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Beton lügt nicht

Pulpo zeigte auf der Maison&Objet, was Rohheit kann

23.03.2026 | 20:48

Cut Chair, X Table, X Bench, X Mirror und S Table. Photos: pulpo
Patrick L'hoste (pulpo CEO) und Xaver Sedelmeier (X Bench, X Table und X Mirror Designer)
Patrick L'hoste (pulpo CEO) und Xaver Sedelmeier (X Bench, X Table und X Mirror Designer)
X Table, X Bench und X Mirror
X Table, X Bench und X Mirror

Pulpo präsentierte auf der Maison&Objet zwei neue Kollektionen. Eine davon heißt „Industrial Art" und meint das ernst. Die andere macht Glas quadratisch. Beides funktioniert – aus einem einfachen Grund.

Es gibt Produktkategorien, die eigentlich längst gesättigt sein müssten. Beistelltische. Spiegel. Lounge Chairs. Und dann kommt ein Label aus Weil am Rhein und macht aus Baustahl-Trägern Möbel – und es wirkt nicht wie eine Provokation, sondern wie die einzig logische Konsequenz.

Pulpo-Chef Patrick L'hoste hat auf der Maison&Objet Anfang des Jahres zwei Dinge gezeigt: die neue Kollektion „Industrial Art" und eine Erweiterung der Alwa-Serie von Sebastian Herkner. Beides lohnt einen zweiten Blick – gerade für Innenarchitekten und Raumausstatter, die langsam genug haben von Möbeln, die sich entschuldigen.

Konstruktionsmaterialien für den Wohnraum – warum nicht?

Die Grundidee hinter „Industrial Art" ist simpel: Beton, Stahl und Aluminium nicht verkleiden, nicht aufhübschen, nicht in Farbe tauchen, die sie nicht sind. Sondern einfach lassen, was sie sind – und dann schauen, ob daraus ein Möbel werden kann.

Kann es.

Kai Linke nimmt den klassischen I-Träger aus Baustahl und macht daraus Beistelltische. Feuerverzinkt, zwei Höhen, keine Ornamente. Der K Table sieht aus wie etwas, das ein Architekt aus der Baustelle gerettet hat – und genau das ist der Witz daran. Für Projekte mit gewolltem Industriecharakter eine ehrliche Option; kein Verweis auf Rohheit, sondern Rohheit selbst.

Samuel Treindl verbindet beim S Table Beton mit verzinktem Stahl. Rau, schwer, klar. Ein Tisch, der nicht so tut, als wäre er aus etwas anderem gemacht. Das ist rarer als man denkt.

Xaver Sedelmeier arbeitet mit bronzefarben getönten Spiegeln, die tiefschwarze Pigmentflecken tragen – entstanden durch den Produktionsprozess, nicht durch Absicht. Jedes Stück sieht anders aus. Dazu Holzbänke und -tische mit Metallhäuten aus Chrom oder feuerverzinktem Stahl. Objekte, die zwischen Funktion und Skulptur pendeln, ohne in keiner Kategorie wirklich anzukommen. Gemeint als Kompliment.
Der Cut Chair von Studio BrichetZiegler aus Paris schließt die Kollektion ab: geschweißtes und geschliffenes Aluminium, aufgeschraubtes Kissen in Leder oder Stoff. Leicht. Präzise. Kein Aufsehen, aber auch keines nötig.

Alwa Collection Designer: Sebastian Herkner
Alwa Collection Designer: Sebastian Herkner
Cut Chair Designers: Studio BrichetZiegler
Cut Chair Designers: Studio BrichetZiegler
K Table Designer: Kai Linke
K Table Designer: Kai Linke
S Table Designer: Samuel Treindl
S Table Designer: Samuel Treindl

Das Konzept der Kollektion ist ausdrücklich auf Limitierung ausgelegt – kleine Serien, entwickelt mit zeitgenössischen Designer:innen und Künstler:innen. Wer also plant, hat Zeitdruck. Oder nennt es Exklusivität. Kommt auf die Kalkulation an.

Alwa wächst. Jetzt auch eckig.

Die Alwa-Tische von Sebastian Herkner gehören seit Jahren zu den Dingen, die Pulpo bekannt gemacht haben: dickes, handgegossenes Glas, durchgefärbt, in Kombination mit filigranem Metallgestell oder mundgeblasenem Glaszylinder. Die neue Variante Alwa Square übersetzt das Prinzip in eine quadratische Form. Drei Größen, verschiedene Ausführungen.

Das klingt nach Linienpflege. Ist es auch. Aber es ist gute Linienpflege – weil das Ausgangsmaterial trägt. Gussglas ist von Natur aus uneinheitlich; jedes Stück variiert minimal in Farbe und Struktur. Das macht Alwa Square zu einem Möbel, das sich im Raum verhält wie ein Kunstobjekt, dabei aber funktioniert wie ein Tisch. Für Innenarchitekten, die beides wollen: brauchbar.

Was das bedeutet

Pulpo macht keine Wohnzimmermöbel für Leute, die Wohnzimmermöbel wollen. Das Label macht Objekte für Räume, die eine Sprache brauchen. Industrial Art liefert diese Sprache mit schwerem Akzent – laut, materiell, kompromisslos. Alwa Square flüstert auf demselben Niveau.

Für die Projektplanung: Beide Kollektionen setzen voraus, dass der Rest des Raums diese Eigenständigkeit verträgt. Wer das im Blick hat, findet bei Pulpo Argumente – und keine Behauptungen.

Beton lügt nicht

Pulpo zeigte auf der Maison&Objet, was Rohheit kann

23.03.2026 | 20:48
Cut Chair, X Table, X Bench, X Mirror und S Table. Photos: pulpo
Cut Chair, X Table, X Bench, X Mirror und S Table. Photos: pulpo

Pulpo präsentierte auf der Maison&Objet zwei neue Kollektionen. Eine davon heißt „Industrial Art" und meint das ernst. Die andere macht Glas quadratisch. Beides funktioniert – aus einem einfachen Grund.

Es gibt Produktkategorien, die eigentlich längst gesättigt sein müssten. Beistelltische. Spiegel. Lounge Chairs. Und dann kommt ein Label aus Weil am Rhein und macht aus Baustahl-Trägern Möbel – und es wirkt nicht wie eine Provokation, sondern wie die einzig logische Konsequenz.

Pulpo-Chef Patrick L'hoste hat auf der Maison&Objet Anfang des Jahres zwei Dinge gezeigt: die neue Kollektion „Industrial Art" und eine Erweiterung der Alwa-Serie von Sebastian Herkner. Beides lohnt einen zweiten Blick – gerade für Innenarchitekten und Raumausstatter, die langsam genug haben von Möbeln, die sich entschuldigen.

Konstruktionsmaterialien für den Wohnraum – warum nicht?

Die Grundidee hinter „Industrial Art" ist simpel: Beton, Stahl und Aluminium nicht verkleiden, nicht aufhübschen, nicht in Farbe tauchen, die sie nicht sind. Sondern einfach lassen, was sie sind – und dann schauen, ob daraus ein Möbel werden kann.

Kann es.

Kai Linke nimmt den klassischen I-Träger aus Baustahl und macht daraus Beistelltische. Feuerverzinkt, zwei Höhen, keine Ornamente. Der K Table sieht aus wie etwas, das ein Architekt aus der Baustelle gerettet hat – und genau das ist der Witz daran. Für Projekte mit gewolltem Industriecharakter eine ehrliche Option; kein Verweis auf Rohheit, sondern Rohheit selbst.

Samuel Treindl verbindet beim S Table Beton mit verzinktem Stahl. Rau, schwer, klar. Ein Tisch, der nicht so tut, als wäre er aus etwas anderem gemacht. Das ist rarer als man denkt.

Xaver Sedelmeier arbeitet mit bronzefarben getönten Spiegeln, die tiefschwarze Pigmentflecken tragen – entstanden durch den Produktionsprozess, nicht durch Absicht. Jedes Stück sieht anders aus. Dazu Holzbänke und -tische mit Metallhäuten aus Chrom oder feuerverzinktem Stahl. Objekte, die zwischen Funktion und Skulptur pendeln, ohne in keiner Kategorie wirklich anzukommen. Gemeint als Kompliment.
Der Cut Chair von Studio BrichetZiegler aus Paris schließt die Kollektion ab: geschweißtes und geschliffenes Aluminium, aufgeschraubtes Kissen in Leder oder Stoff. Leicht. Präzise. Kein Aufsehen, aber auch keines nötig.

Das Konzept der Kollektion ist ausdrücklich auf Limitierung ausgelegt – kleine Serien, entwickelt mit zeitgenössischen Designer:innen und Künstler:innen. Wer also plant, hat Zeitdruck. Oder nennt es Exklusivität. Kommt auf die Kalkulation an.

Alwa wächst. Jetzt auch eckig.

Die Alwa-Tische von Sebastian Herkner gehören seit Jahren zu den Dingen, die Pulpo bekannt gemacht haben: dickes, handgegossenes Glas, durchgefärbt, in Kombination mit filigranem Metallgestell oder mundgeblasenem Glaszylinder. Die neue Variante Alwa Square übersetzt das Prinzip in eine quadratische Form. Drei Größen, verschiedene Ausführungen.

Das klingt nach Linienpflege. Ist es auch. Aber es ist gute Linienpflege – weil das Ausgangsmaterial trägt. Gussglas ist von Natur aus uneinheitlich; jedes Stück variiert minimal in Farbe und Struktur. Das macht Alwa Square zu einem Möbel, das sich im Raum verhält wie ein Kunstobjekt, dabei aber funktioniert wie ein Tisch. Für Innenarchitekten, die beides wollen: brauchbar.

Was das bedeutet

Pulpo macht keine Wohnzimmermöbel für Leute, die Wohnzimmermöbel wollen. Das Label macht Objekte für Räume, die eine Sprache brauchen. Industrial Art liefert diese Sprache mit schwerem Akzent – laut, materiell, kompromisslos. Alwa Square flüstert auf demselben Niveau.

Für die Projektplanung: Beide Kollektionen setzen voraus, dass der Rest des Raums diese Eigenständigkeit verträgt. Wer das im Blick hat, findet bei Pulpo Argumente – und keine Behauptungen.

Alwa Collection Designer: Sebastian Herkner
Alwa Collection Designer: Sebastian Herkner
Cut Chair Designers: Studio BrichetZiegler
Cut Chair Designers: Studio BrichetZiegler
K Table Designer: Kai Linke
K Table Designer: Kai Linke