Zugriffe: 19
Robert Petersson
Robert Petersson

Die Debatte nimmt Fahrt auf. Kürzere Arbeitszeiten, mehr Freizeit, neue Modelle. Was politisch attraktiv klingt, sorgt in der Industrie für Stirnrunzeln. Vor allem dort, wo international produziert und verkauft wird.

Beim schwedischen Familienunternehmen Kinnarps ist die Haltung klar. CEO Robert Petersson sieht in einer gesetzlichen Arbeitszeitverkürzung vor allem eines: steigende Kosten bei gleichbleibendem Output. Die Rechnung ist simpel – und für viele Unternehmen heikel.

„Jede Minute, um die die Arbeitszeit verkürzt wird, bedeutet eine entsprechende Lohnerhöhung und ist eine direkte Kostensteigerung für uns“, sagt Petersson. So formuliert er es in einem Beitrag beim Arbeitgeberverband Svenskt Näringsliv – und bringt damit auf den Punkt, worum es aus Sicht der Industrie geht: Wettbewerbsfähigkeit.

Kinnarps ist kein Unternehmen, das leichtfertig argumentiert. 1942 gegründet, bis heute in Familienhand, rund 1.800 Mitarbeitende, davon etwa 1.200 in Schweden. Produziert wird ausschließlich im eigenen Land, verteilt auf mehrere Standorte. Auch der Hauptsitz ist bewusst in der Provinz geblieben: Kinnarp, ein Ort mit rund tausend Einwohnern.

Der Standort Schweden ist Teil der Identität. Und zugleich eine bewusste wirtschaftliche Entscheidung. „Wir haben immer geglaubt, dass man in Schweden profitabel produzieren kann – aber man muss sich anstrengen“, sagt Petersson. Automatisierung, Effizienzsteigerung, Prozessoptimierung – alles wird genutzt. Aber nicht um jeden Preis. Ein gewisser Anteil Handwerk bleibt gewollt erhalten, etwa in der Textilfertigung.

Diese Balance gerät unter Druck. Denn Kinnarps verkauft seine Produkte in rund 40 Länder. Ein Großteil der Produktion geht in den Export. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz – auch im Heimatmarkt. Anbieter aus Ländern mit niedrigeren Kostenstrukturen treten direkt gegen schwedische Hersteller an.

Steigen die Kosten weiter, verschiebt sich dieses Gleichgewicht. Petersson formuliert das nüchtern: Wenn schwedische Produkte teurer werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden auf günstigere Importe ausweichen. Qualität, Nachhaltigkeit und Kontrolle über die Produktion bleiben Argumente – aber sie haben Grenzen.

In der politischen Debatte sieht er daher eine Verkürzung der Realität. Die klassische 40-Stunden-Woche sei längst nicht mehr der Standard. „Bei uns arbeiten die meisten rund 38,5 Stunden“, sagt Petersson. Vor diesem Hintergrund bewertet er Aussagen, wonach sich an der Arbeitszeit seit Jahrzehnten nichts verändert habe, zurückhaltend – aber deutlich: „Wenn ich mich zurückhalte, finde ich das merkwürdig.“

Sie wollen den kompletten Artikel lesen?