Man kann diesen Campus betreten wie jeden anderen. Glas, Beton, offene Flächen. Und doch funktioniert er anders. Der SRH University Campus in Berlin ist kein Gebäude, das nur Lehre organisiert. Er ist ein System, das Identität sichtbar macht – und genau dafür erhält das Projekt den German Design Award 2026. Die Jury würdigt nicht nur Gestaltung, sondern einen Ansatz: Innenarchitektur, Markenführung und Lernumgebung greifen hier ineinander. Räume geben Orientierung, schaffen Zugehörigkeit und bleiben gleichzeitig flexibel genug, um sich an neue Anforderungen anzupassen.
Das klingt abstrakt. In Berlin wird es konkret. Rund 12.000 Quadratmeter Fläche, direkt am Wasser und angebunden an die Ringbahn. Mehr als 3.000 Studierende aus über 120 Ländern nutzen den Campus. Die Internationalität ist Teil des Konzepts – und prägt die räumliche Struktur ebenso wie die visuelle Sprache.
Der eigentliche Hebel liegt jedoch im Detail. Das Projekt folgt konsequent dem Prinzip „Brand in Space“. Materialien, Farben, Möbeltypen und sogar kleinste Gestaltungselemente sind durchdefiniert und übersetzen die Marke der Hochschule in eine räumliche Erfahrung. Diese Konsequenz ist selten. Und sie ist gewollt.
Vom Raum zum Werkzeug
Entwickelt wurde das Konzept von der Berliner Agentur dan pearlman unter Leitung von Marcus Fischer. Seit 2021 begleitet das Team die SRH bei der räumlichen Markenentwicklung. Steelcase bringt sich parallel als strategischer Partner ein. Nicht nur mit Produkten, sondern mit einer klaren Idee von Arbeits- und Lernumgebungen, die im Objektmarkt an Bedeutung gewinnen. Andere Projekte wie eines in Peking unterstreichen das. Das Ergebnis in Berlin sind keine statischen Räume, sondern Zonen, die sich verändern lassen. Möbel sind modular, Räume verschiebbar, Nutzungen offen gedacht.
Damit verschiebt sich die Funktion des Campus. Der Hörsaal verliert an Bedeutung. Stattdessen entstehen hybride Flächen: für Workshops, Gruppenarbeit, Rückzug oder spontane Begegnung. Ein Forum mit Bühne und Veranstaltungstechnik gehört ebenso dazu wie klassische Seminarbereiche.
Der Campus wird damit zum „New Learning Hub“ – ein Begriff, den die Jury explizit aufgreift. Gemeint ist die Transformation klassischer Lernorte in dynamische, vernetzte Umgebungen.
Der „Common Path“ als Leitmotiv
Auffällig ist die klare räumliche Dramaturgie. Der sogenannte „Common Path“ zieht sich als gestalterisches Motiv durch den Campus. Er strukturiert Wege, verbindet Zonen und gibt Orientierung im Alltag. Das ist mehr als ein gestalterischer Kniff. Es ist ein Versuch, Lernen räumlich zu begleiten. Studierende bewegen sich nicht nur durch Flure, sondern durch eine Abfolge von Situationen: konzentriert, kommunikativ, offen, zurückgezogen.




