Paris kann vieles. Vor allem: laut sein, eng, voll. Permanent auf Sendung. Das 11. Arrondissement, das ist einer dieser Stadtteile, die nicht aufhören, sich selbst zu verdichten. Und genau hier versteckt sich – hinter einem Tor, durch einen langgezogenen Hof, fast schon trotzig – ein Haus, das mit all dem nichts zu tun haben will.
Die Inneneinrichtung dort hat Holzrausch umgesetzt.
Die Münchner machen seit Jahren genau das, was viele gerne behaupten, aber nur wenige wirklich durchziehen: Sie denken Innenarchitektur nicht als Styling, sondern als System. Planung, Konstruktion, Fertigung – alles unter einem Dach. Tobias Petri und Sven Petzold haben das vor rund 20 Jahren gestartet, damals noch als Schreiner mit einer ziemlich unmodernen Idee: selbst entwerfen statt nur ausführen. Heute klingt das selbstverständlich. Damals war es eher… sagen wir: mutig.
Ein Kunde ohne Deko-Drang
Und jetzt also Paris. Und der Kunde? Ehemaliges Model, Galerist, kreativ. Also genau die Sorte Mensch, bei der man erwarten würde: Kunst, Statements, Sammlerstücke, vielleicht ein bisschen zu viel von allem. Stattdessen: das Gegenteil. Keine Bilder. Keine Objekte. Keine „Ich war auf der Art Basel“-Attitüde. Ruhe. Einfach nur Ruhe.
Petri formuliert das höflich. Man könnte auch sagen: Endlich mal jemand, der sich traut, nichts zu wollen.
Das Ergebnis ist entsprechend radikal. Vier Materialien. Eiche, Putz, Stein, Edelstahl in der Küche. Fertig. Kein Materialfetisch, kein Oberflächen-Zirkus, kein „wir haben hier noch ein besonderes Finish entdeckt“. Wer heute noch glaubt, Minimalismus sei einfach, sollte sich dieses Haus anschauen. Reduktion ist brutal. Sie verzeiht nichts. Jede Fuge, jede Kante, jede Entscheidung steht plötzlich im Rampenlicht. Ein konsequenter Materialeinsatz, wie man ihn zuletzt auch bei Pulpo gesehen hat.
Planung trifft Werkstatt
Und genau hier spielt Holzrausch seine eigentliche Stärke aus: die Nähe zwischen Entwurf und Umsetzung. „Viele Kunden kommen direkt zu uns, weil der Weg von der Planung bis zur Fertigung extrem kurz ist“, sagt Petri. Klingt unspektakulär, ist aber der entscheidende Unterschied. Wer plant und selbst baut, kann sich keine Ausreden leisten.
Das Haus selbst folgt keiner spektakulären Geste. Vier Ebenen, etwa 3.800 square feet, also rund 350 Quadratmeter. Ein L-förmiger Grundriss, alle Fenster zum Innenhof. Klingt erstmal wie ein Problem. Ist es auch.
Also kommt das Licht von oben.
Und plötzlich passiert etwas Interessantes. Die Treppe – oft das ungeliebte Pflichtprogramm zwischen zwei Geschossen – wird zum zentralen Element. Geschwungen, skulptural, fast ein bisschen dramatisch, ohne laut zu werden. Sie verteilt Licht über alle Ebenen, organisiert den Raum, hält das Haus zusammen. Rückgrat trifft Lichtmaschine.
Das ist typisch Holzrausch. Die denken nicht in Möbeln, sondern in Strukturen. Schon bei ihren Küchenprojekten wie etwa J*GAST ging es nie nur um Fronten oder Geräte, sondern um Konstruktion als gestalterisches Prinzip. Rahmen sichtbar lassen, Systeme ehrlich zeigen, nichts verkleiden, was man auch verstehen kann.






