Kim Colin und Sam Hecht in ihrem Londoner Studio Industrial Facility.
Bei MillerKnoll geht es gerade Schlag auf Schlag. Erst der ungewöhnlich schnelle Rückzug von Andi Owen, jetzt das deutlich freundlichere Signal aus dem Maschinenraum der wichtigsten Konzernmarke: Herman Miller hat Kim Colin und Sam Hecht zu Global Creative Directors berufen.
Die beiden sind keine neuen Gesichter, und genau das ist der Punkt. Colin und Hecht führen das Londoner Studio Industrial Facility und arbeiten seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Herman Miller zusammen. Seit 2008 begleiten sie die Marke bereits als Creative Advisors. Jetzt wird aus der langjährigen Partnerschaft eine offizielle Führungsrolle.
Sie sollen künftig Produkte, Kommunikation und Markenerlebnisse weltweit prägen. Das klingt nach der üblichen großen Bühne einer Designmeldung. In der aktuellen Lage ist es aber mehr als das. Während MillerKnoll an der Konzernspitze auf Übergang stellt und Jeff Stutz nach dem Abgang von Andi Owen zunächst als Interimschef übernimmt, setzt Herman Miller im Kreativbereich auf Kontinuität, Verlässlichkeit und Markenpflege.
Also genau auf jene Qualitäten, die in einem unruhigen Umfeld nicht schaden.
Colin und Hecht stehen für einen eher stillen, langlebigen Designansatz. Zum gemeinsamen Herman-Miller-Portfolio gehören unter anderem Lino Task Seating, Formwork Storage, Plex Lounge, die Wireframe Sofa Group, Ode Lamps, das Civic Table Program, Locale und die OE1 Workspace Collection. Das berührt gleich mehrere Felder, in denen Herman Miller traditionell stark sein muss: Workplace, Sitzmöbel, Stauraum, Lounge, Leuchten und modulare Systeme.
Ben Watson, Chief Creative Officer von MillerKnoll, nennt die beiden „transformational in their thinking“ und verweist auf Lösungen, die kulturell relevant, kommerziell tragfähig und langlebig sein sollen. Das ist natürlich PR-Sprache. Aber immerhin eine, die bei Herman Miller historisch anschlussfähig ist.
Die Marke erinnert in der Mitteilung bewusst an die eigene Designtradition – von George Nelson, dem Eames Office, Alexander Girard und Isamu Noguchi bis zu Robert Propst und Bill Stumpf. Colin und Hecht sollen nun offenbar helfen, diese Linie in die nächste Phase zu übersetzen.
Das ist die eigentliche Nachricht hinter der Personalie. In einem Konzern, der zuletzt vor allem mit Führungswechsel, Aktienkurs, Integrationsfragen rund um Knoll und der Suche nach neuer Stabilität beschäftigt war, will Herman Miller wieder stärker über Design sprechen. Nicht nur über Management.