekt, sozialem Treffpunkt und ziemlich erwachsenem Spieltrieb. Zwischen technischen Materialien und klassischen Einrichtungslösungen war das ein sinnvoller Störer.
Für den inhaltlichen Auftakt sorgte Stefan Suchanek. Der Wirtschafts- und Architekturpsychologe demonstrierte mit zwei vermeintlich unterschiedlich großen Schokoladenplättchen, wie zuverlässig sich Wahrnehmung täuschen lässt. Beide waren gleich groß. Das Publikum griff trotzdem zum scheinbar größeren Stück. Der Verstand kam zu spät.
Suchaneks Kritik an vielen heutigen Gebäuden fiel entsprechend deutlich aus. Sie funktionieren, sind effizient, technisch sauber und im besten Fall nachhaltig. Nur emotional bleiben sie häufig erstaunlich folgenlos. Moderne Flughäfen dienten ihm als Beispiel: korrekt organisiert, hell ausgeleuchtet und kaum noch einem konkreten Ort zuzuordnen.
Genau dort setzt die Neuroästhetik an. Räume beeinflussen Stimmung, Verhalten, Orientierung, Sicherheitsempfinden und Erinnerung. Das ist kein Freifahrtschein für gefühlige Gestaltungserzählungen. Ohne nachvollziehbare Entscheidungen wird auch Neuroästhetik schnell zum nächsten Branchenbegriff mit hübscher Verpackung. Der praktische Kern bleibt dennoch relevant: Licht, Farben, natürliche Strukturen, Proportionen und Rückzugsmöglichkeiten sind nicht Dekoration nach Abschluss der Planung, sondern Teil ihrer Funktion.
Corinna Kretschmar-Joehnk knüpfte daran an. Die Mitgründerin von JOI-Design hatte einen Vortrag über Green Hospitality Design angekündigt und machte daraus auf der Bühne empathisches Design. Das war breiter gedacht und vermutlich treffender. Nachhaltigkeit müsse ohnehin die Grundlage sein; zukunftsfähige Räume hätten zusätzlich Gesundheit, Natur, Kultur, Gemeinschaft und Authentizität zu berücksichtigen.
Gerade Authentizität gewinnt für Kretschmar-Joehnk als Gegenpol zu künstlich erzeugten Bildern und Konzepten an Bedeutung. Persönliche Begegnungen wie an diesem Abend seien deshalb nicht bloß nettes Rahmenprogramm. Sie seien Teil dessen, was Orte glaubwürdig und erinnerbar mache.
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