700 Quadratmeter. Ein Flur. Mehrere Räume. Und ein klarer Plan. Die Musikabteilung der Western Academy of Beijing wurde nicht erweitert, sondern neu organisiert. studio vapore greift in bestehende Strukturen ein – und nutzt sie konsequent aus. Und liefert ein starkes Beispiel für den Bereich Bildung als Wachstumssegment im Contract, von denen es mittlerweile immer mehr gibt.
Das Layout folgt einer einfachen Logik: ein Klassenraum, mehrere zugeordnete Übungsräume. Jeder Unterrichtsraum gehört einem Lehrer und ist direkt mit Practice Rooms gekoppelt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Unterricht, Ensembleproben und Einzelübungen laufen gleichzeitig – ohne dass Räume mehrfach belegt oder Wege unnötig lang werden. Die Verbindung zwischen den Räumen erfolgt über Glas. Sichtkontakt bleibt. Lehrkräfte behalten den Überblick, auch wenn parallel gearbeitet wird. Eine klassische Aufteilung in „drinnen“ und „draußen“ gibt es hier nicht mehr.
Gute Akustik kann auch laut sein
Entscheidend wird es beim Thema Akustik. Gemeinsam mit Delhom Acoustics wird der Schall nicht komplett abgeschottet, sondern gezielt gesteuert. Wände, Decken, Böden und Einbauten sind entsprechend behandelt. Das Ergebnis: reduzierte Nachhallzeiten und begrenzte Schallübertragung – aber keine vollständige Isolation. Das ist kein Zufall. Die Räume sind so eingestellt, dass sich Musik leicht überlagern darf. Wer den Flur entlanggeht, hört Fragmente aus den angrenzenden Räumen. Unterricht bleibt hörbar, ohne zu stören. Die Musik wird Teil des gesamten Bereichs, nicht nur einzelner Zimmer.
Farbe mit Funktion: Orientierung nach Altersgruppen
Farbe übernimmt die zweite Ordnungsebene. Drei Hauptklassenräume, drei Farben: Rot, Orange, Gelb. Sie stehen jeweils für unterschiedliche Altersgruppen. Gleichzeitig markieren sie die Zugänge. Wer den Flur entlanggeht, erkennt sofort, welcher Raum wohin gehört.
Im Inneren bleibt die Gestaltung zurückhaltend. Die Unterrichtsbereiche sind bewusst neutral gehalten. Farbe taucht gezielt als Band entlang der Fensterseite auf – und verbindet so Klassenräume mit ihren jeweiligen Übungsräumen. Eine visuelle Klammer, die das System lesbar macht. Anders die Practice Rooms. Hier wird die Farbe konsequent durchgezogen. Jeder Raum ist vollständig in seiner jeweiligen Farbwelt gestaltet. Filzpaneele, textile Oberflächen und dreidimensionale akustische Elemente greifen das auf. Die Abstufungen innerhalb der Farbe sorgen dafür, dass die Räume trotz Intensität nicht überladen wirken.
Auch das Licht ist angepasst. Gleichmäßige Beleuchtung in den Klassenräumen, wärmere, fokussiertere Lichtstimmung in den Übungsräumen. Der Unterschied ist subtil, aber wirksam – je nach Nutzung verändert sich die Atmosphäre.
Die akustischen Elemente übernehmen dabei eine doppelte Funktion. Sie regulieren den Klang und strukturieren gleichzeitig die Wände. Ihre dreidimensionale Anordnung erzeugt eine visuelle Rhythmik – ein naheliegender, aber hier sauber umgesetzter Bezug zur Musik.





