Artifort
Artifort ist ein niederländischer Möbelhersteller, gegründet 1890 von Jules Wagemans in Maastricht als Polstereiwerkstatt. Sein Sohn Henricus Wagemans baute das Familienunternehmen zu einer vollständigen Möbelfabrik aus; Ende der 1920er-Jahre verfügte das Unternehmen über einen Showroom in Amsterdam und eine gefestigte Reputation im niederländischen Markt. 1928 wurde der Markenname Artifort eingeführt — abgeleitet aus dem Lateinischen „ars" (Kunst, Wissen) und „fortis" (stark, mächtig), mit einem gleichzeitigen Anklang an das englische „comfort". Den technischen Durchbruch der 1930er-Jahre brachte eine Lizenz auf das Epeda-Federungssystem: ein Innenfedern-System, das aus einem einzigen Stahldraht geflochten wird und gegenüber konventionellen Federn mehr Komfort, höhere Haltbarkeit und kürzere Produktionszeiten bietet. Bis in die 1950er-Jahre fertigte Artifort klassische Holzmöbel; der erste gestalterische Aufbruch kam mit den Stühlen Pinguïn und Congo, entworfen von Theo Ruth, der 1939 als Chefdesigner eingetreten war.
Die entscheidende Zäsur in der Unternehmensgeschichte war die Berufung des Innenarchitekten und Möbeldesigners Kho Liang Ie 1958 als ästhetischer Berater. Kho Liang Ie gestaltete das neue Artifort-Logo, baute das internationale Designernetzwerk des Hauses auf und rekrutierte 1959 den französischen Designer Pierre Paulin. Paulin entwickelte eine neue Produktionstechnik: Röhrenstahlgestelle werden mit Schaumstoff gepolstert und mit nahtlosem, einteiligem Stretchbezug bespannt — ein Fertigungsprinzip, das den Polsterer mit Schaumgummi im Mund ersetzt durch industriell gefertigte Organik. Aus dieser Methode entstanden Paulins ikonische Entwürfe: Mushroom (F560, 1963 — heute in der Permanent Collection des Museum of Modern Art, New York), Orange Slice, Tongue, Tulip, Ribbon (F582, 1965 — Tubularstahl, Schaumstoff, elastischer Bezug), F577. Der britische Designer Geoffrey D. Harcourt trat ebenfalls in dieser Ära ein und entwickelte eine umfangreiche Collection für den internationalen Contract-Markt, die Artifort in den 1960er- und 1970er-Jahren zu einem weltweiten Wachstum verhalf. In den 1970er- und 1980er-Jahren folgten Entwürfe von Nel Verschuuren, Bruno Ninaber van Eyben, Gijs Bakker und Jeremy Harvey; in den 1990er-Jahren arbeitete Artifort mit Jasper Morrison, Wolfgang Mezger, René Holten und Jan Pesman. In diesem Jahrzehnt wechselte das Eigentum dreimal: 1990 zu Steelcase Strafor, 1994 zu Samas, 1998 zur Lande Group (Schijndel, Niederlande) — unter deren Führung das Unternehmen bis heute verblieben ist.
Seit 1998 produziert Artifort an drei eigenen Standorten: Schijndel (NL, Hauptsitz und Möbelfertigung), Lanaken (Belgien, Polstereikompetenz) und Bursa (Türkei). Über 170 Spezialisten — Polsterer, Schweißer, Schreiner, Näher — arbeiten an der Verbindung von industrieller Präzision und handwerklicher Endveredlung. In den 2000er- und 2010er-Jahren kamen neue Kooperationen hinzu: Patrick Norguet, Claesson Koivisto Rune, Luca Nichetto, Monica Förster, Ilse Crawford. Seit 2003 arbeitet der irano-amerikanische Designer Khodi Feiz für Artifort; 2014 wurde er zum Art-Director des Hauses ernannt, um die gestalterische Richtung der Marke zu führen. Feiz-Entwürfe: Extens (Schranksystem, Aluminium-Eckelemente + Holzpaneele), Bras, Beso (Stuhl, Sessel, Barhocker — mit verdecktem Reißverschluss-Bezugsystem), Balans, Gap, Figura (modulares Sofasystem — wählbare Armlehnen, Chaise-Longue-Optionen, Elektrifizierung, zwei Sitzhöhen). Artifort-Möbel sind in den Sammlungen des Museum of Modern Art (New York) und des Centre Pompidou (Paris) vertreten, sowie im Victoria & Albert Museum (London) und im Vitra Design Museum (Weil am Rhein).
Für Architekten und Contract-Planer ist Artifort die vollständigste niederländische Adresse für organisch geformtes Polstermöbel mit Museumsrang — mit einer 135-jährigen Unternehmensgeschichte, die das Stretch-Bezugsystem ebenso hervorgebracht hat wie das modulare Sofa des 21. Jahrhunderts, und einem Produktionssystem, das handwerkliche Polsterkunst und industrielle Fertigung in zwei werkseigenen Kompetenzstandorten in Schijndel und Lanaken vereint.
Featured Brands
HNI Corporation (inkl. Steelcase)
Artifort
Artifort ist ein niederländischer Möbelhersteller, gegründet 1890 von Jules Wagemans in Maastricht als Polstereiwerkstatt. Sein Sohn Henricus Wagemans baute das Familienunternehmen zu einer vollständigen Möbelfabrik aus; Ende der 1920er-Jahre verfügte das Unternehmen über einen Showroom in Amsterdam und eine gefestigte Reputation im niederländischen Markt. 1928 wurde der Markenname Artifort eingeführt — abgeleitet aus dem Lateinischen „ars" (Kunst, Wissen) und „fortis" (stark, mächtig), mit einem gleichzeitigen Anklang an das englische „comfort". Den technischen Durchbruch der 1930er-Jahre brachte eine Lizenz auf das Epeda-Federungssystem: ein Innenfedern-System, das aus einem einzigen Stahldraht geflochten wird und gegenüber konventionellen Federn mehr Komfort, höhere Haltbarkeit und kürzere Produktionszeiten bietet. Bis in die 1950er-Jahre fertigte Artifort klassische Holzmöbel; der erste gestalterische Aufbruch kam mit den Stühlen Pinguïn und Congo, entworfen von Theo Ruth, der 1939 als Chefdesigner eingetreten war.
Die entscheidende Zäsur in der Unternehmensgeschichte war die Berufung des Innenarchitekten und Möbeldesigners Kho Liang Ie 1958 als ästhetischer Berater. Kho Liang Ie gestaltete das neue Artifort-Logo, baute das internationale Designernetzwerk des Hauses auf und rekrutierte 1959 den französischen Designer Pierre Paulin. Paulin entwickelte eine neue Produktionstechnik: Röhrenstahlgestelle werden mit Schaumstoff gepolstert und mit nahtlosem, einteiligem Stretchbezug bespannt — ein Fertigungsprinzip, das den Polsterer mit Schaumgummi im Mund ersetzt durch industriell gefertigte Organik. Aus dieser Methode entstanden Paulins ikonische Entwürfe: Mushroom (F560, 1963 — heute in der Permanent Collection des Museum of Modern Art, New York), Orange Slice, Tongue, Tulip, Ribbon (F582, 1965 — Tubularstahl, Schaumstoff, elastischer Bezug), F577. Der britische Designer Geoffrey D. Harcourt trat ebenfalls in dieser Ära ein und entwickelte eine umfangreiche Collection für den internationalen Contract-Markt, die Artifort in den 1960er- und 1970er-Jahren zu einem weltweiten Wachstum verhalf. In den 1970er- und 1980er-Jahren folgten Entwürfe von Nel Verschuuren, Bruno Ninaber van Eyben, Gijs Bakker und Jeremy Harvey; in den 1990er-Jahren arbeitete Artifort mit Jasper Morrison, Wolfgang Mezger, René Holten und Jan Pesman. In diesem Jahrzehnt wechselte das Eigentum dreimal: 1990 zu Steelcase Strafor, 1994 zu Samas, 1998 zur Lande Group (Schijndel, Niederlande) — unter deren Führung das Unternehmen bis heute verblieben ist.
Seit 1998 produziert Artifort an drei eigenen Standorten: Schijndel (NL, Hauptsitz und Möbelfertigung), Lanaken (Belgien, Polstereikompetenz) und Bursa (Türkei). Über 170 Spezialisten — Polsterer, Schweißer, Schreiner, Näher — arbeiten an der Verbindung von industrieller Präzision und handwerklicher Endveredlung. In den 2000er- und 2010er-Jahren kamen neue Kooperationen hinzu: Patrick Norguet, Claesson Koivisto Rune, Luca Nichetto, Monica Förster, Ilse Crawford. Seit 2003 arbeitet der irano-amerikanische Designer Khodi Feiz für Artifort; 2014 wurde er zum Art-Director des Hauses ernannt, um die gestalterische Richtung der Marke zu führen. Feiz-Entwürfe: Extens (Schranksystem, Aluminium-Eckelemente + Holzpaneele), Bras, Beso (Stuhl, Sessel, Barhocker — mit verdecktem Reißverschluss-Bezugsystem), Balans, Gap, Figura (modulares Sofasystem — wählbare Armlehnen, Chaise-Longue-Optionen, Elektrifizierung, zwei Sitzhöhen). Artifort-Möbel sind in den Sammlungen des Museum of Modern Art (New York) und des Centre Pompidou (Paris) vertreten, sowie im Victoria & Albert Museum (London) und im Vitra Design Museum (Weil am Rhein).
Für Architekten und Contract-Planer ist Artifort die vollständigste niederländische Adresse für organisch geformtes Polstermöbel mit Museumsrang — mit einer 135-jährigen Unternehmensgeschichte, die das Stretch-Bezugsystem ebenso hervorgebracht hat wie das modulare Sofa des 21. Jahrhunderts, und einem Produktionssystem, das handwerkliche Polsterkunst und industrielle Fertigung in zwei werkseigenen Kompetenzstandorten in Schijndel und Lanaken vereint.