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Peking hört mit

Wie eine Musikschule Klang neu organisiert

25.03.2026 | 14:43

Farben als Leitsystem: Rot, Orange und Gelb markieren Altersgruppen und strukturieren den Musikbereich bereits im Flur. Foto: studio vapore & Vincent Wu
Glas statt Abschottung: Sichtverbindungen halten den Überblick, während die Akustik gezielt gesteuert wird. Foto: Shawn Koh
Glas statt Abschottung: Sichtverbindungen halten den Überblick, während die Akustik gezielt gesteuert wird. Foto: Shawn Koh

700 Quadratmeter. Ein Flur. Mehrere Räume. Und ein klarer Plan. Die Musikabteilung der Western Academy of Beijing wurde nicht erweitert, sondern neu organisiert. studio vapore greift in bestehende Strukturen ein – und nutzt sie konsequent aus. Und liefert ein starkes Beispiel für den Bereich Bildung als Wachstumssegment im Contract, von denen es mittlerweile immer mehr gibt

Das Layout folgt einer einfachen Logik: ein Klassenraum, mehrere zugeordnete Übungsräume. Jeder Unterrichtsraum gehört einem Lehrer und ist direkt mit Practice Rooms gekoppelt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Unterricht, Ensembleproben und Einzelübungen laufen gleichzeitig – ohne dass Räume mehrfach belegt oder Wege unnötig lang werden. Die Verbindung zwischen den Räumen erfolgt über Glas. Sichtkontakt bleibt. Lehrkräfte behalten den Überblick, auch wenn parallel gearbeitet wird. Eine klassische Aufteilung in „drinnen“ und „draußen“ gibt es hier nicht mehr.

Gute Akustik kann auch laut sein

Entscheidend wird es beim Thema Akustik. Gemeinsam mit Delhom Acoustics wird der Schall nicht komplett abgeschottet, sondern gezielt gesteuert. Wände, Decken, Böden und Einbauten sind entsprechend behandelt. Das Ergebnis: reduzierte Nachhallzeiten und begrenzte Schallübertragung – aber keine vollständige Isolation. Das ist kein Zufall. Die Räume sind so eingestellt, dass sich Musik leicht überlagern darf. Wer den Flur entlanggeht, hört Fragmente aus den angrenzenden Räumen. Unterricht bleibt hörbar, ohne zu stören. Die Musik wird Teil des gesamten Bereichs, nicht nur einzelner Zimmer.

Farbe mit Funktion: Orientierung nach Altersgruppen

Farbe übernimmt die zweite Ordnungsebene. Drei Hauptklassenräume, drei Farben: Rot, Orange, Gelb. Sie stehen jeweils für unterschiedliche Altersgruppen. Gleichzeitig markieren sie die Zugänge. Wer den Flur entlanggeht, erkennt sofort, welcher Raum wohin gehört.

Im Inneren bleibt die Gestaltung zurückhaltend. Die Unterrichtsbereiche sind bewusst neutral gehalten. Farbe taucht gezielt als Band entlang der Fensterseite auf – und verbindet so Klassenräume mit ihren jeweiligen Übungsräumen. Eine visuelle Klammer, die das System lesbar macht. Anders die Practice Rooms. Hier wird die Farbe konsequent durchgezogen. Jeder Raum ist vollständig in seiner jeweiligen Farbwelt gestaltet. Filzpaneele, textile Oberflächen und dreidimensionale akustische Elemente greifen das auf. Die Abstufungen innerhalb der Farbe sorgen dafür, dass die Räume trotz Intensität nicht überladen wirken.

Auch das Licht ist angepasst. Gleichmäßige Beleuchtung in den Klassenräumen, wärmere, fokussiertere Lichtstimmung in den Übungsräumen. Der Unterschied ist subtil, aber wirksam – je nach Nutzung verändert sich die Atmosphäre.

Die akustischen Elemente übernehmen dabei eine doppelte Funktion. Sie regulieren den Klang und strukturieren gleichzeitig die Wände. Ihre dreidimensionale Anordnung erzeugt eine visuelle Rhythmik – ein naheliegender, aber hier sauber umgesetzter Bezug zur Musik.

Akustik wird sichtbar: Textile Oberflächen und integrierte Einbauten verbessern den Klang und strukturieren gleichzeitig den Raum. Foto: Vincent Wu
Akustik wird sichtbar: Textile Oberflächen und integrierte Einbauten verbessern den Klang und strukturieren gleichzeitig den Raum. Foto: Vincent Wu
Voll gesättigt: Die Übungsräume setzen auf Farbe, warme Lichtstimmung und akustisch wirksame Wandmodule für konzentriertes Arbeiten. Foto: Vincent Wu
Voll gesättigt: Die Übungsräume setzen auf Farbe, warme Lichtstimmung und akustisch wirksame Wandmodule für konzentriertes Arbeiten. Foto: Vincent Wu
Reduktion im Detail: Farbe, Licht und Material greifen ineinander und schaffen klare, fokussierte Arbeitszonen. Foto: Vincent Wu
Reduktion im Detail: Farbe, Licht und Material greifen ineinander und schaffen klare, fokussierte Arbeitszonen. Foto: Vincent Wu
Ein Raum für alles: Unterricht, Gruppenarbeit und Ensembleproben finden parallel statt – mit direkter Anbindung an die Practice Rooms. Foto: Shawn Koh
Ein Raum für alles: Unterricht, Gruppenarbeit und Ensembleproben finden parallel statt – mit direkter Anbindung an die Practice Rooms. Foto: Shawn Koh

studio vapore, 2021 von Erica Borsa gegründet, bleibt dabei konsequent im Ansatz: Gestaltung folgt Nutzung. Keine überflüssigen Gesten, sondern klare Entscheidungen entlang der Funktion.

Industrie trifft Projekt: Wie LMFU Systeme in Räume übersetzt

Die Möblierung kommt von LMFU. Ein Hersteller mit industrieller Basis: drei Produktionsstandorte in Beijing, Hebei und Tianjin, rund 1,5 Milliarden RMB Jahresproduktion, Export in 86 Märkte. Das klingt groß – und ist für ein Projekt wie dieses relevant. Denn hier geht es nicht um Einzelstücke, sondern um Systeme. LMFU liefert Möbel, die sich in die räumliche Logik einfügen. Gleichzeitig bringt das Unternehmen Erfahrung aus verschiedenen Bereichen mit – von Office über Bildung bis hin zu Labor- und Gesundheitsmöbeln.

Technologisch setzt LMFU auf automatisierte Fertigung und eigene Materialentwicklungen. Dazu gehören formaldehydfreie Platten, wasserbasierte Lacke und emissionsarme Oberflächen. Zertifizierungen wie GREENGUARD Gold sind dabei Standard, nicht Ausnahme. Interessant ist auch der Blick auf die Produktentwicklung: Serien wie die KU-Dormitory-Linie zeigen, dass der Bildungsbereich längst mehr ist als ein Nebenmarkt. Raumlösungen werden hier gezielt weiterentwickelt – auch in Richtung Effizienz und Flächennutzung.

Zurück nach Peking. Der Umbau macht sichtbar, was viele Bildungseinrichtungen aktuell beschäftigt: Räume müssen mehr leisten. Parallelität ermöglichen. Orientierung geben. Und dabei robust bleiben.

Hier funktioniert das erstaunlich unspektakulär. Klare Wege, klare Zuordnung, kontrollierter Klang. Und drei Farben, die mehr können als gut aussehen.

Projektangaben

Projektname: Music Classrooms at the Western Academy of Beijing
Design: studio vapore (Erica Borsa)
Kunde: Western Academy of Beijing
Akustik: Delhom Acoustics
Möbel: LMFU
Fotos: Vincent Wu & Shawn Koh

Peking hört mit

Wie eine Musikschule Klang neu organisiert

25.03.2026 | 14:43
Farben als Leitsystem: Rot, Orange und Gelb markieren Altersgruppen und strukturieren den Musikbereich bereits im Flur. Foto: studio vapore & Vincent Wu
Farben als Leitsystem: Rot, Orange und Gelb markieren Altersgruppen und strukturieren den Musikbereich bereits im Flur. Foto: studio vapore & Vincent Wu

700 Quadratmeter. Ein Flur. Mehrere Räume. Und ein klarer Plan. Die Musikabteilung der Western Academy of Beijing wurde nicht erweitert, sondern neu organisiert. studio vapore greift in bestehende Strukturen ein – und nutzt sie konsequent aus.

Das Layout folgt einer einfachen Logik: ein Klassenraum, mehrere zugeordnete Übungsräume. Jeder Unterrichtsraum gehört einem Lehrer und ist direkt mit Practice Rooms gekoppelt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Unterricht, Ensembleproben und Einzelübungen laufen gleichzeitig – ohne dass Räume mehrfach belegt oder Wege unnötig lang werden. Die Verbindung zwischen den Räumen erfolgt über Glas. Sichtkontakt bleibt. Lehrkräfte behalten den Überblick, auch wenn parallel gearbeitet wird. Eine klassische Aufteilung in „drinnen“ und „draußen“ gibt es hier nicht mehr.

Gute Akustik kann auch laut sein

Entscheidend wird es beim Thema Akustik. Gemeinsam mit Delhom Acoustics wird der Schall nicht komplett abgeschottet, sondern gezielt gesteuert. Wände, Decken, Böden und Einbauten sind entsprechend behandelt. Das Ergebnis: reduzierte Nachhallzeiten und begrenzte Schallübertragung – aber keine vollständige Isolation. Das ist kein Zufall. Die Räume sind so eingestellt, dass sich Musik leicht überlagern darf. Wer den Flur entlanggeht, hört Fragmente aus den angrenzenden Räumen. Unterricht bleibt hörbar, ohne zu stören. Die Musik wird Teil des gesamten Bereichs, nicht nur einzelner Zimmer.

Farbe mit Funktion: Orientierung nach Altersgruppen

Farbe übernimmt die zweite Ordnungsebene. Drei Hauptklassenräume, drei Farben: Rot, Orange, Gelb. Sie stehen jeweils für unterschiedliche Altersgruppen. Gleichzeitig markieren sie die Zugänge. Wer den Flur entlanggeht, erkennt sofort, welcher Raum wohin gehört.

Im Inneren bleibt die Gestaltung zurückhaltend. Die Unterrichtsbereiche sind bewusst neutral gehalten. Farbe taucht gezielt als Band entlang der Fensterseite auf – und verbindet so Klassenräume mit ihren jeweiligen Übungsräumen. Eine visuelle Klammer, die das System lesbar macht. Anders die Practice Rooms. Hier wird die Farbe konsequent durchgezogen. Jeder Raum ist vollständig in seiner jeweiligen Farbwelt gestaltet. Filzpaneele, textile Oberflächen und dreidimensionale akustische Elemente greifen das auf. Die Abstufungen innerhalb der Farbe sorgen dafür, dass die Räume trotz Intensität nicht überladen wirken.

Auch das Licht ist angepasst. Gleichmäßige Beleuchtung in den Klassenräumen, wärmere, fokussiertere Lichtstimmung in den Übungsräumen. Der Unterschied ist subtil, aber wirksam – je nach Nutzung verändert sich die Atmosphäre.

Die akustischen Elemente übernehmen dabei eine doppelte Funktion. Sie regulieren den Klang und strukturieren gleichzeitig die Wände. Ihre dreidimensionale Anordnung erzeugt eine visuelle Rhythmik – ein naheliegender, aber hier sauber umgesetzter Bezug zur Musik.

studio vapore, 2021 von Erica Borsa gegründet, bleibt dabei konsequent im Ansatz: Gestaltung folgt Nutzung. Keine überflüssigen Gesten, sondern klare Entscheidungen entlang der Funktion.

Industrie trifft Projekt: Wie LMFU Systeme in Räume übersetzt

Die Möblierung kommt von LMFU. Ein Hersteller mit industrieller Basis: drei Produktionsstandorte in Beijing, Hebei und Tianjin, rund 1,5 Milliarden RMB Jahresproduktion, Export in 86 Märkte. Das klingt groß – und ist für ein Projekt wie dieses relevant. Denn hier geht es nicht um Einzelstücke, sondern um Systeme. LMFU liefert Möbel, die sich in die räumliche Logik einfügen. Gleichzeitig bringt das Unternehmen Erfahrung aus verschiedenen Bereichen mit – von Office über Bildung bis hin zu Labor- und Gesundheitsmöbeln.

Technologisch setzt LMFU auf automatisierte Fertigung und eigene Materialentwicklungen. Dazu gehören formaldehydfreie Platten, wasserbasierte Lacke und emissionsarme Oberflächen. Zertifizierungen wie GREENGUARD Gold sind dabei Standard, nicht Ausnahme. Interessant ist auch der Blick auf die Produktentwicklung: Serien wie die KU-Dormitory-Linie zeigen, dass der Bildungsbereich längst mehr ist als ein Nebenmarkt. Raumlösungen werden hier gezielt weiterentwickelt – auch in Richtung Effizienz und Flächennutzung.

Zurück nach Peking. Der Umbau macht sichtbar, was viele Bildungseinrichtungen aktuell beschäftigt: Räume müssen mehr leisten. Parallelität ermöglichen. Orientierung geben. Und dabei robust bleiben.

Hier funktioniert das erstaunlich unspektakulär. Klare Wege, klare Zuordnung, kontrollierter Klang. Und drei Farben, die mehr können als gut aussehen.

Project Credits

Projektname: Music Classrooms at the Western Academy of Beijing
Design: studio vapore (Erica Borsa)
Kunde: Western Academy of Beijing
Akustik: Delhom Acoustics
Möbel: LMFU
Fotos: Vincent Wu & Shawn Koh

Akustik wird sichtbar: Textile Oberflächen und integrierte Einbauten verbessern den Klang und strukturieren gleichzeitig den Raum. Foto: Vincent Wu
Akustik wird sichtbar: Textile Oberflächen und integrierte Einbauten verbessern den Klang und strukturieren gleichzeitig den Raum. Foto: Vincent Wu
Voll gesättigt: Die Übungsräume setzen auf Farbe, warme Lichtstimmung und akustisch wirksame Wandmodule für konzentriertes Arbeiten. Foto: Vincent Wu
Voll gesättigt: Die Übungsräume setzen auf Farbe, warme Lichtstimmung und akustisch wirksame Wandmodule für konzentriertes Arbeiten. Foto: Vincent Wu
Reduktion im Detail: Farbe, Licht und Material greifen ineinander und schaffen klare, fokussierte Arbeitszonen. Foto: Vincent Wu
Reduktion im Detail: Farbe, Licht und Material greifen ineinander und schaffen klare, fokussierte Arbeitszonen. Foto: Vincent Wu